Reisegruppe
Stürmischer Auftritt der 4000 Chinesen – die Stadt Luzern hielt dem Touristen-Aufmarsch stand

Die Stadt Luzern erhielt am Montag Besuch von insgesamt 4000 Touristen aus China. Die Ankunft war furios und es herrschte Hochbetrieb. Fazit: Keine negativen Zwischenfälle – Übung geglückt.

Janick Wetterwald
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Der Auftritt scheint wie geplant: Eine Gruppe Chinesen posiert hinter einer Fahne mit der Aufschrift «Jeunesse». Dazu schön lächeln, winken, gute Laune verbreiten und Fotos knipsen. Als am Montag kurz nach 9.30 Uhr die ersten chinesischen Touristen beim Luzerner Inseli aus einem Reisecar stiegen, bestätigten sie gleich sämtliche Klischees.

Da ist selbst der Fussgängerstreifen beim Schwanenplatz zu wenig breit.
27 Bilder
Cars treffen beim Inseli ein.
Posieren für das Erinnerungsfoto.
Ordentlich aufgereiht: Die parkierten Reisecars bei der Messe Allmend. Nachdem die Busse die Touristen in der Stadt Luzern beim Inseli abgesetzt hatten, fanden sie sich auf dem Parkplatz bei der Allmend ein.
Auch das Löwendenkmal besuchen die Touristen.
Touristen auf dem Grendel.
Hunderte Touristen vom Schwanenplatz.
Touristen überqueren die Seebrücke.
Ein «Hallo »für den Fotografen beim Inseliquai.
Posieren auf dem Inseli mit der Luzerner Kulisse im Hintergrund.
Aufs WC zu gehen scheint ebenfalls ein grosses Bedürfnis zu sein.
Erinnerungsfoto auf dem Inseli.
Montagmorgen früh: Das Inseli ist leergeräumt. Securitas und Polizei in Erwartung der ersten Cars.
Wieder abgeholt werden die Gäste am Nachmittag von Bussen der VBL. Diese fahren die Touristen zur Messe Allmend.
Einsteigen und ab zum Gala-Dinner: Die chinesischen Touristen steigen in die VBL-Busse ein, die sie zur Messe bringen.
Die Cars der Reisegruppe wurden nach dem Ausladen der Besucher beim Inseli direkt auf der Allmend parkiert. Von dort aus fahren die Reisebusse dann wieder zurück nach Basel und Zürich, wo die Touristen übernachten.

Da ist selbst der Fussgängerstreifen beim Schwanenplatz zu wenig breit.

Urs Flüeler / Keystone, Luzern, 13. Mai 2019

Insgesamt tummelten sich heute 4000 Touristen aus China in der Stadt Luzern, heranchauffiert in 95 Cars. Die ganze Reisegruppe zählt 12000 Personen und ist auf Einladung von ihrem amerikanischen Arbeitgeber Jeunesse Global noch bis Ende nächster Woche in der ganzen Schweiz unterwegs.

Nach dem furiosen Start-Auftritt verlief die Ankunft der nachfolgenden Reisegruppen in Luzern weniger pompös: Aussteigen, Jacke anziehen, Smartphone zücken und in Richtung Seeufer laufen. Der kalte Wind beim Inseli hielt kaum jemanden vom Posieren und Fotografieren ab, sondern sorgte lediglich für zerzauste Frisuren auf den Erinnerungsfotos.

Posen für das perfekte Bild – trotz den windigen Verhältnissen am Luzerner Seebecken.

Posen für das perfekte Bild – trotz den windigen Verhältnissen am Luzerner Seebecken.

Janick Wetterwald, Luzern, 13. Mai 2019

Viel Zeit zum Verweilen blieb den Touristen der ersten Welle sowieso nicht: Um 10 Uhr verliessen die ersten Schiffe vor dem KKL das Ufer. Reiseleiter mit gut sichtbaren, roten Flaggen sorgten dafür, dass niemand verloren ging oder gar das Schiff verpasste.

Übung geglückt

Direkt beim Schiffssteg machte sich Michel Scheurer, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee, ein Bild der Situation. «Für uns ist das nicht aussergewöhnlich. Am 1. August haben wir jeweils auch viele Passagiere auf einmal.» Entscheidend war laut Scheurer, dass die gesamte Koordination mit allen Beteiligten reibungslos ablief.

Feuertaufe bestanden

Mario Lütolf, Leiter Veranstaltungen bei der Stadt Luzern, zog ein positives Fazit. «Das Mobilitätskonzept hat funktioniert, sodass der Normalverkehr in der Stadt kaum zusätzlich belastet worden ist.» Die vorgegebenen Ankunfts- und Abfahrtszeiten beim Inseli wurden eingehalten und auch die Schiffe fuhren planmässig. Lütolf blickt zuversichtlich dem 19. und 20. Mai sowie dem Wochenende vom 24. bis 26. Mai entgegen. Dann werden je 2300 respektive 1400 chinesische Touristen erwartet. (jwe)

Einen reibungslosen Ablauf bestätige am Montagabend auch Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen bei der Stadt Luzern: «Das Mobilitätskonzept hat funktioniert, der Normalverkehr in der Stadt wurde kaum zusätzlich belastet.» Die vorgebenen Ankunfts- und Abfahrtszeiten beim Inseli wurden eingehalten und die Schiffe fuhren planmässig.

