Es gibt sie natürlich, die traditionellen Mamis in der SVP. Jene, die der Familie alles unterordnen. Nicole Müller-Boder, SVP-Präsidentin des Bezirks Muri im Aargau, gab sich in der Sendung «Arena» als solche zu erkennen. Ebenso ihre Kollegin aus dem Baselland, Caroline Mall, Präsidentin der SVP Reinach. Entsprechend glaubwürdig setzte auch sie sich in der «Arena» dafür ein, dass Mütter zu Hause bleiben: «Kinder sind einfach am liebsten zu Hause.» Umso mehr ärgerte sie sich über die Steuerdiskussion, die die Familieninitiative auslöst. «Sprechen wir doch endlich über Familienmodelle anstatt immer übers Geld», forderte Mall die Gegner der Initiative auf.

Was die SVP predigt und was sie lebt

Im Parteiprogramm der SVP heisst es: «In Form der traditionellen Familie gründen Mann und Frau das Fundament unserer Gesellschaft und sollen in den Genuss steuerlicher Entlastungen kommen.» Ausserdem ist zu lesen, dass «für die Erziehung der Kinder die Eltern verantwortlich» seien. So lehnt die SVP beispielsweise die Anschubfinanzierung für Krippenplätze ab. Und Tagesstrukturen seien nur dann zu unterstützen, wenn sie privat finanziert werden.

Doch das Familienmodell, das die SVP predigt, scheint gerade bei den Aushängeschildern der Partei alles andere als populär: allen voran bei Parteipräsident Toni Brunner. Der 39-Jährige lebt mit einer Karrierefrau im Konkubinat, ohne Kinder. Die Diskrepanz zwischen dem offiziell propagierten und dem von ihm gelebten Familienbild versucht der St. Galler Nationalrat zu retten, indem er ständig wiederholt, dass seine Partei für alle Familien einstehe. Und: «Meine Partnerin macht Karriere. Das heisst nicht, dass ich das SVP-Familienbild nicht lebe.» Es seien die Medien, die der SVP das Weltbild diktierten.

Mit dieser Erklärung bringt Brunner nicht nur den eigenen Lebensentwurf mit den Idealen der Partei wenigstens einigermassen in Einklang. Wenn Brunner jetzt erklärt, die SVP unterstütze alle Familien, kann man ihm dies auch als geschickte Taktik attestieren: Denn nur rund ein Viertel aller Eltern lebt heute noch das sogenannte traditionelle Familienmodell, in dem der Pater familias das Geld nach Hause bringt, während sich die Mutter um Haushalt und Kinder kümmert. Mehrheitlich ist die Bevölkerung Teil- oder Vollzeit erwerbstätig - Eltern wie Kinderlose.

Die Powerfrauen

Klar jedenfalls ist: Die SVP bringt Frauen hervor, die Beachtliches leisten. Frauen, denen Selbstverwirklichung und Karriere nicht fremd sind. Natalie Rickli, best gewählte Nationalrätin des Landes, holte mehr Stimmen als Übervater Christoph Blocher. Sie hat weder Kinder noch ist sie verheiratet.

Telefonisch erreicht man Rickli zwischen zwei Sitzungen, wie es sich für eine aufstrebende Medien-Managerin gehört. Zu ihrem Privatleben will sich die Mittdreissigerin dann allerdings nicht äussern.

Und auch einer der grossen Stars unter den Schweizer Unternehmerinnen ist keine Parteifremde. Magdalena Martullo-Blocher führte zuerst dem ganzen Land vor, wie eine Modellkarriere abläuft, als sie 34-jährig die Leitung eines internationalen Unternehmens erfolgreich übernahm. Und sie bewies mit der gleichzeitigen Schwangerschaft, dass sich Familie und Karriere durchaus vereinbaren lassen.