Pub-Affäre

SVP-Mann Claudio Schmid: «Ich habe niemandem nachgestellt»

Im «Horse Pub» in Bülach diskutierte Oberstaatsanwalt Bürgisser den Fall Hildebrand. Google Street View

Im «Horse Pub» in Bülach diskutierte Oberstaatsanwalt Bürgisser den Fall Hildebrand. Google Street View

SVP-Politiker Claudio Schmid hat - nach eigenen Angaben - Martin Bürgisser nicht «abgepasst». Er sei Stammgast im Horse Pub in Bülach und habe dort zufälligerweise den Oberstaatsanwalt belauschen können.

Glaubt man dem Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Schmid, war es Zufall, dass er am Freitagabend am Tisch neben dem Zürcher Oberstaatsanwalt Martin Bürgisser sass und mithören konnte, wie Bürgisser mit zwei Sportsfreunden den Fall Hildebrand diskutierte. «Ich verkehre seit Jahren im Horse Pub», sagt Schmid. Gerüchte in den Medien, wonach er Bürgisser abgepasst habe, bezeichnet er als «absoluten Quatsch». «Ich habe niemandem nachgestellt. Als Ex-Vize-Präsident der Justizkommission kann ich mir das nicht leisten.»

Eine Aufzeichnung des Gesprächs existiere nicht, sagt Schmid, gegen den im Zusammenhang mit der Affäre Hildebrand ein Verfahren wegen Verdachts auf Verletzung des Bankgeheimnisses läuft.

Ohnehin könne er sich nicht erklären, warum Bürgisser nicht bemerkt hatte, dass er in Hörweite sass. «Wir haben in der Vergangenheit x-mal miteinander gesprochen. Kommt dazu, dass sich mein und sein Begleiter aus beruflichen Gründen seit langem kennen.»

Aufsichtsbeschwerde eingereicht

Ihren Anfang nahm die Pub-Affäre am Freitag um 22.15 Uhr im «Horse Pub» im zürcherischen Bülach: Kantonsrat Schmid und sein Begleiter wurden Zeugen, wie Oberstaatsanwalt Bürgisser gegenüber zwei Freunden «deutlich vernehmbar» kritisierte, dass sich SVP-Chefstratege Christoph Blocher auf seine parlamentarische Immunität beruft, um einem Strafverfahren wegen seiner Rolle in der Affäre Hildebrand zu entgehen.

Noch am Wochenende setzte Schmid den Zürcher SVP-Nationalrat und Blocher-Intimus Christoph Mörgeli über die Äusserungen des Oberstaatsanwaltes in Kenntnis.

Postwendend forderte Mörgeli Bürgisser am Sonntag in einem geharnischten Brief zu einer Stellungnahme auf. Das Schreiben enthielt verschiedene Details, die auf eine gezielte Lauschaktion der SVP hindeuten könnten. Zum Beispiel schrieb Mörgeli: «Sie haben das Lokal in Begleitung von zwei Sportsfreunden um 22.15 Uhr betreten, wie Sie das seit Neujahr am Freitag regelmässig tun.» Claudio Schmid sagt, diese Information stamme nicht von ihm persönlich. Aber: «Wenn eine prominente Person wie Bürgisser regelmässig in einem Pub auftaucht, fällt das halt auf.»

Obwohl Oberstaatsanwalt Martin Bürgisser den Inhalt des Gesprächs im «Horse Pub» am Montag in einem Antwortbrief an Mörgeli weitgehend bestätigte und bedauerte, hat der SVP-Nationalrat gestern wegen «Verfehlungen im Amt» eine Aufsichtsbeschwerde gegen ihn eingereicht, wie die Zeitung «Der Sonntag» auf ihrer Internetseite berichtete.

Mörgeli hat bereits am Wochenende die Vermutung geäussert, Bürgisser habe bei dem Gespräch im «Horse Pub» das Amtsgeheimnis verletzt und womöglich den Tatbestand der üblen Nachrede erfüllt. Juristisch wird indes kaum etwas an Bürgisser hängen bleiben. Mörgeli dürfte es eher darum gehen, das Ansehen der Strafverfolgungsbehörde zu beschädigen, die es wagte, eine Hausdurchsuchung bei Blocher anzuordnen.

«Ich habe kein Problem mit ihm»

Für Claudio Schmid ist die «PubAffäre» mit dem Antwortschreiben Bürgissers erledigt. «Er hat ja alles zugegeben. Ich habe kein Problem mit ihm.»

Der Wirt des «Horse Pub», Daniel Kaltenbacher, ist nicht sonderlich erfreut über das, was sich seinem Lokal zugetragen hat. «Mich stört, dass einer unserer Gäste belauscht wurde.» Ein Hausverbot werde er Kantonsrat Schmid aber nicht erteilen.

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