Interview

SVP-Präsident Rösti nach den Zürcher Wahlen: «Wir machen nun eine schonungslose Analyse»

SVP-Präsident Albert Rösti ist nach den Zürcher Wahlen höchst alarmiert. Mit Erklärungen ist er noch zurückhaltend. Aber in einem Punkt gibt er bereits Entwarnung: Die Erfolge haben die Zürcher SVP nicht träge gemacht.

Herr Rösti, wie Zürich im Frühling wählt die Schweiz im Herbst. Wie stark beunruhigt sind Sie?

Albert Rösti: Wir haben die Wahlen deutlicher verloren als erwartet. Da gibt es nichts schön zu reden. Trotzdem möchte ich der Zürcher Kantonalpartei und den Kandidaten danken: Sie haben enorm viel gearbeitet im Wahlkampf.

Vor Jahresfrist sagten Sie: «Offensichtlich gibt es eine Selbstzufriedenheit – in der Partei, aber auch bei den Wählern». Für einmal gilt die Ausrede also nicht, dass der Erfolg die SVP träge gemacht hat?

Ja, das habe ich nach den Verlusten bei den Zürcher Gemeinderatswahlen gesagt. Dieses Mal war es aber nicht so, unsere Leute haben sich stark engagiert. Von Sättigung keine Spur. Zudem: Die Wahl von Natalie Rickli in den Regierungsrat ist sehr erfreulich. Sie war in diesem Umfeld nicht selbstverständlich. Die SVP konnte die zwei Sitze in der Regierung halten, im Gegensatz zur FDP.

Aber Rickli musste zittern, was doch erstaunlich war für eine solch bekannte Nationalrätin.

Natalie Rickli ist eine sehr profilierte Politikerin. Leute, die sich pointiert äussern, haben es in Majorzwahlen generell nicht so leicht.

Rickli: "Viele Leute wissen gar nicht, wie man wählt"

Rickli: "Viele Leute wissen gar nicht, wie man wählt"

Neo-Regierungsrätin Natalie Rickli erklärt sich den Verlust der SVP-Wahlstimmen durch das Unwissen vieler möglicher Wähler.

Die SVP verlor neun Sitze und erzielte das schlechteste Ergebnis seit 20 Jahren. Am Engagement lag es nicht, an was dann?

Wir müssen im Hinblick auf die nationalen Wahlen eine schonungslose Analyse machen. Am Freitag trifft sich der Parteileitungsausschuss. Dann werden wir die Zürcher Wahlen besprechen.

Es war nicht die erste Wahlniederlage seit 2015. Sie müssen doch eine Erklärung haben?

Wie gesagt: Wir gestehen die Niederlage ein und machen nun eine schonungslose Analyse. Sicher ist, dass uns die Klimadebatte nicht in die Hände gespielt hat. Wir haben einen hohen Wohlstand, da ziehen unsere Themen wie hohe Steuern und die zu hohe Regulierungsdichte nicht. Das sind aber nur zwei Faktoren. Eine vollständige Analyse ist jetzt noch nicht möglich.

Haben Sie die Klimathematik unterschätzt?

Wie gesagt, wir machen nun eine schonungslose Analyse.

Vielleicht liegt die Niederlage auch daran, dass die SVP strategielos wirkt. Beim AHV-Steuer-Deal hat sie eine Kehrtwende gemacht und bei der Erhöhung der Krankenkassen-Franchise bekam die Partei kalte Füsse.

Wie gesagt, wir machen nun eine schonungslose Analyse.

Sind Sie noch der richtige Präsident?

Als Wahlleiter 2015 war ich dabei, als die Partei gewonnen hat. Sieg und Niederlage gehören zur Politik.

Meistgesehen

Artboard 1