In Crans-Montana, über dem Rhonetal, ist die Luft frisch. Ein tiefer Atemzug da oben, Susanne Ruoff könnte ihn gebrauchen. Denn anders als an ihrem Wohnort wird die Luft für die Post-Chefin in Bern immer dünner.

Über 78 Millionen Franken an Subventionsgeldern hat die Postauto AG mit Buchhaltungstricks von Bund und Kanton zu viel eingesteckt. Fest steht mittlerweile: Chefin Ruoff wusste mehr, als sie Anfang Woche eingestand. Transparenz sieht anders aus. Das verwundert, wird sie von Weggefährten als direkt und kommunikativ beschrieben. Diverse Politiker fordern nun ihren Rücktritt. Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller versteckt sich bislang hinter einem verklausulierten Statement.

Zentralisierung als Problem?

Susanne Ruoff, die einstige IBM-Managerin, ist eine Businessfrau. Die sind in Bundesbern wenig beliebt. Das hat die Post-Chefin mehrfach zu spüren bekommen. Ruoff steht seit fünfeinhalb Jahren an der Spitze des gelben Riesen. Das Kerngeschäft mit Brief und Paketen schrumpft seit Jahren. Sie trimmt den Konzern auf Effizienz. Dabei hat sie sich an heilige Kühe des Service public herangewagt. Bis 2020 wird sie das Poststellennetz stark verkleinern. Sie hat einen Konzernumbau eingeleitet, der die Verwaltung aller Geschäftsfelder zentralisiert, die Macht am Hauptsitz bündelt. Gleichzeitig hat sie zahlreiche Projekte lanciert, um die Post in die digitale Zukunft zu führen.

Die Verschlankung des Konzerns sei aus wirtschaftlicher Sicht nötig, sagen Branchenkenner. Das traditionelle Geschäft der Post bricht Jahr für Jahr mehr weg. «So viel Geld wie dort kann die Post auch digital nie mehr verdienen», sagt ein Infrastruktur-Experte. Aber: In der Zentralisierung der Macht sehen Post-Kenner einen Grund für die Probleme bei der Postauto-Tochter. «Eine zentrale Führung ist bei einem Mischkonzern der Grösse der Post mit seiner Aufgabe schlicht überfordert», sagt ein ehemaliges Verwaltungsratsmitglied. Es brauche mehr Kompetenzen in den Bereichen.

Im Konzern sei man oft «eigendynamisch» unterwegs, sagt Daniel Münger, Präsident der Gewerkschaft Syndicom. «Frau Ruoff muss ihre Sparten näher an den Konzern binden.» In den Bereichen, wie bei der Postauto-Tochter, sei in den Entscheidungsgremien zu wenig Fachkenntnis vorhanden. Der abgesetzte Postauto-Chef Daniel Landolf sei über 20 Jahre die Hauptfigur gewesen. «Mit einem kleinen Team um ihn herum konnte er, so scheint es, ohne grosse Aufsicht operieren.» Auch bei Swiss Post Solution oder SecurePost «hängt vieles an wenigen Personen».

Kuscheln statt kontern

Es sind die alten Strukturen, die sich offensichtlich trotz Ruoffs Umbau im Konzern halten. «Susanne Ruoff ist Stabilität wichtig», so Münger. Andere Weggefährten beschreiben die 59-Jährige als zurückhaltend, verklausuliert und unentschlossen. Das verdeutlicht: Sie dürfte Schwierigkeiten haben, die alten Krusten hinter den Kulissen aufzubrechen. Auch im Post-Management gelte eher eine «Kuschelkultur» anstatt Konfrontation, heisst es in postnahen Kreisen. Mit Kurs auf die Pensionierung liesse man sich gegenseitig in Ruhe. Ruoffs Stellvertreter Ulrich Hurni und Postlogistics-Chef Dieter Bambauer werden dieses Jahr wie Ruoff sechzig. Ein Jahr jünger ist der abgesetzte Daniel Landolf. Er hat mit seiner Ankündigung zur vorzeitigen Pensionierung im November einige Management-Kenner überrascht. Es wird spekuliert, ob sein Abgang mit dem Subventionsskandal zu tun hat.

Der Postauto-Tochter dürften bald externe Experten genauer über die Schulter schauen. Wie die Post sagt, werde für die Postauto AG «die Einsetzung eines eigenständigen Verwaltungsrats unter Einbezug von ausgewiesenen Fachspezialisten im öV-Bereich geprüft». Ganz nach dem Vorbild der Postfinance, die ein eigenständiges Aufsichtsgremium hat.
Die Politik hat Chefin Ruoff das Vertrauen bereits abgesprochen. Verschiedene Parlamentarier von FDP, SP und SVP fordern ihren Rücktritt. Entscheidend wird sein, mit welchem Verdikt der Verwaltungsrat um Präsident und Vollblutpolitiker Urs Schwaller aus der Deckung kommen wird. In unternehmensnahen Kreisen machen sich Zweifel breit, ob das politisch geprägte Aufsichtsgremium die Nerven für eine eingehende Prüfung behält – oder dem politischen Druck nachgibt. Somit ist unklar, ob Post-Chefin Ruoff, die einst Pilotin werden wollte, nach ihrer Bruchlandung als Chefin nochmals abhebt.

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