Atomkatastrophe
Sushi, Wasabi und Fisch: Wie viel Radioaktivität ist in japanischen Lebensmitteln?

Die Angst vor radioaktiv verseuchten Lebensmitteln geht um. Das Bundesamt für Gesundheit will jedoch keinen Importstopp von Lebensmitteln aus Japan. Im Vordergrund stehe ein international abgestimmtes Programm zur Überprüfung von Importen.

Dino Nodari
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Sushi

Sushi

Keystone

In Japan hat der Wind gedreht. Die radioaktive Wolke vom Kernkraftwerk Fukushima 1 wird auf das Meer hinaus getragen. Allerdings geraten so radioaktive Stoffe in den Lebensmittelkreislauf.

«Das ist eher eine gute Nachricht, weil der radioaktive Hauptschadstoff Cäsium-137 sehr gut wasserlöslich ist», sagt Nathalie Gysi. Die Geschäftsleiterin von Green Cross Schweiz beobachtet die Situation in Japan sehr genau. Ziel der Stiftung ist unter Anderem Hilfe zu leisten, wo Umweltzerstörung als Folge von Krieg oder Konflikten auftritt. Bereits bei Tschernobyl habe man gesehen, dass die radioaktive Belastung in Gewässern schneller abnahm als ursprünglich befürchtet.

Radionuklide

 Als Radionuklide oder radioaktive Nuklide werden instabile Atomsorten, deren Kerne radioaktiv zerfallen bezeichnet.

Einnahme gefährlicher als Bestrahlung

Dabei sei zu beachten, dass die Einnahme von Radioaktivität in den Körper durch die Nahrung viel gefährlicher ist als die Bestrahlung von aussen. Radioaktiver Staub könne mit Wasser abgewaschen werden, sind die Stoffe aber im Körper gäbe es kaum eine Möglichkeit diese schnell auszuleiten.

Bis jetzt hätten die Kunden noch keine Fragen zu den Lebensmitteln gestellt, sagt Ernst Ruch vom «Sala of Tokyo» in Zürich. Das Restaurant ist seit 1981 schweizweit für japanische Spezialitäten bekannt. Im Moment sei gerade eine Sendung mit Lebensmitteln aus Japan zu ihm unterwegs und danach sei das «Sala of Tokyo» für vier Monate eingedeckt.

Ruch versichert aber, dass er keine Frischprodukte aus Japan für die Zubereitung seiner Speisen verwendet. Er importiere nur Saucen und Trockenprodukte. Die Berichterstattung aus Japan hält er für Panikmache, schliesslich würde Japan nur sehr wenige Frischprodukte exportieren. Für die Schweiz rechnet er mit keinen Auswirkungen. Er ist auch davon überzeugt, dass keine verseuchten Lebensmittel in Umlauf gelangen werden.

Importstopp nicht im Vordergrund

Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bestätigt, dass verhältnismässig wenig Lebensmittel aus Japan in die Schweiz importiert werden. Dennoch haben andere Länder reagiert. Italien hat beispielsweise einen Importstopp aus Japan beschlossen. Nicht so die Schweiz. Ein Importstopp stehe momentan nicht im Vordergrund, bestätigt Sabina Helfer. Die Sprecherin des Bundesamtes für Gesundheit sagt, dass derzeit mit der EU international abgestimmte Schwerpunktprogramme definiert werden.

Wenig Importe aus Japan

Es werden verhältnismässig wenig Lebensmittel aus Japan in die Schweiz importiert. 2010 wurden Waren im Wert von rund 17 Millionen Franken importiert. Gesamthaft wurden im letzten Jahr Waren im Wert von 3,6 Milliarden Franken importiert. (dno)

«Wir tun alles, damit die Produkte, die in der Schweiz auf den Markt gelangen, sicher sind», sagt Helfer. Und: Zurzeit müssten Konsumenten auf keine Produkte verzichten. Bei der Oberzolldirektion werden bereits heute gewisse Importprodukte auf Radioaktivität geprüft. Die Zollverwaltung ist mit Gamma-Warngeräten ausgerüstet und für genauere Untersuchungen stehe ein Dosimeter zur Verfügung, sagt Walter Pavel. Der Leiter Kommunikation der Zollverwaltung erklärt, dass bisher durch das BAG noch keine speziellen Kontrollen angeordnet worden seien.

Im gewohnten Rahmen würden aber Stichproben bei Sendungen durgeführt werden - auch bei solchen aus Japan. «Gestützt auf die Risikolage wirft der Zoll gegenwärtig aber ein besonderes Augenmerk auf diese Waren», so Pavel. Im Moment werden keine Waren standardmässig auf radioaktive Verstrahlung hin überprüft.