Die Amerikaner waren die grossen Abwesenden. 2008, beim letzten Anlauf der Schweiz, neue Kampfjets zu beschaffen, passten sie. Damals ging es «nur» um den Ersatz der 54 alten Tiger. Namentlich Hersteller Boeing, der bereits den F/A-18 «Hornet» der Schweizer Luftwaffe produzierte, verzichtete darauf, an der Evaluation teilzunehmen.

Das ist, nach dem Scheitern des Gripen 2014 vor dem Volk, jetzt anders. Die Weiterentwicklung des «Hornet», der «Super Hornet», könnte zum Thema in der Schweiz werden. Auf Anfrage sagt Marcia Costley, Sprecherin von Boeing Defense, Space & Security: «Wir werden den ‹Super Hornet› weiterhin Luftwaffen anbieten, die daran interessiert sind, ihre Flotte mit einem Minimum an Risiko und einem Maximum an Ertrag zu modernisieren.»

Und die Boeing-Sprecherin lobt die Zusammenarbeit USA - Schweiz: «Die Hornets spielen seit über 20 Jahren eine bedeutende Rolle in der Schweizer Luftverteidigung, und wir schätzen diese lang anhaltende Beziehung.»

Die Boeing F/A 18 Super Hornet zeigt an einer Show 2016, was sie kann.

Die Boeing F/A 18 Super Hornet zeigt an einer Show 2016, was sie kann.

Es folgt ein Werbespot für die «Super Hornisse», die 30 Prozent grösser und weit leistungsfähiger ist als der FA-18: «Der ‹Super Hornet› ist das bewährteste und erschwinglichste Mehrzweck-Kampfflugzeug der Welt.» Die Fähigkeiten des Jets würden in Zukunft kräftig weiterentwickelt, «sodass es in der US-Navy und anderen Luftwaffen noch während Jahrzehnten eine wichtige Rolle spielen wird.»

Wenn eine Anfrage aus der Schweiz eingehe, so die Boeing-Sprecherin weiter, werde man das Ersuchen prüfen und dann entscheiden. 

Der «Super Hornet» ist ein Mehrzweckflugzeug, das vor allem in der US-Navy zum Einsatz kommt. Die Amerikaner setzten den Jet unter anderem in Afghanistan und im Irak ein.

2008 stieg Boeing gemäss Insidern nicht ins Schweizer Rennen, weil das Auftragsvolumen zu klein war. Diesmal dürfte dieses bedeutend grösser sein, die Schweiz richtet mit weit grösserer Kelle an. Statt gut 3 Milliarden wie beim gescheiterten Gripen-Projekt mit 22 Flugzeugen könnte das Paket nun bis zu 10 Milliarden kosten. Denn beim neuen Anlauf, den Verteidigungsminister Guy Parmelin wohl 2018 nimmt, geht es nicht nur um den Tiger-Ersatz, sondern auch um den F/A-18-Ersatz. 30, vielleicht sogar 40 oder 50 Flugzeuge könnten auf der Wunschliste der Armee stehen.

Neben Boeing ist aber auch ein weiterer US-Hersteller in den Startlöchern: Lockheed Martin, der Hersteller des Tarnkappen-Kampfjets F-35. Lockheed-Sprecherin Laurie Tortorello sagt auf Anfrage der «Nordwestschweiz»: Lockheed Martin sei sich bewusst, dass die Schweizer bald ihre Kampfjet-Flotten ersetzen müssen. «Jeder potenzielle Rüstungskauf beginnt bei der Schweizer Regierung, und wir stehen bereit, ihrem Bedürfnis zu entsprechen, sofern dies verlangt wird.»

«Wollen Sie Russland angreifen?»

Einige Beobachter der Szene räumen namentlich dem «Super Hornet» Chancen ein, in der Schweiz in die Kränze zu kommen. Der Tarnkappenjet F-35 dürfte es schwieriger haben, glauben einige. Ein ausländischer Experte sagt: «Der F-35 ist ein Bomber, mit dem man Russland angreifen kann. Wollen Sie das?»

Die Amerikaner kommen. Im Schweizer Verteidigungsdepartement stellt man sich allerdings bereits eine andere Frage: Können US-Firmen im Trump-Zeitalter überhaupt noch Offsetgeschäfte anbieten, wie die Schweiz sie üblicherweise verlangt?

Denn bisher zumindest war es so, dass sich Rüstungslieferanten verpflichten mussten, den Vertragswert des Geschäfts durch Aufträge an die Schweizer Industrie zu 100 Prozent wirtschaftlich auszugleichen. Was heissen würde, das Boeing oder Lockheed zumindest indirekt in der Schweiz Arbeitsplätze schaffen würden. Allerdings fordert der neue US-Präsident Trump bekanntlich, dass die Firmen Jobs in den USA schaffen müssen.

Ist Offset noch möglich? Lockheed antwortete dieser Tage nicht auf eine entsprechende Frage. Pikanterweise hat Lockheed-Chefin Marillyn Hewson dem neuen US-Präsidenten dieser Tage versprochen, 1800 neue Jobs in einem Werk in Texas zu schaffen.

Offensiver äussert sich Boeing. Sprecherin Marcia Costley hält fest: «Es ist zu früh, über potenzielle industrielle Zusammenarbeitsmöglichkeiten als Teil eines künftigen Kampfjet-Wettbewerbs in der Schweiz zu spekulieren.» Allerdings, fügt sie bei, blicke Boeing auf eine lange Erfolgsgeschichte in Sachen Industriekooperation rund um den Globus zurück.

So oder so: Noch ist offen, wie viele Hersteller die Schweiz überhaupt zur kommenden Evaluationsrunde einladen wird. Dieser Entscheid könnte noch dieses Jahr fallen. Expertengruppen erarbeiten im Auftrag von VBS-Chef Parmelin derzeit die Grundlagen.