Die drastische Erhöhung der Krankenkassenprämien im Kanton Bern (im Schnitt um 11,5 Prozent für Erwachsene) ist für den Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud (SP) das «Symptom einer chronischen Krankheit», an der das Gesundheitssystem leide. Er machte gestern Nachmittag vor den Medien das Finanzierungssystem verantwortlich. Es diene weder dazu, die Kosten in den Griff zu kriegen, noch erlaube es effiziente Kontrollen. Nach geringen Erhöhungen 2008 und 2009 in Bern habe nun Nachholbedarf bestanden, was auf schlechte Einschätzungen der Kosten für die Versicherer zurückzuführen sei, sagte Perrenoud. Die theoretischen Reserven seien zu tief festgelegt worden. Hier seien dem Kanton die Hände gebunden. Doch zwischen dem effektiven Kostenanstieg und der verordneten Prämienerhöhung bestehe eine unverständliche Differenz. Für den Kanton ergäben sich nun grosse soziale und wirtschaftliche Probleme.

Neben der Grösse des Kantons, einer dezentralen Spitalstruktur und der teuren Infrastruktur etwa wegen des Inselspital fallen in Bern insbesondere die Privatspitäler ins Gewicht. Sie erbringen rund einen Drittel aller Leistungen, die Kosten werden allein von der Grundversicherung bezahlt. Der Kanton beteiligt sich nicht daran, 2012 wird sich dies mit der Einführung der neuen Spitalfinanzierung ändern. «Diese Reformen werden grosse Anstrengungen erfordern», sagte Perrenoud. Die Spitallliste 2010 (die sich derzeit in zwei Varianten in der Anhörung befindet) sei ein Zwischenschritt zu dieser «tiefgreifenden Umgestaltung». Es gebe zuviele Spitäler im Kanton, allerdings könne man das Spitaldispositiv «nicht mit der Axt umbauen». Perrenoud kündigte jedoch an, dass das Überangebot in der Region Bern reduziert werden muss. Konkrete Angaben machte er dazu nicht, noch in diesem Jahr will er aber darüber informieren.

SP fodert den Umbau der Strukturen

Statt «die Schuld anderen in die Schuhe zu schieben», schrieb die SVP Kanton Bern, müsse der Regierungsrat nun für echte Verbesserungen auf der Kostenseite sorgen. Die dezentrale Spitalstruktur seien kein Grund für die hohen Prämien. Spitalschliessungen im ländlichen Raum würden nur die Versorgungssicherheit verschlechtern. Für die SP Kanton Bern dagegen müssen die «überdurchschnittlich teuren Spitalstrukturen» umgebaut werden; sie fordert die Einführung eines Hausarztmodells für alle sowie Gesundheitszentren, die die regionale Versorgung sicherstellen. (joh)