Schlamassel
SVP-Nationalrat Fuchs bereut Werbesong mit Pornostar

Die Berner SVP-Politiker Thomas Fuchs und Erich Hess haben zusammen mit einem Pornostar einen Wahlkampfsong augenommen. Die beiden SVPler manövrieren sich mit dieser Wahlkampf-Aktion ins Abseits und zeigen nun Reue.

Lorenz Honegger
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Den Wahlkampfsong vom Pornostar bekamen die Berner SVP-Politiker Thomas Fuchs und Erich Hess gratis. Das Ausmass des damit verbundenen Imageschadens ist schwer abzuschätzen. SVP-Nationalrat Fuchs bekundet Reue über die Aktion, und das keine Woche, nachdem das Liedchen ins Internet geladen wurde. «Ich würde das heute nicht mehr machen», sagt er am Telefon, hörbar zerknirscht. Er habe nicht ahnen können, dass nun alle von den «anderen Tätigkeiten» des Wahlkampfhelfers sprechen würden. Mit «anderen Tätigkeiten» meint Fuchs Pornografie. Offenbar schämt sich der sonst um kein Wort verlegene SVP-Nationalrat, die Sache beim Namen zu nennen.

«JP Love», so das Pseudonym des Pornostars und Wahlkampfhelfers, ist eine feste Grösse im Schweizer Erotikgeschäft. Es war sein Vorschlag, einen Werbesong für Thomas Fuchs und dessen Kollegen, SVP-Grossrat Hess, aufzunehmen. Die zwei Freunde willigten ein. Das Lied steht seit Samstag auf Youtube. Es trägt den Titel «Ke Stress». Vier verschiedene Versionen haben sie angefertigt. Eine für jeden Musikgeschmack. Eine professionelle Produktionsfirma vollendete das Werk, in dem die zwei Politiker je eine kurze Rap-Passage übernehmen. Hess rappt: «Dr Thomas Fuchs ghört is Bundeshuus.» Fuchs rappt: «U dr Erich Hess chunt mit ... uf Bärn.»

Kandidat Hess musste seit der Veröffentlichung des Songs wütende Wähler besänftigen. «Sie störten sich daran, dass JP Love nicht einem gutbürgerlichen Beruf nachgeht», sagt er und macht nicht den Eindruck, als würde ihn die Kritik stören. «Ich kann es nicht verhindern, wenn ein Künstler einen Song über mich machen will.» Nun werde er sich wieder der Sachpolitik zuwenden.

Im Lauf des Telefongesprächs findet auch Thomas Fuchs seine Fassung wieder und erklärt, warum die Zusammenarbeit mit dem Pornostar sogar einen integrativen Effekt habe: «Wenn wir mit der SVP im Herbst über 30 Prozent Wähleranteil erreichen wollen, sollten wir keine Ansprüche stellen, wer uns wählen soll und wer nicht.» Wie auch immer: Das Geld zur Behebung des Imageschadens ist vorhanden. In der gemeinsamen Wahlkampfkasse von Fuchs und Hess liegen nämlich 100 000 Franken.

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