«SVP Schweiz zu radikal»

André Nützi will in den Gemeinderat einziehen

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André Nützi will in den Gemeinderat einziehen

Die SVP will bei den Gemeinderatswahlen in Wolfwil einen Sitz erobern. Der einzige Kandidat André Nützi könnte in Pattsituationen das Zünglein an der Waage sein. FdP und CVP reagieren zurückhaltend bis skeptisch.

Von Erwin von Arb

Ein Programm hat der Wolfwiler André Nützi nicht, wie er nach einer kurzen Denkpause zugibt. Er stehe aber für die Werte der SVP, insbesondere jene der SVP Kanton Solothurn. Warum diese Differenzierung? «Die SVP Schweiz politisiert mir eine Spur zu radikal», sagt der 43-Jährige. Seine Kandidatur für den Gemeinderat begründet Nützi mit seinem guten Resultat bei den Kantonsratswahlen. 303 Wolfwiler hätten für ihn gestimmt. «Da ist es nur konsequent, dass ich auch für den Gemeinderat antrete.» In die Politik eingestiegen sei er übrigens vor allem wegen der Abwahl von SVP-Bundesrat Christoph Blocher. So etwas dürfe es einfach nicht geben, empört sich Nützi.

«Angst vor SVP-Bekenntnis»

Dass er als einziger Kandidat auf der Liste der SVP für den Wolfwiler Gemeinderat figuriert, hat aus seiner Sicht vor allem damit zu tun, dass sich noch niemand so recht getraue, offiziell für die SVP einzustehen. «Für diese Leute breche ich mit meiner Kandidatur eine Lanze.» Mit sein Verdienst sei auch, dass es in Wolfwil nach 1997 erstmals keine stillen Wahlen mehr gebe.

«Die FdP hat sich dem Vernehmen nach zwar auch für Wahlen ausgesprochen, ich habe mit meiner Kandidatur aber zumindest dafür gesorgt, dass sich auch wieder junge Leute aufstellen lassen», glaubt der IT-Projektleiter. Nützi ist überzeugt, dass es in Wolfwil durchaus eine dritte politische Kraft vertragen würde. Auf wessen Kosten würde die SVP bei seiner allfälligen Wahl in den 9-köpfigen Rat (derzeit 5 FdP, 4 CVP) einziehen? «Die Konstellation könnte neu vier, vier, eins sein», sagt André Nützi.

Die Freisinnigen möchten den Stimmberechtigten mit einer vollen Liste, sprich neun Kandidaten, eine wirkliche Auswahl bieten. Allerdings habe die Liste nichts mit SVP-Kandidat André Nützi zu tun, sagt Präsident Ruedi Nützi. «Wir verfolgen mit unserer Liste auch die langfristigen Ziele. Insbesondere gleisen wir auf diesem Weg die Nachfolge von FdP-Vertretern im Gemeinderat auf.» Bezüglich der SVP-Kandidatur André Nützis gibt zu bedenken, dass dies alleine nicht ausreiche. «Es braucht auch Leute, die in den Kommissionen mitarbeiten.» Er habe da seine Zweifel, ob die SVP solche stellen könne. «FdP und CVP haben in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet, die Gemeinde steht gut da», betont Ruedi Nützi. Er sei daher auch zuversichtlich, dass die FdP ihre fünf Sitze im Rat verteidigen könne.

SVP als Zünglein an der Waage?

Die Verteidigung ihrer vier Gemeinderatssitze hat sich auch die CVP als Ziel gesetzt, wie Parteipräsident Alois Räber auf Anfrage erklärt. Dass die CVP dafür «nur» vier Kandidaten ins Rennen schickt, begründet Räber mit der schwierigen Suche nach Leuten, welche sich engagieren möchten. Räber fände es nicht gut, wenn FdP und CVP nach dem Wahlgang mit je vier Sitzen und die SVP mit einem Sitz im Gemeinderat vertreten wären. «Die SVP könnte dann das Zünglein an der Waage sein, was sich bei Pattsituationen auf die Politik im Dorf auswirken könnte.»

SVP-Kandidat André Nützi versicherte, dass er Ausschau halte nach Kommissionsmitgliedern. Die Suche gestalte sich aber schwierig. Im Bezug auf die kursierenden Gerüchte, wonach er sein für die FdP übernommenes Mandat im Bürgerrat nach nur einem Jahr hingeschmissen habe, entgegnet Nützi, dass er sich mit dem FdP-Label einfach nicht wohlgefühlt habe. «Ich bin dort angeeckt und dann gegangen.»

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