Olympia 2022

SVP will klares Ja von Bündnern - sonst droht Aus

Geht in der Freizeit sportlich gerne hoch hinaus: Fallschirmsprung von SVP-Ständerat Adrian Amstutz 2010 im Berner Oberland. OLIVER Furrer/Key

Geht in der Freizeit sportlich gerne hoch hinaus: Fallschirmsprung von SVP-Ständerat Adrian Amstutz 2010 im Berner Oberland. OLIVER Furrer/Key

SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz fordert ein deutliches Ja der Bündner zu Olympia 2022 – sonst will sich die SVP gegen die Austragung der Olympischen Spiele im Graubünden wehren.

Eine repräsentative Umfrage hat es bereits vor drei Wochen gezeigt: Die Olympia-Frage spaltet die Bündner Bevölkerung. 43 Prozent sind für eine Austragung in St. Moritz und Davos. Ebenso viele sind dagegen. 14 Prozent sagten, sie seien noch unentschlossen. Abgestimmt wird am 3. März. Doch bereits jetzt erhöht die SVP den Druck. Der Berner Nationalrat und SVP-Fraktionspräsident Adrian Amstutz forderte im «SonntagsBlick» ein Bekenntnis der Bündner Regierung für Olympia. «Und danach klare Volksentscheide im Bereich von 60 Prozent Zustimmung von Davos, St. Moritz sowie im ganzen Kanton Graubünden.» Wieso ihm eine einfache Mehrheit nicht reiche, begründet Amstutz so: «Das innere Feuer der direkt betroffenen Bevölkerung muss brennen, sonst kann die olympische Flamme in der Schweiz nicht zum Leuchten gebracht werden.» Berner sollen sich nicht einmischen

Nur: Amstutz ist nicht nur Fallschirmspringer und Skifahrer, sondern auch Mitglied des Exekutivrats von Swiss Olympics. Daher liegt die Vermutung nahe, er wolle Olympia damit etwa nicht verhindern, sondern dem ganzen Projekt zusätzlichen Schub verleihen. Amstutz war gestern von der «Nordwestschweiz» für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Parteipräsident Toni Brunner erklärt: «Nur weil die Bündner zustimmen, findet Olympia noch nicht statt.» Das Volk müsse die Kandidatur selbstverständlich mittragen. Allerdings würde er sich nicht auf eine Zahl der Zustimmenden festlegen. «Wir sollten nicht zu lange darüber spekulieren und das Bündner Volk abstimmen lassen», sagt der St.Galler SVP-Nationalrat und trifft damit einen entscheidenden Punkt.

Zurückhaltender Bundesrat

Einen solchen Druck im Nacken zu spüren, könnten viele Stimmbürger auch als Affront auffassen. Bundesrat Ueli Maurer kommuniziere daher eher zurückhaltend, sagt Peter Minder, der Informationschef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Es gehe darum, die Chancen für den Kanton aufzuzeigen und die Unterstützung vonseiten der Regierung zu signalisieren. Für den Bundesrat sei klar, dass keiner aus Bern den Bündnern zu sagen habe, wie diese stimmen sollen.

Mit seiner Offensive fällt Amstutz nicht nur dem eigenen Bundesrat in den Rücken, sondern auch der Bündner Parteisektion. Deren Präsident Heinz Brand weibelt als feuriger Unterstützer von Olympia für die Kandidatur. Überhaupt scheint ein Sportgraben die SVP zu spalten. Sportbegeisterte wie der Glarner Ständerat This Jenny, der regelmässig am Parlamentarier-Skirennen siegt, oder eben der Langlauf betreibende Bundesrat Ueli Maurer befürworten eine Kandidatur. Hingegen sind Fiskalpolitiker der Zürcher Sektion gegen Olympia – so etwa Christoph Mörgeli und Alfred Heer.

Über falsche Demokraten

Etwas sonderbar ist das Demokratie-Verständnis von Amstutz aber schon. Gerade die SVP durfte sich schon mehrmals über sehr knappe Abstimmungsergebnisse freuen. Aktuell diskutiert wird derzeit die EWR-Abstimmung vor 20 Jahren, die mit 50,3 Prozent Nein-Stimmen ausging. Jenny zeigt denn auch wenig Verständnis für Amstutz’ Drohung. Es reiche eine Mehrheit, um das Projekt weiterzuführen. «Ob das dann 51 oder 60 Prozent sind, hat nach der Abstimmung keinen mehr zu interessieren.»

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