Taxi
Stunk ums Taxigewerbe

In der Stadt Zürich hat es 1528 Taxis. Das sind zu viele, findet der Taxiverband. Die Stadt aber unternimmt nichts, dass es weniger werden. Die neue Taxiverordnung könnte sogar zu einer Zunahme von Taxis führen.

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Taxis in der Stadt Zürich

Taxis in der Stadt Zürich

Limmattaler Zeitung

Alfred Borter

Zürich habe ziemlich genau gleich viele Taxis, wie in Mailand zirkulierten, kritisiert der Taxiverband Zürich in einer Mitteilung, die gestern Mittwoch den Mitgliedern des Zürcher Gemeinderats verteilt wurde. Das sei zu viel und schade der Qualität. Wenn man jetzt in der Taxiverordnung mit dem freien Marktzugang Tür und Tor öffne für weitere selbstständige Taxiunternehmer, könnten auch Leute im Taxigewerbe tätig werden, welche von Buchhaltung und Führen eines Geschäftes keine Ahnung hätten. Das Resultat wären noch mehr schlecht ausgebildete und unmotivierte Taxichauffeure, warnte der Taxiverband.

Musikhören weiterhin erlaubt

Das Zürcher Stadtparlament hat gestern Abend die Taxiverordnung mit 80 zu 23 Stimmen genehmigt. Die SVP lehnte ab, die Grünen enthielten sich der Stimme. Grundsätzlich konnten sich die meisten Fraktionen mit dem Neuerlass anfreunden, es wurden allerdings zahlreiche Änderungsanträge gestellt.
Gescheitert sind die Grünen mit ihrem Antrag, dass nur noch Autos als Taxis zirkulieren können, welche aus ökologischer Sicht überdurchschnittlich gut abschneiden. Autos der Marken Mercedes, Audi oder Opel hätten grösstenteils keine Bewilligung mehr bekommen. Das ging selbst der SP zu weit, der Antrag wurde verworfen. Aber ein Zeichen setzte der Gemeinderat doch: Für ökologisch weniger bedenkliche Autos gibt es eine Rückerstattung eines Teils der Gebühren.
Auf der andern Seite kam die SVP mit Anträgen für Verschärfungen nicht durch, etwa bezüglich Sprachkompetenz der Fahrer. Sie blieb auch allein mit dem Antrag, den Taxichauffeuren zu verbieten, ohne ausdrückliche Zustimmung des Fahrgastes Musik laufen zu lassen. (abr.)

Höflich und anständig

Tatsächlich müssen die Vorschriften für das Taxiwesen in der Stadt Zürich neu gefasst werden, weil das Bundesgesetz über den Binnenmarkt dies verlangt. Es ist nicht mehr rechtmässig, für eine Taxibetriebsbewilligung von den Bewerbern die Niederlassungsbewilligung oder das Bürgerrecht zu verlangen, sie müssen nicht einmal mehr in Zürich Wohnsitz haben.

Für Stadträtin und Polizeivorsteherin Esther Maurer sind die Taxis eine Art Visitenkarte für die Stadt. Es sei darum wichtig, dass das Taxigewerbe ein erfreuliches Bild abgebe. Die Chauffeure müssten genügend Deutsch können und die Stadt gut kennen. Ferner ist in der Verordnung festgehalten, dass sich Taxifahrer allen Personen gegenüber höflich und anständig zu verhalten hätten. Das heisst: den Fahrgästen gegenüber, aber auch gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern, den Behördenmitgliedern sowie den Berufskolleginnen und Berufskollegen.

Einiges liegt im Argen

Wie steht es denn mit der Höflichkeit heute? Nach den Worten von Polizeisprecher Marco Cortesi verhalten sich die meisten Chauffeure gegenüber ihrer Kundschaft anständig. Schwarze Schafe gebe es überall. Verbessert habe sich gegenüber früher sicher die Qualität im Bereich der Deutschkenntnisse. Reklamationen von Fahrgästen hätten nicht zugenommen.

Für Peter Stöckli, den Präsidenten des Taxiverbands, ist noch einiges im Argen. Weil es zu viele Taxis gebe, verdiene der einzelne Chauffeur einfach zu wenig. Wenn man in einem Tag oder einer Nacht bloss 200 Franken Umsatz mache, sei das ungenügend. Und dann sei es nicht unwahrscheinlich, dass ein Chauffeur nicht mehr so motiviert unterwegs sei.

Aus der Lethargie erwachen

Dabei wäre wichtig, dass ein Taxichauffeur sich weiterschule, sagte Peter Stöckli. Es genüge nicht mehr, die Stadt gut zu kennen, es brauche auch Kenntnisse in Konfliktlösung, etwa wenn ein Fahrgast aggressiv reagiere. Die Stadt, meinte er, wäre gut beraten, wenn sie aus ihrer Lethargie erwache und zusätzliche Schritte zu einer Verbesserung der Situation unternehme.

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