Wahlwerbung
SVP-Werber Segert zahlt unaufgefordert AfD-Kampagnen – jetzt ermittelt der Bundestag

Er ist der Kopf hinter den Schäfchen- und Minarettplakaten der SVP: Werber Alexander Segert. Immer wieder taucht sein Name im Umfeld eines Vereins auf, welcher Wahlkampagnen für die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) finanziert. Nun fordert der deutsche Bundestag Auskünfte über Segerts Rolle.

Christoph Bernet
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Alexander Segert 2011 bei einem Gerichtstermin in Österreich.

Alexander Segert 2011 bei einem Gerichtstermin in Österreich.

AP

«Die Swiss Connection der AfD» – so betitelte der «Spiegel» im September 2016 einen Artikel (kostenpflichtig) über eine Abendveranstaltung mit politischen Reden auf dem Ausflugsdampfer «Spree-Comtess» im Herzen Berlins. Eingeladen hatte der «Verein zur Erhaltung der Rechtstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten».

Der Verein war im Frühjahr 2016 bei zwei Landtagswahlen aufgefallen – als Herausgeber eines millionenfach verschickten Extrablatts, in dem zur Wahl der AfD aufgerufen wurde.

Die Zeitung gleicht stark dem SVP-Extrablatt, das die Partei vor wichtigen Abstimmungen allen Schweizer Haushalten zusendet. Auf dem Schiff war dann auch der Gestalter des SVP-Extrablatts anzutreffen: Alexander Segert, Inhaber der Werbeagentur Goal AG und Hauswerber der Partei.

Seine Firma hatte den Ausflugsdampfer gemietet. Segert und seine Goal AG tauchen seither immer wieder im Zusammenhang mit Wahlkampfaktionen zur Unterstützung der AfD auf.

Die Tätigkeiten des Unterstützungsvereins beschäftigen jetzt auch den deutschen Bundestag, wie Recherchen von watson zeigen. Sprecher Sven Göran Mey erklärt auf Anfrage, dass die AfD «aktuell zu drei Sachverhaltskomplexen um Stellungnahme gebeten ist». Auch für Segerts Rolle interessiert sich der Bundestag: «Alle drei Komplexe haben mit der Goal AG sowie ihrem Geschäftsführer Alexander Segert zu tun.»

Mey weist darauf hin, dass die Bundestagsverwaltung diesen Fragen zwar nachgehe, aber keine Ermittlungsbehörde sei. Sie besitze deshalb auch nicht die gleichen Befugnisse wie eine Staatsanwaltschaft.

Bislang habe sich die Darstellung der AfD nicht widerlegen lassen, wonach es keine organisatorischen oder inhaltlichen Absprachen zwischen dem Verein und der Partei hinsichtlich der Wahlkampagne gebe, ergänzt Mey. Eine solche Koordination wäre gemäss deutschem Recht illegale Parteienfinanzierung.

Einer der erwähnten «Sachverhaltskomplexe», zu dem die Bundestagsverwaltung Antworten von der AfD will, bezieht sich auf die Finanzierung von Wahlwerbeplakaten im Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen im Mai 2017.

Wie die «Wochenzeitung» berichtete, meldete sich eine Mitarbeiterin von Segerts Goal AG per Telefon beim AfD-Kandidaten Guido Reil. Die Dame erklärte gegenüber Reil, dass die Goal AG seinen Wahlkampf des AfD-Kandidaten unterstützen und Plakate drucken wolle.

Reil schickte der Agentur ein Foto mit seinem Konterfei. In der Folge startete die Agentur eine Werbekampagne für Reil, deren Kosten der AfD-Mann auf rund 50’000 Euro schätzte. Ihre Auftraggeber wollte die Goal AG nicht nennen.

Die Plakatkampagne für Guido Reil und die Abendveranstaltung auf der «Spree-Comtess» sind bei Weitem nicht die einzigen Berührungspunkte zwischen SVP-Werber Segert, der AfD und ihrem Unterstützungsverein.

Im Februar 2017 unterstützte die Goal AG im Auftrag eines Kunden einen Kongress mit rund 28’000 Euro. Auf der Veranstaltung traten die AfD-Spitzenpolitiker Markus Pretzell und Frauke Petry zusammen mit Heinz-Christian Strache, dem Vorsitzenden der österreichischen FPÖ, auf.

Alexander Segert hat auf eine Anfrage von watson bisher nicht reagiert. Gegenüber der «NZZ am Sonntag» sagte Segert im Juli 2017, seine Agentur führe im Auftrag des «Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten» das Sekretariat. Wer hinter dem Verein steht und wer ihn finanziert, wollte er nicht verraten.

Bundestags-Sprecher Sven Göran Mey erklärte, dass die Aktivitäten des «Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten» zur Wahlkampfunterstützung für die AfD weiterhin beobachtet werden.