Roland Borer

SVP will Gelbe «herauskitzeln»

Auch wenn er selbst nicht anwesend war: Die SVP-Mitgliederversammlung hat am Donnerstagabend in Matzendorf Nationalrat Roland Borer definitiv als Ständeratskandidat nominiert. Nun sollen die freisinnigen Stimmen «abgeholt» werden.

Ueli Wild

Viel zu diskutieren gab die Nomination im Matzendörfer Pfarreiheim nicht. Fragen hätten die knapp über hundert anwesenden Parteimitglieder dem Auserwählten ohnehin nicht stellen können, weilte Roland Borer doch im Ausland. Im südlichen Afrika, wie Heinz Müller, der Präsident der Solothurner SVP, präzisierte. Dort hatte der Kestenhölzer Nationalrat gerade einen wichtigen, unaufschiebbaren Termin mit Geschäftspartnern wahrzunehmen. Borer halte sich für längere Zeit in Südafrika auf, und er habe den Termin bewusst zwischen zwei Sessionen gelegt.

So oder so: Borer, seit 1991 Nationalrat, wurde einstimmig nominiert. Manfred Küng, Wahlkampfleiter und Präsident der Findungskommission, zeigte sich höchst zuversichtlich. Der - bei Majorzwahlen wiederholt erfolglose - Kandidat habe sich, was das Abschneiden bei Wahlen angehe, kontinuierlich gesteigert. Borers Nationalratskollege Walter Wobmann schilderte den 58-jährigen Unternehmer und Unternehmensberater als «richtigen Kämpfer».

SVP Matzendorf in Aussicht

Die Ausgangslage für den SVP-Kandida ten ist klar: Er muss die bürgerlichen Stimmen mit dem Kandidaten der CVP, Handelskammerdirektor Roland Fürst, teilen. Vielleicht fand die SVP-Generalversammlung auch deswegen unter dem grossen Holzkreuz im Matzendörfer Pfarreiheim statt ... Nicht nur, weil hier, wie Heinz Müller andeutete, die Gründung einer weiteren Ortspartei in Aussicht steht. Vielleicht eine Anspielung auf Kaiser Konstantin und die Schlacht an der Milvischen Brücke. «In hoc signo vinces - in diesem Zeichen wirst du siegen.»

Entscheidend wird sein bei der «Schlacht» um den verwaisten Solothurner Ständeratssitz, wohin die Mehrheit der freisinnigen Stimmen wandert. Wahlkampfleiter Küng bläute denn auch den Anwesenden ein, das Konzept sei ganz einfach: «Wir müssen die Gelben herauskitzeln!» Wobei er nicht sicher sei, dass es etwas fruchte, wenn die SVP die FdP-Parteileitung auf die Problematik anspreche. Ergiebiger, so Küng, sei wohl, in den Dörfern direkt auf den Sanitärinstallateur, den Bäcker, den Metzger oder auf die Stammtischrunde zuzugehen.

Lässt die SVP die Puppen tanzen?

Küng hatte einen «FdP-Wähler» mitgebracht - eine schneemannartige Puppe in einem blau-gelb-weissen T-Shirt. («Weil er nicht weiss, ob er nun blau oder gelb ist.») Per Knopfdruck konnte der SVP-Wahlkampfleiter die FdP-Puppe zum Tanzen (oder wenigs-tens zum Rotieren) bringen. Wie das in der Wirklichkeit ablaufen soll? Dem freisinnigen Wähler sei klar zu machen, dass Gelbe, die einen Schwarzen wählen, ihren eigenen Ast in Bern absägten. Küng erinnerte an den Angriff der CVP auf den FDP-Sitz im Bundesrat bei der Couchepin-Nachfolge. Die Botschaft müsse deshalb lauten: «Wer schwarz wählt, muss damit rechnen, dass er den Landesinteressen seiner eigenen Partei schadet.»

SP-Kandidat Roberto Zanetti sei nicht zu unterschätzen, räumte Küng ein. «Er versprüht einen ungeheuren Charme - aber er ist vor allem ein Gewerkschafter. Will der Freisinn», so Küng weiter, «tatsächlich den Erzgegner in den Sessel heben, die Sichel- und Hammer-Fraktion unterstützen? Da haben die Gewerbler - jedenfalls in meinem Dorf - kein Verständnis dafür!»

Colette Adam neue Vizepräsidentin

Die Versammlung bestätigte Heinz Müller für weiter vier Jahre als Kantonalparteipräsident. Anstelle des ausscheidenden Roland Bühler wählte sie Colette Adam zur neuen zweiten Vizepräsidentin. In seinem Jahresbericht räumte der Präsident ein, dass die Partei bei den Kantonsratswahlen unter den Erwartungen und klar unter ihrem Potenzial geblieben sei. Das Ziel - 20 oder mehr Sitze - habe man mit 18 Mandaten nicht erreicht. Zum Thema «Regierungsratswahlen» erklärte Müller: «Die SVP Kanton Solothurn will in erster Priorität im Kantonsparlament weiter wachsen.»

Gegen die Solothurner Regierung fuhr Müller indessen schweres Geschütz auf: Sie habe Angst vor dem eigenen Volk und wolle mit einem zweifelhaften Gutachten die Initiative für die Nennung der Nationalität von Straftätern abwürgen. Schon im letzten Wahlkampf habe sich der Regierungsrat vor den Herausforderern der SVP im Schneckenhaus verkrochen. «Solche Regierungen gehören mit Schimpf und Schande aus dem Amt verjagt! Sie sind ihr Geld nicht wert und schaden unserem Kanton.»

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