Jörg Baumann

Werner Humbel (Lebensmittel-Recycling, Stetten), Guido Hufschmid (Grüngut-Verwertung GmbH, Niederwil) und der Landwirt David Regez (Geschäftsführer der Bäuerlichen Arbeitsgruppe Qualitätskompost, Stetten) erstellen als Konsortium den Energie- und Recyclingpark auf dem Gelände der Grüngut-Verwertung GmbH in Niederwil. «Unser Projekt ist auf dem neuesten technischen Stand», erklärt Werner Humbel, der in seinem Betrieb seit Jahren die Lebensmittelreste aus der halben Deutschschweiz verarbeitet. So entsteht aus den Resten auch Biodiesel.

Quantensprung im Recycling

Nun wagt Humbel mit seinen Kollegen Guido Hufschmid und David Regez einen Quantensprung in der Wiederverwertung von Reststoffen. Die Zahlen sind beeindrucken: Eine Biogasanlage soll 7 Millionen Kilowattstunden Ökostrom für über 1000 durchschnittliche Einfamilienhäuser produzieren. Daneben soll die kombinierte Anlage 1,7 Millionen Liter Biodiesel für Automobile, 3000 Kubikmeter Energiehackschnitzel für Holzheizungen, 8000 Kubimeter Kompost und 17 000 Kubikmeter Flüssigdünger herstellen - alles umweltfreundlich. Die ganze Anlage wird in einem geschlossenen System funktionieren. Die Nachbarschaft habe keine Geruchsbelästigung zu befürchten, betonen die Unternehmer.

Ökostrom als Problemlösung

Ab Mitte 2011 verbietet der Bund, das Nutzvieh mit aufgearbeiteten Speiseresten zu füttern. «Was nun?», fragte sich Humbel. Die Lösung des Problems: die Produktion von Ökostrom. Damit könne man heute einen guten Preis lösen, sagt Humbel. Den Ökostrom will er dem Elektrizitätswerk Zürich verkaufen. Das mache Sinn, sagt der Unternehmer. Viele der Lieferanten der Speisereste stammten aus der Grossregion Zürich. Mit der Stromproduktion könne man den Kreislauf schliessen.

Einen grossen Teil der Abwärme wird die Biogasanlage für den Produktionsprozess schlucken. Der Rest ist frei verfügbar. Der «Reusspark», das Zentrum für Pflege und Betreuung im Gnadenthal, interessiert sich laut Humbel für die Lieferung der Abwärme. Die Anfrage liegt vorerst mündlich auf dem Tisch. Humbel: «Der Reusspark muss die Ölheizung und die Holzschnitzelheizung ersetzen. Die Nutzung der Abwärme von unserer Biogasanlage drängt sich nach meiner Meinung auf.»

Baugesuch eingereicht

Das Konsortium beansprucht für sein Vorhaben keine Fördergelder. «Wir profitieren aber von der indirekten Unterstützung, so vom Abnahmepreis für Ökostrom, der für die nächsten 20 Jahre garantiert wird», sagt Humbel. Eine Kröte muss das Konsortium zwar schlucken. Der Ausbau der Strasse Gnadenthal-Tägerig soll ganz auf seine Kappe gehen. Das Konsortium hofft, dass es die Baubewilligung nächstes Jahr erhält. In diesem Fall könnte die Anlage 2011 in Betrieb genommen werden.