Motion

SVP-Nationalrätin fordert: Auch Frauen sollen an den Orientierungstag der Armee

Obligatorische Infotage sollen mehr Soldatinnen bringen.

Obligatorische Infotage sollen mehr Soldatinnen bringen.

Der obligatorische Armee-Orientierungstag soll nicht nur für Männer gelten, fordert SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Zumindest versuchsweise müssten auch Frauen hin. Die Offiziersgesellschaft applaudiert.

Eine der ersten Fragen, mit der sich die erste Verteidigungsministerin der Schweiz wird befassen müssen, betrifft ihr eigenes Geschlecht. Konkret wird sich Bundesrätin Viola Amherd zu einer Motion der Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann äussern müssen, wonach der Orientierungstag der Armee künftig nicht nur für 17-jährige Männer, sondern auch für die gleichaltrigen Frauen obligatorisch werden soll.

Derlei Pläne hegten bereits die kantonalen Militärdirektoren, weil sie das Potenzial von Frauen für die Armee besser nutzen wollten. Ein Rechtsgutachten kam aber zum Schluss, dass die Bundesverfassung geändert werden muss, damit Frauen verpflichtet werden könnten, den Tag zu besuchen.

Estermann sieht Frauen «massiv benachteiligt»

Also entschied die Regierungskonferenz Militär, Zivilschutz und Feuerwehr (RK MZF) vergangenes Frühjahr, auf die Einführung des Obligatoriums zu verzichten. «Wir begrüssen eine Prüfung dieses Themas im Parlament, halten aber daran fest, dass wir eine Verfassungsänderung vermeiden wollen», kommentiert Alexander Krethlow, Generalsekretär der RK MZF, den Vorstoss. Estermann argumentiert, dass, während die jungen Männer ohne Probleme an die Infoveranstaltung anreisen könnten, die jungen Frauen «massiv benachteiligt» seien, schreibt sie in ihrer soeben eingereichten Motion: Sie würden zwar eingeladen, müssten aber oft einen Tag frei nehmen, um dabei zu sein. Gemäss geltender Rechtslage müssten die jungen Frauen dafür eigentlich keinen freien Tag opfern.

Die Arbeitgeber seien nämlich verpflichtet, auch für die freiwillige Teilnahme am Infotag Lohn zu entrichten, antwortete der Bundesrat kürzlich. Estermann sieht die Frauen trotzdem diskriminiert. Während bei Männern die Teilnahme nicht in Frage gestellt werde, müssten Frauen erst um Erlaubnis bitten. Estermann schweben zeitlich begrenzte Pilotprojekte vor, in denen man Erfahrung sammeln könne. «Wenn es sich bewährt, kann man immer noch die Verfassung ändern», sagt die gebürtige Slowakin, die bedauert, dass sie selber keinen Militärdienst leisten konnte, weil sie erst als über 30-Jährige den Schweizer Pass erhielt.

Bei der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG), welche sich ebenfalls die Frauenförderung auf die Fahnen geschrieben hat, rennt Estermann offene Türen ein. «Wir verzichten freiwillig auf über 50 Prozent des Potenzials», sagt SOG-Präsident Stefan Holenstein. Die Armee brauche die Kompetenz und Qualität der Frauen, nicht zuletzt für spezialisierte Funktionen: «Wir brauchen IT- und Cyber-Fachfrauen, Ärztinnen und weitere Spezialistinnen.» Wüssten mehr über den Militärdienst Bescheid, würden sich auch mehr für eine militärische Karriere entscheiden und Gleichgesinnte überzeugen – was auch das aktuelle Bestandes- und Rekrutierungsproblem der Armee «zumindest entschärfen» würde.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1