Eine neue Studie, die mehreren Sonntagsmedien vorliegt, zeigt: Die Schweiz ist äusserst restriktiv, wenn es um Entlassungen von verwahrten Straftätern geht.

Thomas Freytag, Vorsteher des Amtes für Justizvollzug des Kantons Bern, hat zusammen mit Aimée Zermatten, einer Doktorandin der Universität Freiburg, ausgewertet, dass in den vergangenen zehn Jahren lediglich 2 Prozent der 141 ordentlich Verwahrten bedingt entlassen wurden. Absolut kamen in den letzten 14 Jahren 27 schwere Straftäter aus der ordentlichen Verwahrung frei.

Im Gegensatz zur lebenslangen Verwahrung müssen die zuständigen Behörden bei der ordentlichen Verwahrung jährlich prüfen, ob der Täter bedingt freigelassen werden kann.

Gemäss den Studienautoren ist die Zahl von durchschnittlich zwei entlassenen Tätern pro Jahr verschwindend klein. Sie macht gerade mal zwei Prozent aller Entscheide aus. Die restlichen 98 Prozent bleiben eingesperrt. Zum Vergleich: Im normalen Strafvollzug liegt die Bewilligungsquote bei 73 Prozent.

Insgesamt sitzen derzeit rund 150 Verwahrte in Schweizer Gefängnissen. Laut Studienautor Thomas Freytag zeigen die Resultate, dass bereits die ordentliche Verwahrung genügend Sicherheit bringt und Verschärfungen nicht notwendig sind.

«Und die Wenigen, die in Freiheit kommen, sind praktisch immer alt, krank und nicht mehr im Stande, ein schweres Delikt zu begehen», sagt Freytag. «Somit ist die ordentliche Verwahrung de facto eine lebenslange Verwahrung.» Grund für die wenigen Entlassungen: eine Null-Risiko-Mentalität. 

Auch bei der sogenannten kleinen Verwahrung, der stationären Massnahme nach Artikel 59 gemäss Strafgesetzbuch. Lediglich 10 Prozent der Täter wurden im Schnitt in den vergangenen zehn Jahren bei der jährlichen Überprüfung bedingt entlassen. «Diese Zahlen zeigen, dass die Schweiz alles andere als eine Kuscheljustiz hat», sagt Freytag. «Der Schutz der Gesellschaft vor gefährlichen Tätern ist da.»

Neue Verwahrungsstudie

Neue Verwahrungsstudie

Die Chance, dass der Vierfachmörder von Rupperswil jemals wieder frei kommt, ist laut einer neuen Studie äusserst gering.

Eine bedingte Entlassung werde «ausserordentlich selten bis gar nie» gewährt und wenn, dann meistens nur für alte und körperlich Kranke. Gegenüber dem SonntagsBlick sagt Freytag: «Die ordentliche Verwahrung hat sich de facto der lebenslänglichen Verwahrung angenähert.»

Laut Gesetz muss eine normale Verwahrung jährlich überprüft werden, ein entsprechendes Gutachten kostet 12’000 bis 15’000 Franken. «Das führt zu horrenden Kosten», sagt BDP-Nationalrat Bernhard Guhl, «und jedes Gutachten birgt die Gefahr, dass sich ein Verwahrter verstellt und frei kommt».

Nach einem Vorstoss von Guhl, den Bundesrat und Parlament unterstützen, soll das Überprüfungsintervall künftig auf drei Jahre erhöht werden.