NOK
Streit um neue Stromleitung

Die NOK wollen einen 85-Meter-Masten bauen, die Anwohner sind für eine Erdvariante. In einem offenen Brief an den Nachhaltigkeitsbeirat der Axpo wehrt sich der Verein «Verträgliche Starkstromleitung Reusstal» gegen die Pläne, die Leitung zwischen Niederwil und Fischbach-Göslikon oberirdisch zu führen.

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Strommasten im Reusstal

Strommasten im Reusstal

Aargauer Zeitung

Fabian Hägler

Kurt Aeschbacher erhielt diese Woche ungewöhnliche Post. Mit einem offenen Brief wandte sich der Verein «Verträgliche Starkstromleitung Reusstal» (VSLR) an den Fernsehmann, der im Nachhaltigkeitsbeirat der Axpo Holding sitzt. Kernpunkt des Schreibens ist die Frage, ob die neue Stromleitung im Reusstal oberirdisch (mit bis zu 85 Meter hohen Masten) oder im Boden (als Erdkabel) erstellt werden soll.

Der VSLR verlangt von der Nordostschweizerischen Kraftwerk AG (NOK), der Trägerin des Projekts, «für den Neubau des Abschnitts Niederwil-Fischbach-Göslikon in einer detaillierten Projektstudie die beiden Varianten Freileitung und Kabel einander gegenüberzustellen».

Chance für einen Praxistest

Die NOK, eine Tochterfirma der Axpo, haben sich bisher geweigert, dieses Anliegen umzusetzen. Laut den VSLR-Vertretern würde die Aufnahme des Reusstaler Leitungsabschnitts «in die vom Bund geplanten Praxistauglichkeitstests zum ‹Beurteilungsschema Kabel - Freileitung› eine einmalige Gelegenheit bieten».

Zudem macht der VSLR klar, dass eine Erdleitung aus seiner Sicht «in wenigen Jahren der Standard beim Bau von Leitungen auf der 220/380-kV-Ebene» sein werden. Aus rein wirtschaftlicher Sicht sei eine Freileitung heute noch günstiger als ein Erdkabel, räumt der Verein ein.

Update

VSLR gegen NOK 2006 beschliessen die NOK, die Stromleitung zwischen Niederwil und Fischbach-Göslikon auf 380 kV aufzurüsten und zu verlegen. Anwohner gründen die Interessengemeinschaft Verträgliche Starkstromleitung (IG VSL). Die IG und die Gemeinderäte von Niederwil und Fischbach-Göslikon fordern, die Leitung im Boden zu führen. Ende März 2009 wird der Verein Verträgliche Starkstromleitung Reusstal (VSLR) gegründet. Der VSLR und die Grünen reichen beim Regierungsrat im Mai die Petition «Hochspannungsleitung im Reusstal unter den Boden» mit 2200 Unterschriften ein. (fh)

Allerdings müssten seriöse Kostenvergleiche der Varianten «auf umfassenden Lebenszyklus-Analysen basieren, die auch Übertragungsverluste, Wartung und Ausfallkosten einschliessen», hält der VSLR fest. Überdies seien Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit gleichermassen zu berücksichtigen.

NOK «kaum gesprächsbereit»

Bisher haben sich die NOK in den Augen des Vereins bei dieser Frage «kaum austausch-, informations- und gesprächsbereit» gezeigt. Mitte März teilte das Unternehmen dem Gemeinderat Niederwil seinen Entscheid mit, «die ausserhalb des ordentlichen Plangenehmigungsverfahrens geführten, leider erfolglos verlaufenen Gespräche zu unterbrechen und das Projekt dem Eidgenössischen Starkstrominspektorat einzureichen».

Diese Haltung widerspricht laut VSLR dem Nachhaltigkeitsbericht der Axpo. Darin wird festgehalten: «Axpo sucht den kontinuierlichen Austausch mit allen Anspruchsgruppen.» Konkret: «Wo Neu- oder Umbauten geplant sind, finden wiederkehrende Informations- und Diskussionsveranstaltungen statt.»

Hans Kneubühler, Vizepräsident des VSLR, sieht den offenen Brief als letzte Möglichkeit zum Dialog. «Wenn erst einmal das Baubewilligungsverfahren angefangen hat, wird sich die Auseinandersetzung auf die Ebene von Einsprachen, Beschwerden und Rekursen verlagern», sagt er.

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