«Es ist himmlisch»

Als die ersten Schiffe bereits dem Wellengang trotzten, kam die zweite Touristenwelle an. Für diese 2000 Personen begann der Tag in Luzern mit Sightseeing und Shopping.

Mit einer Person ins Gespräch zu kommen ist schwierig: Die meisten sprechen gar nicht oder nur schlecht englisch und zeigen sich zudem zurückhaltend, sobald es nicht um ein Erinnerungsfoto geht. Die Verantwortlichen der Stadt haben ein Auge darauf, dass die Touristen während ihrer Reise nicht zu stark gestört werden – dies sei vom Organisator so gewünscht.

Mit einer jungen Frau mit dem Namen Tanya Sun klappt es dann aber mit einer Unterhaltung. Sie antwortet auf die Frage wie es ihr hier gefällt fast schon überschwänglich:

Es ist himmlisch –ich mag den Lifestyle, die Menschen und das Wetter hier.

Es sei eine ganz andere Atmosphäre in Luzern als in ihrer Heimat, in China. Dort seien die Menschen sehr gestresst, auf der Strasse fokussiere sich jeder auf sich selbst.

Tanya Sun mag die Schweiz, abgesehen vom Essen.

Tanya Sun mag die Schweiz, abgesehen vom Essen.

Janick Wetterwald, Luzern, 13. Mai 2019

«In der Schweiz ist alles lockerer, einfacher. Nur das Essen ist nicht so nach meinem Geschmack», sagt Sun. Sie ist zum ersten Mal hier – zusammen mit ihren Arbeitskollegen, die etwas entfernt das Smartphone in die Luft halten und das Interview filmen. Der Tag in Luzern hat bei Chinesin Tanya Sun seine Wirkung nicht verfehlt: «Das nächste Mal komme ich mit meiner Familie nach Luzern.»

Mehr Personal, mehr Sicherheitskräfte

Mittagszeit auf der anderen Seite der Seebrücke: Es dominiert auf den ersten Blick das übliche Tourismus-Geschäft. Der zweite Blick zeigt: Touristen mit roten Bändeln umgehängt und Reiseleiter mit roten Flaggen sind omnipräsent. Die Touristen tun, was alle Touristen in Luzern tun: Besuch im Souvenirshop, Schokolade kaufen, unzählige Fotos knipsen.

In der Altstadt hat man sich auf die riesige Reisegruppe vorbereitet. Roberto Casagrande, Geschäftsführer der gleichnamigen Souvenirshops, sagte in seinem Laden beim Schwanenplatz: «Ich habe alle Mitarbeitenden aufgeboten, die Chinesisch sprechen. Das sind über den ganzen Tag verteilt rund 35 Personen.» Bezüglich der Sicherheit überliess der Chef ebenfalls nichts dem Zufall:

Normalerweise ist eine Person für die Sicherheit im Einsatz – heute sind es vier.

Trotz stressiger Atmosphäre wirkte Casagrande optimistisch und sagte: «Das wird schon gut gehen.». Es ging gut und so blickt Mario Lütolf von der Stadt Luzern zuversichtlich dem 19./20. sowie dem Wochenende vom 24. bis 26. Mai entgegen. An diesen Tagen werden in Luzern pro Tag je 2300 respektive 1400 chinesische Touristen erwartet.

Essen und Show hinter geschlossenen Türen

Ab 16 Uhr wurde es in der Stadt wieder ruhiger. Die einzelnen Gruppen folgten der roten Flagge vom Reiseleiter zurück zum Inseli, wo VBL-Busse für den Transport zum Messegelände Allmend bereitstanden.

Imposant: Die 95 Cars vor der Bergkulisse auf der Luzerner Allmend.

Imposant: Die 95 Cars vor der Bergkulisse auf der Luzerner Allmend.

Keystone

Am Abend findet dort im privaten Rahmen ein Galadinner inklusive Multimediashow zur Region statt. Ab ca. 22 Uhr geht es für die 4000 Touristen mit den 95 Cars zurück nach Basel oder Zürich. Wir sagen, Bye Bye!

Der Organisator

Die amerikanische Firma Jeunesse Global, ein weltweit tätiges Unternehmen mit Hauptsitz in Florida, hat sich entschieden, ihre erfolgreichsten Verkäuferinnen und Verkäufer in China zu einer sechstägigen sogenannten «Incentive-Reise» einzuladen. «Die total rund 12‘000 Personen – Mitarbeitende sowie Begleitpersonen – reisen in verschiedenen Gruppen in die Schweiz und besuchen ihre Wunschdestinationen», teilte Luzern Tourismus unserer Zeitung mit. «Die Gäste besuchen diverse touristische Höhepunkte der Schweiz, darunter auch die Region Luzern-Vierwaldstättersee.»