Altenpflege
Susanne Hochuli will mehr Freiwillige in der Altenpflege

In der Pflege von alten Menschen werden die Spitex-Fachleute, die Angehörigen und die Nachbarn mehr gefordert sein. Die Überalterung sei für die Gesellschaft eine Chance der Bewährung und weniger eine Bedrohung, erklärte die Aargauer Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli im Pflege- und Betreuungszentrum Reusspark.

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Susanne Hochuli und Urs Hänggli

Susanne Hochuli und Urs Hänggli

JÖRG BAUMANN

Immer mehr alte Menschen, die gepflegt werden müssen: Das kostet viel Geld. 46 Millionen Franken müssen
die Aargauer Gemeinden allein bei der Pflegefinanzierung ab 2011 zusätzlich übernehmen. Damit nicht genug: Die Spitalfinanzierung kostet die Gemeinden ab 2012 nochmals 144 Millionen Franken mehr. Gewinner sind die alten Menschen: Sie werden entlastet und dürfen auf keinen Fall im Alter in die Armut fallen, teilte die Aargauer Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli den Vertretern der Gemeinden und der Pflegeinstitutionen mit.

7500 bis 8000 Franken pro Bett

Im Reusspark entfachte die Botschaft, dass die Gemeinden sich stärker engagieren müssen, keinen Sturm der Entrüstung aus. Im Gegenteil: Die Gemeinderäte trugen es mit Fassung. Urs Niffeler, Leiter Planung und Controlling im Departement Hochuli, gab den Gemeinden einen Richtwert vor: «Sie haben mit einer zusätzlichen Belastung 7500 bis 8000 Franken pro Pflegebett zu rechnen.» Das mache für die Gemeinde Strengelbach vier bis fünf Steuerprozente aus, rechnete Gemeindeammann Werner Kurth vor. Es findet aber ein Ausgleich unter den Gemeinden statt: Die Gemeinden können den Pflegeaufwand beim Finanzausgleich anrechnen lassen. Die alten Menschen würden dadurch nicht zur untragbaren Belastung, bemerkte Niffeler.

Regierungsrätin Susanne Hochuli forderte eine konstruktive Haltung ein: Die Überalterung sei aus ihrer Sicht mehr «eine Chance der Bewährung und weniger eine Bedrohung». Die Pflegearbeit von morgen sollte auf mehr Schultern verteilt werden. Stärker gefordert seien neben den Fachkräften in den Heimen die Spitex-Mitarbeiterinnen, die Angehörigen und die Nachbarn. Sie wüsste sonst nicht, woher sie das Pflegepersonal nehmen sollte - «sicher nicht mehr nur aus dem Ausland, weil das unfair ist».

Freiwillige vor

Susanne Hochuli schwebt ein radikaler Umbau der Gesellschaft vor:
die obligatorische Freiwilligenarbeit für alle - «und nicht mehr nur auf Kosten der Frauen». Im Aargau sollten wieder mehr alte Menschen zu Hause und nicht in den Heimen gepflegt werden. Für die Gerontopsychiatrie, die Demenz, die Palliative Care, die Übergangspflege und temporäre Pflegeplätze, aber auch für neue Wohn- und Betreuungsformen müssen laut Gesundheitsdirektorin Hochuli neue Angebote geschaffen werden. Wie die freiwilli-gen Pflegepersonen entschädigt werden sollen, ist für die Regierungsrätin noch offen.

«Aber ich will darüber nachdenken», sagte sie. Mit offenen Armen nahm sie die Idee von CVP-Grossrat Urs Leuenberger (Widen) auf. Leuenberger schlug vor, als Basis der Entschädigung den Spitex-Tarif anzuwenden. «Ich freue mich schon auf den Vorstoss im Grossen Rat», sagte die Regierungsrätin. Klar war für sie: «Die Pflegeberufe müssen aufgewertet und der zweite Bildungsweg geebnet werden.»

Fakten zur Pflegefinanzierung auf www.ag.ch/Vernehmlassungen.

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