Expo 2020 in Dubai

Tabakkonzern Philip Morris sponsert Schweizer Pavillon an Weltausstellung – Präventionsexperten sind empört

Der Schweizer Pavillon an der Expo 2020 ist spektakulär. Philip Morris unterstützt den Auftritt als «Main Partner». (Visualisierung: EDA/Präsenz Schweiz)

Der Schweizer Pavillon an der Expo 2020 ist spektakulär. Philip Morris unterstützt den Auftritt als «Main Partner». (Visualisierung: EDA/Präsenz Schweiz)

Der Zigarettenhersteller Philip Morris ist Hauptsponsor des Schweizer Auftritts an der Weltausstellung 2020 in Dubai. Das Aussendepartement erlaubt dem Konzern, sich mit dem «Image der offiziellen Schweiz» zu schmücken.

25 Millionen Besucher, 190 Länder-Pavillons und ein Gelände so gross wie 600 Fussballfelder: Die Weltausstellung 2020 in Dubai soll, so werben die Organisatoren, «die bisher grösste und spektakulärste Expo» werden. 

Auch die Schweiz wird dabei sein, wenn die Ausstellung am 20. Oktober 2020 ihre Tore öffnet. Wer dann über das Expo-Gelände schlendert, dürfte den eidgenössischen Pavillon nicht übersehen. Herzstück der Konstruktion aus Gerüsten und Textilien ist eine auf der Spitze stehende, mit Spiegeln verkleidete Pyramide.

Das Gesamtbudget für den Auftritt der Schweiz beträgt 15 Millionen Franken. Anders als bei früheren Weltausstellungen stammt erstmals die Hälfte des Budgets von Sponsoren. Bei der Auswahl seiner Geldgeber scheint das federführende Aussendepartement nicht besonders wählerisch zu sein: Philip Morris ist einer von zwei Hauptsponsoren.

Der weltgrösste Tabakkonzern trägt einen substanziellen Teil von rund 1,8 Millionen Franken bei. Das Departement bestätigt entsprechende Informationen der Redaktion von CH Media.

Für den Hersteller der Marken Marlboro und Chesterfield ist der Auftritt als «Main Partner» im Schweizer Pavillon eine einmalige Gelegenheit. In seinen Unterlagen verspricht der Bund seinen Sponsoren die «Assoziation ihres Images mit jenem der offiziellen Schweiz».

Der Zigarettenkonzern darf sich mit dem Gütesiegel der Eidgenossenschaft dem Publikum an der Weltausstellung präsentieren. In einer Reihe mit dem zweiten Hauptsponsor Schindler sowie anderen Partnern wie Novartis, Nestlé und Clariant.

Zuständig für den Expo-Auftritt ist Präsenz Schweiz, die Abteilung für Landeskommunikation im Departement von Aussenminister Ignazio Cassis. 7,5 Millionen Franken muss sie bei Sponsoren für den Expo-Auftritt auftreiben, um damit die Vorgabe des Bundesrats zu erfüllen. Bislang seien Drittmittel von 5,3 Millionen Franken zugesichert worden, teilt das Aussendepartement mit. Eine weitere Million bekommt der Bund in Form von Sachleistungen.

Die Werber im Dienst der Nation versprechen eine «attraktive Kommunikationsplattform». So formuliert es Nicolas Bideau, Diplomat und Chef von Präsenz Schweiz, in einem Brief an potenzielle Partner. «Solche gemeinsame Auftritte sind sowohl für den Bund als auch für die beteiligten Institutionen und Unternehmen vorteilhaft.»

Grosses Sponsoring-Paket für Philip Morris

Für seinen Millionenzustupf als «Main Partner» bekommt Philip Morris vom Bund ein Sponsoring-Paket mit über 30 Leistungen, wie Dokumente zeigen. Dazu zählen:

  • Eine permanente Ausstellungsfläche von 75 Quadratmetern im Schweizer Pavillon.
  • Das Recht das offizielle Logo des Schweizer Pavillons für eigene Mitteilungen, PR und Werbung zu verwenden.
  • Logo-Präsenz auf Werbetafeln und Image-Spots auf Bildschirmen.
  • Einen Artikel über das Unternehmen in der Rubrik «Swiss Stories» auf der Website des Schweizer Auftritts.
  • Das Recht auf die Teilnahme an Networking-Anlässen und die Nutzung der Verbindungen des Bundes zu den lokalen Behörden in Dubai.
  • Kontingente zur Nutzung der Event-Lounge für eigene Anlässe, inklusive Vorzugskonditionen für das Catering.

