Radikale Forderung
SVP-Politikerin will Gewalttäter mit einem Chip unter der Haut markieren

Ein elektronischer Chip unter der Haut soll Gewalttäter von einer Wiederholungstat abhalten. Dies fordert die Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz. Die Idee stösst aber bei vielen Politikern auf Entsetzen und Kritik.

Roman Michel
Drucken
Teilen
Céline Amaudruz sorgt mit ihrer Idee von einem Chip für Gewalttäter für Gesprächsstoff im Nationalrat.

Céline Amaudruz sorgt mit ihrer Idee von einem Chip für Gewalttäter für Gesprächsstoff im Nationalrat.

Keystone

Nach den tragischen Fällen von Lucie, Marie und Adeline hat die Politik nun endgültig genug: Sie sucht nach Lösungen, wie die öffentliche Sicherheit gewährleistet werden kann, wie Gewalttäter kontrolliert und von Wiederholungstaten abgehalten werden können.

Bereits am Montag hatte der Nationalrat einen Vorstoss der SVP-Nationalrätin Natalie Rickli angenommen, der Hafturlaube und Ausgänge für Gefangene verbietet. Dem setzt nun eine weitere Nationalrätin aus den Reihen der SVP noch einen drauf: Die Genferin Céline Amaudruz fordert, dass gefährliche Straftäter aus der Haft einen elektronischen Chip implantiert erhalten.

Gleicher Mechanismus wie im Gefängnis

Sie verweist dabei auf eine Professorin für forensische Psychologie an der Universität Zürich, Henriette Haas, welche einen solchen Chip bereits in mehreren Medien zur Diskussion stellte.

Gegenüber der Zeitung «20 Minuten» erklärt Haas: «In der Kriminologie ist bekannt und durch zahlreiche Studien untermauert, dass eine abschreckende Wirkung nicht in erster Linie von der Höhe der Bestrafung ausgeht - sondern von der Strafgewissheit.»

Die Polizei könnte so nachprüfen, ob sich der Träger des Chips bei einer Tat am Tatort aufgehalten hat. «Dieser psychische Mechanismus ist derselbe, der auch im Gefängnis wirkt: Dort können sich die meisten Gewalttäter gut beherrschen, weil sie wissen, dass sie eine Tat unmöglich verheimlichen könnten.»

Laut Haas käme ein solcher Chip einiges billiger als die lange Verwahrung von rückfälligen Gewalttätern. Ein weiterer Vorteil sei die Unsichtbarkeit des Chips, was die «Resozialisierung des Täters vereinfache».

«Moralisch höchst unschön»

Die Idee von Amaudruz stösst bei vielen Politikern auf Entsetzen, Unverständnis und Kritik. FDP-Nationalrat Christian Lüscher reagiert empört: «Das ist nicht verhältnismässig. Die Verurteilten sind schliesslich immer noch Menschen und keine Tiere.» Er sieht den Umgang mit Straftätern als Problem, welches im Vollzug angegangen werden muss und nicht im Parlament.

Noch einen drauf setzt SP-Nationalrat Cédric Wermuth: «Das ist völlig indiskutabel. Ein implantierter Chip - das wäre ja Big Brother total.» Der Jungpolitiker bezeichnet den Fall als «moralisch höchst unschön» weil die SVP politisches Kapital aus dem Fall Fabrice A. schlagen würde.

CVP-Nationalrat Karl Vogler ist überzeugt, dass es andere Möglichkeiten gibt, um Straftäter zu überwachen. Zum Beispiel die elektronischen Fussfesseln, welche künftig verbreiteter angewandt werden sollen. Diese Alternative bezeichnet Vogler als verhaltensmässig. «Aber die SVP muss ja immer noch einen Schritt weiter gehen.»

Aktuelle Nachrichten