«BDP-Präsident Hans Grunder strahlt über beide Backen, als er die Gratulationen entgegennimmt und Interviews gewährt», schrieb die «Nordwestschweiz» am 24. Oktober 2011 unmittelbar nach den letzten Nationalratswahlen. Über 5,4 Prozent der Stimmen und neun Sitze in der grossen Kammer konnte sich der damalige Parteichef freuen, vier Sitze mehr als nach der Abspaltung von der SVP während der vorangegangenen Legislatur. Mit dem Berner Werner Luginbühl wurde auch der einzige BDP-Ständerat im Amt bestätigt.

Drei Jahre später deutet nichts darauf hin, dass die Partei weitere Sitzgewinne feiern könnte. Der Eindruck aus der laufenden Legislatur ist zwiespältig – und die Formkurve zeigt nach unten: Zwar konnte die BDP im Thurgau und im Aargau Erfolge feiern, insgesamt aber hat sie heute in den Kantonen nur zwei Parlamentssitze mehr als im Oktober 2011 (77 Mandate in zehn Kantonen). Im wichtigen Kanton Bern ist die Partei im Frühling gar regelrecht abgestürzt (minus elf Sitze).

Der Sprung über den Röstigraben ist bisher nicht geglückt. Und im Anfang Monat publizierten ersten SRG-Wahlbarometer werden der BDP bloss 4,8 Prozent Wähleranteil vorausgesagt – minus 0,6 Prozent.

Die Fusion als Horrorszenario

Die Parteispitze um Martin Landolt, der Grunder 2012 als Präsident ablöste, weiss um die düsteren Aussichten. Um den Sitz ihrer Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf zu sichern, will sie enger mit der CVP kooperieren. Nur gemeinsam, so die nachvollziehbare Strategie, kann man die Wiederwahl sowohl von Widmer-Schlumpf als auch von CVP-Magistratin Doris Leuthard sicherstellen und so eine rechtsbürgerliche Regierungsmehrheit von SVP und FDP verhindern.

Ab April 2015 wollen BDP und CVP eine gemeinsame Bundeshausfraktion bilden, in den Kantonen werden Listenverbindungen angestrebt. Indes: Nicht überall werden die Pläne der Parteioberen goutiert. Seine Kantonalpartei lehne strukturelle Verschmelzungen mit der CVP strikte ab, sagte etwa Benno Niggli, Vizepräsident der BDP Graubünden, in der «NZZ». Denn: «Eine Fusion wäre ein Horrorszenario.»

Tatsächlich ist nicht auszuschliessen, dass die BDP auf nationaler Ebene zur Juniorpartnerin der CVP verkommt, wenn sie ihre Wähler- und Sitzzahl im Herbst 2015 nicht wenigstens wird halten können. Denn je nach Abschneiden von FDP und SVP ist die Zukunft von BDP-Bundesrätin Widmer-Schlumpf höchst ungewiss.

Sollte das nationale Aushängeschild der Partei abgewählt werden, ist das eigenständige Bestehen der BDP gefährdet. Wohl würde die Partei in ihren Heimatkantonen Graubünden, Glarus und Bern sowie in einigen weiteren Deutschschweizer Kantonen weiter bestehen. Von nationaler Regierungsbeteiligung aber könnte sie nicht einmal mehr träumen.

Wie sagte Landolt doch in einem Interview mit der «Nordwestschweiz» zum 5-Jahr-Jubiläum der Partei im November 2013: «Der grösste Erfolg ist, dass es uns gibt.» Ein fast noch grösserer Erfolg wäre es, wenn Landolt dies – aus nationaler Perspektive – auch zum 10-Jahr-Jubiläum der BDP noch sagen könnte.