Geschlechterkampf an HSG

Studenten entscheiden über geschlechtsneutrale Form

Blick in den grossen Hörsaal «Audimax» der Universität St. Gallen: Werden Studentinnen sprachlich diskriminiert?

Blick in den grossen Hörsaal «Audimax» der Universität St. Gallen: Werden Studentinnen sprachlich diskriminiert?

Heute Donnerstagabend entscheidet das Studentenparlament der Universität St. Gallen (HSG) über die Umbenennung der «Studentenschaft» in eine geschlechtsneutrale Form – das schlägt innerhalb der Uni hohe Wellen.

Den Anfang bildete wie so oft ein Facebook-Post. Im Rahmen einer Transparenz-Initiative publizierte das Studentenparlament der HSG am Dienstagabend die Traktanden zur dritten Sitzung auch im sozialen Netzwerk.

Ohne diese Aktion hätte wohl die Mehrheit der Studierenden an der HSG nie Notiz vom Traktandum 9 genommen. Dieses handelt von Gleichberechtigung und Geschlechterneutralität und birgt Zündstoff.

Dominierende Männlichkeit

De facto studieren laut der letzten Immatrikuliertenerhebung 2488 Frauen an der HSG, was auf die Gesamtheit der Studierenden gesehen knapp einem Drittel entspricht. Dieser Anteil wuchs in den letzten Jahren stetig und liegt mit Bezug zu den in St. Gallen angebotenen Studiengängen im Schweizer Normalbereich.

Dennoch nennt sich der Interessensverband der St. Galler Studierenden von je her «Studentenschaft der Universität St. Gallen», was in heutigen Zeiten anderen Interessensvertretern nicht mehr zeitgemäss erscheint. Als offizielle Teilkörperschaft der HSG besitzt die Studentenschaft als legislatives Organ auch ein «Studentenparlament», bestehend aus immatrikulierten HSGlern – auch dieser Name eckt aufgrund seiner dominierenden Männlichkeit an.

Die Fahnen der Studentenschaft müsste auch geändert werden.

Die Fahnen der Studentenschaft müsste auch geändert werden.

Um die Studentenschaft für die geschlechterneutrale Zukunft zu wappnen, wurde für die Sitzung von heute Abend jener neunte Punkt traktandiert. Der Antrag fordert die Änderung der Namen in «Studierendenschaft» beziehungsweise «Studierendenparlament» innert nützlicher Frist und auf allen offiziellen Dokumenten, Werbeartikeln, Kommunikationsmedien und Ähnlichem.

Unklare Kosten

Der dazugehörige Facebook-Post entfachte am Dienstagabend an der tendenziell als liberal geltenden HSG ein Diskussionsfeuerwerk. Insbesondere die Kosten, die zunächst auf einen fünf- bis sechsstelligen Frankenbetrag veranschlagt wurden, riefen die ersten Kritiker auf den Plan.

Auch die folgende Korrektur auf eine maximal fünfstellige Zahl – notabene mitfinanziert durch Studiengebühren – vermochte die Situation nicht zu beruhigen. Von «Verschleuderung der Gelder» und «wichtigeren Geschlechterproblemen» war die Rede. Die Höhe der Kosten wurde schliesslich komplett gestrichen.

Andere Probleme

Die Online-Diskussion hat sich gestern auf den Campus verlagert. Die Marke «Studentenschaft» sei an der Universität omnipräsent und werde nie als reine Männerinstitution wahrgenommen, so der Tenor selbst unter HSG-Studentinnen, die wie auch ihre männlichen Pendants durch das Studium automatisch Mitglied der Studentenschaft sind.

Man solle besser junge Frauen generell zum Universitätsstudium motivieren, als Gelder in Gender-Aktionen zu stecken. «Wir studieren in Provisorien und kämpfen um Plätze in der Bibliothek sowie in der Mensa», erklärte ein BWL-Student. Diese Probleme seien priorisiert zu behandeln.  

Ob sich aber das Studentenparlament heute Abend selbst umbenennt, darf aufgrund der Diskussionen als fraglich eingeschätzt werden. Sicher ist jedoch, dass eine Sitzung des Parlamentes selten auf so grosses Interesse stiess und auch die HSG inmitten der Gender-Debatte steckt.

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