Künftige Patientenschützerin
Susanne Hochuli zu Chefarzt-Löhnen: «Ich hätte die Saläre offengelegt»

Susanne Hochuli ist bald oberste Patientenschützerin. Sie fordert: «Alle Kliniken, die auf die Spitalliste eines Kantons wollen, müssten die Entschädigungen für Ärzte offenlegen.»

Roman Seiler
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Susanne Hochuli: «Alle Kliniken, die auf die Spitalliste eines Kantons wollen, müssten die Entschädigungen für Ärzte offenlegen.»

Susanne Hochuli: «Alle Kliniken, die auf die Spitalliste eines Kantons wollen, müssten die Entschädigungen für Ärzte offenlegen.»

Frau Hochuli, ungesund für Patienten ist die Vergütung von Kaderärzten in Spitälern. Wer mehr verordnet oder operiert, verdient mehr. Wie beurteilen Sie dies?

Susanne Hochuli: Es ist bewiesen, dass Zusatzversicherte aus monetären Gründen häufiger stationär als ambulant behandelt werden. Dabei wäre es eigentlich so, dass wir als Konsumenten, Prämien- und Steuerzahler über viel Macht verfügen. Aber nur wer gut informiert ist, kann hier dagegenhalten und aufs Mitentscheiden beharren.

Auch Gesundheitsdirektoren profitieren von diesem System. Der monetäre Anreiz senkt Spitaldefizite.

Gesundheitsdirektoren müssen sich ebenfalls fragen, ob es um die Menschen oder das Spitaldefizit geht. Immerhin ist es im Aargau gelungen, in den Geschäftsberichten der Spitäler für mehr Transparenz über die Entschädigungen zu sorgen als in anderen Kantonen. Ich wäre gerne noch weitergegangen und hätte die Saläre der Ärzte offengelegt. Dagegen gab es Widerstand.

Was muss offengelegt werden?

Alle Kliniken, die auf die Spitalliste eines Kantons wollen, müssten die Entschädigungen für Ärzte offenlegen. Das müsste eines der Kriterien sein, um auf die Liste zu kommen. Bei Listenspitälern übernimmt der Kanton schliesslich 55 Prozent der Kosten einer Fallpauschale.

Nun bedeutet Transparenz noch nicht, auf den Anreiz zu verzichten, mehr
zu zahlen, wenn mehr operiert wird.

Als Mitfinanzierer sollte der Kanton genau hinsehen, wer was macht. Dabei ist wichtig, dass es keinen monetären Anreiz gibt, beispielsweise eine Behandlung stationär statt ambulant durchzuführen. Bei planbaren Eingriffen von Zusatzversicherten werden diese vermehrt stationär durchgeführt. An der stationären Behandlung verdienen ein Arzt und sein Spital bis zu fünf Mal mehr. Allerdings zahlt der Kanton selbst bei einem zusatzversicherten Patienten 55 Prozent des Grundversicherungsanteils; den Rest berappt der Prämienzahler.

Boni, die zur Folge haben, dass jemand mehr verdient, wenn er möglichst
viel operiert, sei gemäss Definition der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International Schweiz eine Art von Korruption. Stimmt das?

Im Vordergrund steht nicht, ob es sich nun Korruption handelt, oder darum, dass sich jemand auf Kosten von uns allen bereichert und dabei die Gesundheit seiner Patienten gefährdet. Jeder Mensch ist daran interessiert, dass man ihn möglichst wenig operiert. Und wenn, nur dann, wenn es nötig ist.

Das darf vom Arzt erwartet werden?

Ein Arzt müsste das Beste für seine Patienten tun, und nicht das Beste für sein Portemonnaie. Daher ist für mich entscheidend, wie man mit den Menschen im Gesundheitswesen umgeht. Sie müssen befähigt werden zu merken, ob ein Arzt einen Entscheid fällt, der sie gesund macht, oder ob er seine monetären Interessen vertritt.

Das ist auch davon abhängig, wie man Ärzte vergütet. Was schlagen Sie vor?

Das kann ich so nicht beantworten. Aber Heinz Locher hat Recht: Es darf keine finanziellen Anreize geben, die dazu verleiten, mehr oder unnötige Leistungen zu verordnen. Oder eine Behandlung statt ambulant stationär durchzuführen. Allerdings gab es auch in der Politik Widerstand, als ich vorgeschlagen habe, mehr ambulant statt stationär zu behandeln. Es hiess dann gleich, das sei Staatsmedizin. Der Kanton dürfe nicht entscheiden, was wie gemacht wird.

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