Grossaufgebot

Studio-Verbot in der Wandelhalle: SRG darf sich bei den Bundesratswahlen nicht mehr so breit machen

Ein RSI-Radiojournalist interviewt Ignazio Cassis nach seiner Wahl in den Bundesrat: Wie viel Platz darf die SRG in der Wandelhalle einnehmen?

Ein RSI-Radiojournalist interviewt Ignazio Cassis nach seiner Wahl in den Bundesrat: Wie viel Platz darf die SRG in der Wandelhalle einnehmen?

Die SRG sorgt mit ihrem Grossaufgebot im Bundeshaus immer wieder für Zoff. Nun reagieren die Parlamentsdienste.

Es ist ein Medienspektakel der Extraklasse: Zu den Ritualen einer Bundesratswahl gehört, dass die Fernsehstationen und Radiosender der SRG mit einem Grossaufgebot vor Ort sind. Und dass sich Politiker genau darüber mokieren. Tatsächlich ist das Gedränge in der Wandelhalle und in den Vorzimmern des Nationalratssaals jeweils nicht zuletzt deswegen so gross, weil sich dort zahlreiche Journalisten, Kameraleute und Techniker der SRG tummeln.

Als die Vereinigte Bundesversammlung im Herbst 2017 den Freisinnigen Ignazio Cassis als Nachfolger von Didier Burkhalter in den Bundesrat wählte, standen fast so viele SRG-Mitarbeiter wie Parlamentarier im Einsatz: 30 Bundeshaus-Journalisten, 48 weitere Journalisten und 160 Techniker. Die Übertragung kostete einen hohen fünfstelligen Betrag. Dies ging aus der Antwort des Bundesrats auf einen Vorstoss von SVP-Nationalrat Marcel Dettling hervor.

Der Grossaufmarsch illustriere die «Übermacht der SRG gegenüber den Regionalsendern», meinte der Schwyzer Politiker. Andere beschwerten sich, sie würden in der Wandelhalle dauernd über SRG-Kabel am Boden stolpern. Der damalige Luzerner FDP-Nationalrat Peter Schilliger stimmte im Parlament wegen des «überbordenden Aufwands» aus Trotz für die No-Billag-Initiative.

Daraufhin reagierte die SRG. Im vergangenen Jahr, als das Parlament Viola Amherd (CVP) und Karin Keller-Sutter (FDP) in die Landesregierung hievte, standen bereits deutlich weniger Angestellte im Einsatz. Insbesondere die Zahl der Techniker konnte mit 88 fast halbiert werden. Trotzdem kritisierten manche Parlamentarier noch immer die «SRG-Armada».

Wandelhalle für alle gleichermassen zugänglich

Bei den diesjährigen Gesamterneuerungswahlen sind es nun die Hausherren, die der SRG Einhalt gebieten. Das Personal der Radios und TV-Kanäle darf sich am kommenden Mittwoch in der Wandelhalle nicht mehr so breit machen wie bis anhin – und kein eigenes Mobiliar installieren. Auf Anfrage bestätigt SRG-Sprecher Edi Estermann entsprechende Informationen: «Wie die Parlamentsdienste der SRG mitgeteilt haben, dürfen bei den Gesamterneuerungswahlen vom 11. Dezember hier nun keine Tische mehr fix installiert werden.»

Die Wandelhalle solle für alle gleichermassen zugänglich sein, begründet Karin Burkhalter von den Parlamentsdiensten diesen Entscheid. Bislang nutzten die Radiosender von SRF, RSI und RTS die Wandelhalle als Studio-Standort für ihre Live-Sendungen. Sie beanspruchten mehrere Quadratmeter für sich und bauten technisches Equipment auf. Dafür musste das Mobiliar im altehrwürdigen Saal – unter anderem Stühle, Tische und Blumentöpfe – teilweise weggeräumt werden.

Diesmal werden die Radios wie die Fernsehstudios in den beiden Vorzimmern des Nationalratssaals stationiert. Interviews ohne zusätzliches Mobiliar seien in der Wandelhalle aber weiterhin erlaubt, betont SRG-Mann Estermann.

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Autor

Sven Altermatt

Sven Altermatt

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