Duty-Free
Tabakprävention fordert Zigarettenverbot im Duty-free

Der Bundesrat will Duty-free-Umsätze und damit auch Arbeitsplätze vom Ausland in die Schweiz holen. Die neue Regelung untergrabe den Präventionskampf der WHO, sagen Kritiker.

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Tabakprävention fordert Zigarettenverbot im Duty-free

Tabakprävention fordert Zigarettenverbot im Duty-free

Christof Forster

Präventions- und Gesundheitsorganisationen sind verärgert über den gestrigen Entscheid des Bundesrats, Duty-free-Einkäufe künftig auch bei der Ankunft in der Schweiz zuzulassen. Für die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz (AT) ist dies ein Schritt in die falsche Richtung. Die Krebsliga Schweiz spricht von einem «Rückschritt in der Prävention».

Duty-free-Tabak als Schmuggelware

Die Dachorganisation AT kämpft für ein Verbot aller Tabakprodukte aus Schweizer Duty-free-Läden. «Ein Grossteil der für die Zollfreiläden bestimmten Zigaretten versickert in Schmuggelkanälen», sagt AT-Mitarbeiter Thomas Beutler. Die EU schätzte diesen Anteil vor der Aufhebung der Duty-free-Läden im Binnenmarkt auf 90 Prozent. Das Leck liegt bei den Zollfreilagern an Schiffs- und Flughäfen, wo die Zigaretten vor ihrer Lieferung in die einzelnen Duty-free-Läden zwischengelagert werden. Aufgrund larger Kontrollen einiger Staaten oder bestochener Lageristen verschwinden immer wieder grosse Mengen an Tabakwaren aus solchen Lagern und kommen in den Schwarzhandel. Am Ende dieser Kette steht der Raucher, der sich bei fliegenden Strassenhändlern billiger mit Zigaretten eindecken kann. Wenn der Preis sinkt, steigen die Verkäufe und damit der Konsum. Das Gleiche gilt für den Alkohol. Dies läuft dem Ansinnen der Krebsliga entgegen, die auf den Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebs verweist. Alkohol belastet den Stoffwechsel und kann über Jahre der Auslöser von verschiedenen Arten von Krebs sein.

«Gesundheitsschädigender Profit»

Für die Gesundheitsorganisationen ist der Entscheid des Bundesrats umso stossender, weil der internationale Trend in die Gegenrichtung läuft. Die EU hat den zollfreien Einkauf 1999 aufgehoben und kennt auch den Duty-free-Einkauf bei der Ankunft aus dem Ausland nicht. Es gehe nur um den kurzfristigen, gesundheitsschädigenden Profit einiger Zollfreiläden, kritisiert Ursula Zybach von der Krebsliga Schweiz

Auch die Welthandelsorganisation WHO hat das Problem von Duty-free-Tabakprodukten erkannt und will dagegen vorgehen. In einem Zusatzprotokoll zur Tabakkontrollkonvention der WHO sollen Zigarettenverkäufe in Zollfreiläden verboten werden. Bislang konnten sich die Staaten allerdings nicht einigen. Kommende Woche findet dazu in Genf eine weitere Verhandlungsrunde statt. Konvention und Zusatzprotokoll sind für die einzelnen Staaten jedoch erst bindend, wenn sie die Verträge ratifiziert haben. Die Schweiz hat die Tabakkontrollkonvention zwar unterschrieben, aber noch nicht ratifiziert.

Anfänglich hatte sich der Bundesrat noch mit dem Verweis auf die Situation in der EU und die WHO-Konvention gegen die Ausweitung der Zollfreikäufe gewehrt. Nun gewichtet die Regierung den wirtschaftlichen Nutzen des neuen Regimes höher: geschätzte 80 neue Arbeitsplätze und 60 Millionen Mehrumsatz in den Zollfreiläden, wovon auch die Flughäfen dank umsatzabhängigen Mietzinseinnahmen profitieren. 58 Länder kennen heute den zollfreien Einkauf bei der Ankunft, davon 5 in Europa (Gibraltar, Island, Norwegen, Serbien, Türkei). Der Schweizer Detailhandel hat laut Bundesrat fast nichts zu befürchten, da die Einkäufe hauptsächlich vom Duty-free im Ausland in die Schweiz verlagert werden.

Krebsliga setzt auf Lobbyarbeit

Die Krebsliga versucht, mit Lobbyarbeit bei Parlamentariern den Entscheid des Bundesrats noch zu korrigieren. Die Chancen dazu stehen allerdings nicht allzu gut. Der Nationalrat hat den entsprechenden Vorstoss von SVP-Vertreter Hans Kaufmann ohne Gegenstimme angenommen. Bliebe ein Referendum. Doch dies würde die Möglichkeiten der Krebsliga bei weitem übersteigen, sagt Zybach.

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