Todesstrafe

Sympathisanten der Todesstrafe planen Demonstration

Marcel Graf hat aufgegeben. Seine Sympatisanten hingegen gehen auf die Strasse.

Marcel Graf hat aufgegeben. Seine Sympatisanten hingegen gehen auf die Strasse.

Die Initiative zur «Einführung der Todesstrafe» liegt nach heftigen Kontroversen nicht mehr auf dem Tisch. Deren Sympathisanten aber kämpfen weiter. Jetzt planen sie eine Demo in Zürich.

Am 6. November 2010 findet in Zürich eine Demonstration unter dem Motto «Wir wollen demonstrieren im Stillen für alle Opfer von sexueller Gewalt» statt. Eigentlich nichts Aussergewöhnliches. Schliesslich gehören Volksinitiativen wie auch Demonstrationen zum Meinungsbildungsprozess.

Recherchen der az zeigen jedoch, dass hinter den Organisatoren der Kundgebung Sympathisanten der umstrittenen Initiative zur «Wiedereinführung der Todesstrafe» stecken. Sie wurde kurz nach dessen Lancierung von Initiator Marcel Graf zurückgezogen.

Mittel Juli 2010 gründet die Hauptorganisatorin S.H.* eine Facebook-Gruppe unter dem Namen «Todesstrafe für Mörder und Sexualstraftäter». Dort äussert sie den Wunsch, eine Initiative zur Wiedereinführung der Todesstrafe bei der Bundeskanzlei in Bern einzureichen. «Ich werde es mir zur Aufgabe machen, mein Anliegen als Volksinitiative zu entwickeln», schreibt S.H. Ende August auf der Community-Plattform.

Initiant Marcel Graf geht zu Facebook-Urheberin auf Distanz

Als Marcel Graf ihr zuvorkommt, versucht S.H. ihn aufzuspüren und will sich ihm anschliessen. Als aargauerzeitung.ch Marcel Graf kurz nach Lancierung der Initiative damit konfrontiert, geht er zur Urheberin und zur Facebook-Gruppe selbst auf Distanz. Graf wollte keine Trittbrettfahrer in seinem Komitee. Darüber hinaus war die Initiative bereits eingereicht.

Die Absage hinderte S.H. jedoch nicht daran, ihren Kampf zur Wiedereinführung der Todesstrafe weiterzuführen. Aus diesem Grund rief sie auf Facebook dazu auf, Unterschriften für die Initiative zu sammeln und dachte darüber nach, die Initiative übernehmen zu wollen.

S.H. ist selbst Opfer

S.H. wurde laut eigenen Angaben während ihrer Kindheit sexuell missbraucht. Deshalb spricht sie sich offen für die Todesstrafe für Mörder und Sexualstraftäter aus.

Derweil ist die Organisation für die Demonstration weit fortgeschritten. Die Stadtpolizei Zürich bestätigt gegenüber az, dass die Bewilligung für die Kundgebung bereits erteilt wurde. «Die Stadtpolizei hat uns sogar die Route für die Demo herausgesucht», erklärt S.H.

Die Kundgebung soll am Hirschenplatz ihren Anfang nehmen und die Teilnehmer über das Zürcher Niederdorf, die Mühlegasse auf die Rudolf-Brun-Brücke führen.

Schriftstellerin Iris Galey ist der Ehrengast

Zudem hat eine von der Organisatorin angefragte prominente Persönlichkeit ihre Teilnahme zugesichert. Die Schriftstellerin Iris Galey (siehe Bild) wird am Rande der Demonstration eine Rede halten und gleichzeitig für ihr neues Buch werben. Für ihren Auftritt erhält Galey laut eigenen Angaben keine Gage. Insgesamt haben sich 69 Personen für die Veranstaltung angemeldet.

Da der Aufruf zur Kundgebung hauptsächlich über die Facebook-Gruppe «Todesstrafe für Mörder und Sexualstraftäter» erfolgte, ist davon auszugehen, dass neben der Organisatorin weitere Sympathisanten für die Todesstrafe den Weg zur Veranstaltung finden werden.

Ausserdem bestätigt S.H., dass bislang 600 Franken an Spenden für die Kundgebung eingegangen seien und eine enge Freundin sämtliche Kosten für die Organisation der Demonstration übernehme.

Als az die Organisatorin auf den Ruf nach der Todesstrafe in der Facebook-Gruppe anspricht, will S.H. nichts mehr davon wissen. «Diese Demonstration hat nichts mit der Todesstrafe zu tun. Ich werde die Facebook-Gruppe Ende Woche abschalten.» Ziel der Veranstaltung sei lediglich, die Bevölkerung auf sexuelle Übergriffe von Erwachsenen an Kindern aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren.

Galey will an Demonstration Todesstrafe thematisieren

Auch Schriftstellerin Iris Galey reagiert auf den Hintergrund der Organisatoren schockiert und geht zu den Veranstaltern auf Distanz. «Ich hatte keine Kenntnis davon. In jedem Fall distanziere ich mich von der Todesstrafe und werde dies auch in meiner Rede an der Veranstaltung klarmachen - auch wenn es danach zum Eklat kommt.» Absagen will Galey ihren Auftritt jedoch nicht.

Die Stadtpolizei Zürich hat das Motiv der Veranstalter nicht durchleuchtet, will die Bewilligung der Demonstration allerdings nicht zurückziehen. «Die politische Gesinnung der Veranstalter haben keinen Einfluss auf die Bewilligung der Demonstration.» Die Organisatoren hätten das Recht zur freien Meinungsäusserung. Die Stadtpolizei Zürich betont allerdings, dass die Kundgebung «polizeilich» begleitet werde.

*Name der Redaktion bekannt.

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