Germanwings-Absturz
Swiss-Pilot: «Ich habe deswegen kein ungutes Gefühl im Cockpit»

Germanwings gehört wie die Swiss zur Lufthansa-Gruppe. Auch in der Swiss-Flotte finden sich mehrere A320. Swiss-Pilot Peter Schmid über den Absturz in Frankreich.

Thomas Schlittler
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Swiss-Pilot Peter Schmid.

Swiss-Pilot Peter Schmid.

zvg/key

Herr Schmid, was geht einem Piloten durch den Kopf nach einem tragischen Flugzeugunglück wie in Südfrankreich?

Peter Schmid: Die Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer sowie den Crew-Mitgliedern von Germanwings. Trauer und Betroffenheit sind bei diesem Unglück besonders gross, weil Germanwings wie die Swiss zur Lufthansa-Gruppe gehört und wir einige Crew-Mitglieder persönlich kennen.

Bei der Unglücksmaschine handelt es sich um eine A320. Dieser Flugzeugtyp gehört auch zur Flotte der Swiss.

Ich bin früher regelmässig den A320 der Swiss geflogen. Das erhöht die Emotionalität und persönliche Betroffenheit natürlich zusätzlich. Dabei habe ich den A320 immer als sehr zuverlässiges Flugzeug erlebt.

Steigt man als Pilot unmittelbar nach einer solchen Tragödie mit einem mulmigen Gefühl ins Cockpit?

Nein, ich habe deswegen kein ungutes Gefühl. Auf der Strasse passieren jeden Tag viele Unfälle, trotzdem fahren die Leute tagtäglich mit dem Auto zur Arbeit. So ist es auch als Pilot. Ich habe grosses Vertrauen in die Leute, die unsere Flugzeuge warten. Fliegen ist nach wie vor sehr sicher.

Haben Sie aufgrund der vorliegenden Informationen eine Vermutung, was zum Absturz geführt haben könnte?

Nein, wir haben nicht mehr Informationen als alle anderen. Ich möchte mich auch nicht an Spekulationen beteiligen, das wäre unprofessionell. Überhaupt sind Spekulationen jetzt fehl am Platz. Aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen der Opfer sollte darauf verzichtet werden.

Wann werden wir mehr wissen?

Das wird vermutlich noch Wochen dauern. Der Unfall wird nun genaustens analysiert. Das funktioniert überall auf der Welt gleich: Federführend ist das Land, in dem das Flugzeug abstürzte, in diesem Fall also Frankreich. Es werden aber auch Spezialisten aus Deutschland, von Airbus sowie des Lufthansa-Konzerns an den Untersuchungen beteiligt sein.

Erhalten Sie als Swiss-Pilot mehr Informationen als die breite Öffentlichkeit?

Nein, vorläufig beziehen wir unsere Informationen über die gleichen Kanäle wie alle anderen. Wenn die Experten aus dem Absturz Erkenntnisse gewinnen, die für uns Piloten wichtig sind, werden wir genauer darüber informiert. Es wird alles dafür getan, dass die Luftfahrt laufend noch sicherer wird, als sie heute schon ist.

Die Unglücksmaschine war seit 1990 im Einsatz. Zu lange?

Nein, das Alter einer Maschine ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass ein Flugzeug professionell gewartet wird. Und das ist bei Germanwings mit Sicherheit der Fall. Man kann es auch anders sehen: Wenn ein Flugzeug seit 25 Jahren im Einsatz ist, hat es bereits bewiesen, dass es grundsätzlich zuverlässig ist.

Germanwings ist eine Billigairline. Hat das einen Einfluss auf die Wartung?

Davon gehe ich nicht aus. Bei der Wartung gelten in der gesamten Lufthansa-Gruppe die höchsten Standards. Dass die Ticketpreise bei Germanwings tendenziell günstiger sind als etwa bei Lufthansa oder der Swiss hat andere Gründe, etwa unteschiedliche Serviceleistungen.

Peter Schmid ist Captain für A330/340-Maschinen und verantwortlich für den Bereich Flight Operations bei Aeropers, dem Berufsverband des Cockpitpersonals der Swiss International Air Lines.

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