Das Land, das Millionen in die Prävention steckt und seinen Bürgern so die Lust aufs Rauchen austreiben will; das Land, in dem jährlich 9500 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums sterben; das Land, dessen oberste Gesundheitsbehörde von einer «grossen Belastung für die öffentliche Gesundheit» spricht, ist also auch das Land, das dem grössten Tabakkonzern der Welt eine prominente Werbeplattform mit offiziellem Anstrich bietet.

Präventionsexperten haben kein Verständnis

Präventionsexperten reagieren empört. «Diese Zusammenarbeit ist unhaltbar», sagt Verena El Fehri von der nationalen Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention auf Anfrage. Dass ein Zigarettenhersteller vom Image der Schweiz profitieren dürfe, sei in jeder Form stossend. Für El Fehri ist klar:

Dabei sei es laut Gesetz eigentlich seine Aufgabe, dem Tabakkonsum entgegenzuwirken und die gesundheitlichen Risiken zu minimieren. Die Direktorin des Dachverbandes verweist auf die aktuellen politischen Debatten. Zwar wollte das Parlament zuletzt nichts wissen von neuen Werbeverboten für Tabakprodukte, die insbesondere auch Grossanlässe betroffen hätten.

Doch eine Volksinitiative, die Zigarettenwerbung faktisch verbieten will, dürfte zustandekommen. Und erklärtes Ziel des Bundesrates ist es weiterhin, der Tabakkonvention der Weltgesundheitsorganisation beizutreten. Der völkerrechtliche Vertrag sieht unter anderem strikte Einschränkungen beim Sponsoring von internationalen Veranstaltungen vor; 180 Staaten haben ihn bereits ratifiziert. «Mit einem Zigarettenhersteller als Sponsor blamiert sich die Schweiz auf dem internationalen Parkett», ist El Fehri überzeugt.

Alle Gesetze würden eingehalten, sagt der Bund

Anders sieht dies das Aussendepartement. Man halte sich an die Gesetze der Schweiz und des Gastlandes, erklärt ein Sprecher. «Auch im Bereich der Werbung.» Philip Morris habe sich verpflichtet, alle gängigen Normen einzuhalten. Weder würden Gratismuster im Schweizer Pavillon abgegeben, beteuert das Departement, noch werde der Bund tabakbezogene Produkte direkt bewerben.

Allerdings: In der Bar auf der Pavillon-Dachterasse, die für Personen ab 21 Jahren zugänglich ist, wird Philip Morris eine «Heat not Burn»-Zigarette vorstellen. Dabei dürfte es sich um das Produkt IQOS handeln. Der Konzern konzentriert seine Marketingaktivitäten derzeit voll darauf. IQOS enthält weniger Schadstoffe und wird als deutlich gesünder angepriesen. Der Tabak wird nicht verbrannt, sondern elektronisch erhitzt und damit verdampft.

Tabakkonzern will internationale Plattform nutzen

Das Departement von Bundesrat Cassis, der jahrelang als Präventivmediziner gearbeitet hat, spricht von einer «Alternative zur traditionellen Zigarette». In etwa so tönt der Werbesprech von Philip Morris. Der Konzern empfiehlt Rauchern, die es nicht lassen können, «quasi als zweitschlechteste Lösung auf das Alternativprodukt umzustellen», wie die NZZ jüngst konstatiert hat.

Auch bei IQOS findet sich der Warnhinweis: «Dieses Tabakerzeugnis kann Ihre Gesundheit schädigen und macht abhängig.» Und selbst wenn entsprechende Produkte den Rauchstopp erleichtern sollten, könnten sie «auch dafür verantwortlich sein, dass Jugendliche zu rauchen beginnen», wie das Bundesamt für Gesundheit in einem Bericht festhält.

Und Philip Morris? Der Konzern will in Dubai «die Bedeutung und die globale Bühne einer der weltweit führenden internationalen Messen nutzen», wie ein Sprecher erklärt. Man wolle «Wissenschaft und Innovation» präsentieren und so den Wandel vorantreiben. Philip Morris sei bestrebt, «eine rauchfreie Zukunft zu schaffen». «Rauchfreie Produkte», so die hauseigene Bezeichnung, sollen Zigaretten für diejenigen ersetzen, die sonst weiter rauchen würden.

Der Konzern ist mit einer operativen Zentrale und einem Forschungssitz in der Schweiz vertreten, unterstreicht der Sprecher. In Neuenburg forschten «300 Weltklasse-Wissenschaftler aus fast 40 Ländern» an Innovationen. Zu seinen spezifischen Plänen an der Expo will sich Philip Morris noch nicht äussern.

Autor

Sven Altermatt

Sven Altermatt

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