Louis Probst

Bei den Brugger Einwohnerratswahlen vor vier Jahren war der Vormarsch der SVP abrupt zum Stehen gekommen. Jetzt hat die SVP diesen Vormarsch wieder aufgenommen. Und wie.

Zu den bisherigen 6 Sitzen hat sie am Wochenende 5 weitere Mandate dazugewinnen können. Mit nunmehr 11 Sitzen rückt die SVP damit langsam zur FDP auf. Die Freisinnigen stellen mit jetzt noch 13 Sitzen zwar immer noch die grösste Vertretung im Brugger Stadtparlament. Aber sie haben doch zwei Sitze abgeben müssen.

Zwei Sieger - viele Verlierer

Auf der Gewinnerstrasse finden sich neben der SVP auch die Grünliberalen. Sie haben offensichtlich den Schwung, den ihnen die Grossratswahlen verliehen haben, ausnützen können. Sie sind jetzt mit 2 Sitzen im Einwohnerrat vertreten.

Mit Ausnahme der Grünen Brugg, die ihre 6 Sitze halten konnten, mussten mit der FDP auch die SP, die CVP und die EVP Verluste hinnehmen. Am stärksten Federn lassen musste die CVP. Sie hat die 3 Mandate, die sie vor vier Jahren dazugewinnen konnte, wieder abgeben müssen. Mit je 1 Sitz halten sich die Verluste bei der SP und bei der EVP dagegen in Grenzen.

Freude hier . . .

Entsprechend fallen die ersten Reaktionen bei den Parteien aus. «Das Ergebnis ist sensationell», freut sich SVP-Präsident Andrea Hefti. «Ganz besonders freut mich, dass unsere beiden Kandidaten aus Umiken gewählt worden sind. Unsere konsequente politische Arbeit und unser Mut, auch Gegensteuer zu geben, sind belohnt worden. Wichtiger ist aber vielleicht noch, dass wir 23 gute Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl stellen konnten.

Freude herrscht auch bei den Grünliberalen. «Wir hatten uns ein hohes Ziel gesteckt», sagt Adrian Kerkhoven, Co-Präsident der Grünliberalen. «Und wir haben es übertroffen. Ich bin total begeistert. Die nachhaltige Politik der Grünliberalen ist offensichtlich gefragt.»

. . . und Enttäuschung dort

«Für mich ist die Einbusse von 3 Sitzen ein absolutes Rätsel», gesteht CVP-Präsident Franz Hollinger. «Ich kann mir das im Moment nicht erklären. Wir haben in den vergangenen vier Jahren eine gute, kohärente Politik betrieben. Daher ist mir der Verlust noch nicht erklärbar.» Franz Hollinger gibt aber zu bedenken, dass die CVP stets in einer Bandbreite zwischen 6 und 9 Sitzen im Einwohnerrat vertreten war. «Mit dem knappen Gewinn von 3 Sitzen vor vier Jahren haben wir Glück gehabt», meint er. Und mit dem knappen Verlust von 3 Sitzen habe man jetzt eben Pech.

«Wir sind sicher enttäuscht», sagt Heini Kalt von der SP Brugg-Windisch. «Wir hatten gehofft, etwas vom Schwung der Stadtratswahlen mitnehmen zu können. Aber offenbar haben sich die kantonalen und nationalen Tendenzen bei den Einwohnerratswahlen fortgesetzt. Erfreulich sind aber die Resultate der beiden Juso-Kandidaten. Damit ist Gewähr geboten, dass junge Leute nachkommen.»

Auch bei der FDP kann man die Enttäuschung nicht verhehlen. «Natürlich bin ich über den Verlust von 2 Sitzen enttäuscht. Offensichtlich ist die politische Mitte unter Druck. Enttäuschend ist aber auch, dass gut ausgewiesene Ratsmitglieder nicht mehr gewählt worden sind. Ich freue mich aber, dass unsere drei Kandidierenden aus Umiken gewählt worden sind.»

Auch Hannes Gerber von der EVP, die 1 Sitz einbüssen musste, kann eine leichte Enttäuschung nicht verbergen. «Der Verlust hat uns aber nicht unerwartet getroffen», sagt er. «Wir hatten grosse Mühe, Kandidaten zu finden. Man wird aber auch in der kommenden Zeit von der EVP hören.»

Die Grünen Brugg hätten mehr erwartet, sagt Urs Häseli. «Aber wir dürfen zufrieden sein, dass wir keine Einbussen erlitten haben.»