Flüchtlinge

Syrier hätten Unterkünfte in der Schweiz – doch sie dürfen vorerst nicht kommen

Ein Schneemann als kleiner Lichtblick im Flüchtlingsleben: Syrische Kinder in libanesischem Lager.Archiv/AP/KEY

Ein Schneemann als kleiner Lichtblick im Flüchtlingsleben: Syrische Kinder in libanesischem Lager.Archiv/AP/KEY

Hundert Privatpersonen würden Syrienflüchtlinge aufnehmen – doch wann, ist völlig offen. Simonetta Sommaruga will beim Bund keine neue Baustelle öffnen. Sie schiebt die Verantwortung an die Kantone und Gemeinden.

Die Bilder gehen seit Monaten um die Welt: Tausende syrische Kinder, Frauen und Männer sind auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Die erschütternden Berichte aus dem Krisengebiet und den Flüchtlingslagern haben auch in der Schweiz eine Welle der Solidarität ausgelöst. Spenden in Millionenhöhe sind bei den Hilfswerken eingegangen. Zudem sind knapp hundert Privatpersonen einem Aufruf der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) gefolgt und bieten Flüchtlingen eine private Unterkunft an.

Die Spannbreite der Angebote sei gross, sagt SFH-Sprecher Stefan Frey. Sie reiche vom Gästezimmer in einer 3-Zimmer-Wohnung über ganze Wohnungen in Bauerhöfen bis zu einem Kloster. Die Unterkünfte und die Gastgeber wären bereit – doch ein Einzugstermin ist noch nicht in Sicht.

Keine neue Baustelle

Kurz vor Weihnachten trafen sich Vertreter der Flüchtlingshilfe mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Die Justizministerin habe zwar «sehr viel persönliches Wohlwollen für das Projekt» gezeigt, sagt Frey. Doch die Flüchtlingshilfe wurde an Kantone und Gemeinden verwiesen: Weil im Justizdepartement derzeit die Testphase für das neue Asylverfahren anstehe, könne vorerst keine weitere Baustelle aufgemacht werden.

Die Flüchtlingshilfe wendet sich nun deshalb an die Kantone. Voraussichtlich nächste Woche ist ein Gespräch mit dem Solothurner Regierungsrat Peter Gomm geplant. Der Präsident der kantonalen Sozialdirektorenkonferenz will sich zurzeit noch nicht zu den Plänen der Flüchtlingshilfe äussern. Gomm lässt ausrichten, die Diskussion im Vorstand der Sozialdirektorenkonferenz finde im März statt.

Je nach Ausgang der Debatte unter den Kantonsvertretern könnten danach Pilotprojekte gestartet werden. «Die Testphase würde rund zwei Monate dauern», sagt Stefan Frey. Welches die Pilotkantone sein werden, ist zurzeit noch offen. Im Fokus stehen die Kantone Aargau, Bern, Solothurn und Zürich, von wo besonders viele Unterkunfts-Angebote kommen.

«Begrüssenswert» findet die Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli (Grüne) die Privatinitiative: «Gleichzeitig ist zu betonen, dass es sich im Grundsatz um eine staatliche Aufgabe handelt.» Der Kanton Aargau werde eine Beteiligung am Pilotprojekt aber «mit Sicherheit prüfen». Hochuli, die auf ihrem Hof drei angolanische Asylbewerber beherbergt, warnt jedoch vor «Schnellschüssen à la ‹Jetzt will ich auch helfen›». Der Entscheid müsse wohlüberlegt und mit Fachleuten besprochen sein.

Traumatisierte Flüchtlinge

Warnende Stimmen kommen auch von anderen Hilfswerken: «Viele Flüchtlinge sind traumatisiert – ohne eine gewisse Professionalität seitens der Helfer geht es nicht», sagt etwa Hugo Köppel, Leiter Abteilung Integration und Rückkehr beim Schweizerischen Roten Kreuz.

Und Caritas-Sprecher Odilo Noti sagt: «Es ist zwar wünschenswert, dass sich Private ergänzend einsetzen. Sie können aber nicht die Aufgaben des Staates übernehmen, sonst sind sie schnell überfordert.» Aus juristischer Sicht spricht nichts gegen die Aufnahme durch Private: Der Migrationsrechtsexperte Marc Spescha beurteilt das Projekt als «rechtlich machbar».Mehr zu Syrien auf Seite 9

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