Markus Freitag von der Universität Konstanz sowie Thomas Milic und Adrian Vatter (beide Universität Bern) untersuchten im Auftrag der Chefredaktorenkonferenz der SRG das Stimmverhalten bei der Abstimmung über die Anti-Minarett-Initiative vom November vergangenen Jahres.

Sie kommen zum Schluss, dass eine überwältigende Mehrheit der Stimmenden bei dieser Vorlage ihre Entscheidung aufgrund der im Abstimmungskampf vorherrschenden Argumente und der eigenen politischen Grundhaltung gefällt hat. Eine "demokratieschädigende Wirkung" der Umfragen schlossen sie aus.

Die Stimmenden seien gut über die Vorlage informiert gewesen. Dies mache "eine unreflektierte Orientierung an Umfrageergebnissen äusserst unwahrscheinlich".

Stimmberechtigte, die Umfragen nutzen, nähmen politische Informationen eher kritisch auf und informierten sich auch vielseitig. Umfragenutzer hätten bei der Abstimmung nicht anders entschieden als jene, die demoskopische Resultate ignorierten.

Die Studie kommt laut SRG ausserdem zum Schluss, dass die Umfragen wahrscheinlich keine Wirkung auf die Mobilisierung oder Demobilisierung von Stimmenden des einen oder anderen Lagers hatten. Letztendlich habe die überdurchschnittlich starke Beteiligung von Gruppen, die eher zu einem Ja tendierten, den Ausschlag für das Ergebnis der Abstimmung gegeben.

Untersuchung der Fehlprognose

Bei der Anti-Minarett-Initiative hatte das von der SRG mit der Umfrage beauftragte Berner gfs-Forschungsinstitut eine Nein-Mehrheit von 53 Prozent vorausgesagt. Das Stimmvolk nahm die Initiative jedoch Ende November 2009 mit 57 Prozent Ja an. Daraufhin liess die SRG SSR die Fehlprognose eingehend untersuchen und verzichtete vorübergehend auf Trendumfragen.