Blutspende
Streit um das Blut der Aargauer

Das Blut der Freiämter und Frick taler ist begehrt: Momentan zapft es der Regionale Blutspendedienst der Berner ab. Dringend brauchen würden es aber auch die Zürcher.

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Aargauer Zeitung

SABINE KUSTER

«Sie bekämpfen sich bis aufs Blut» titelte der «Tages-Anzeiger» am Samstag. «Ein blutiges Kräftemessen» nannte es die Limmattaler Zeitung. - Es geht nicht um ein mittelalterliches Kampfgeschehen und schon gar nicht um eine ritterliche Gesinnung. Es geht um den aktuellen, eher papierenen Streit der Blutspende Zürich mit dem Schweizerischen Blutspendedienst. Und es geht um Aargauer Blut. Genauer: um jenes der Freiämter und Fricktaler. Denn einer der Gründe, weshalb sich die beiden Organisationen in den Haaren liegen, ist ein Streit um die Entnahmegebiete.

Die Schweiz ist in 13 Spendegebiete aufgeteilt, die das Blut autonom sammeln. Der Blutspendedienst Aargau/Solothurn ist eine dieser Regionen: In den Spitälern in Aarau (Hauptsitz), Baden, Brugg, Menziken, Muri und Zofingen, gibt es ständige Blutspendezentren. Diese decken den Bedarf an Aargauer Blut ab: «Wir haben immer gerade genug Blut», sagt Geschäftsleiter Martin Wernli in Aarau. Wenn es während der Ferienzeit mal knapp wird, rufe man die Spender an.

Bern zapft im Aargau Blut für Basel

Hier liegt das Problem nicht. Zankäpfel sind die vielen Aargauer Gemeinden, welche von den mobilen Equipendiensten zwei- bis dreimal im Jahr besucht werden und sich für einen Nachmittag meist in Mehrzweckhallen einrichten. Neun Orte im östlichen Kantonsteil werden von Blutspende Zürich besucht: Bad Zurzach, Döttingen, Endingen, Lengnau, Neuenhof, Spreitenbach, Untersiggenthal, Würenlingen und Würenlos. Diese Gemeinden musste der Blutspendedienst Bern in den letzten Jahren an die Zürcher abtreten. In allen anderen sammeln die Berner Equipen Blut.

Blutspende Zürich fordert von der Dachorganisation des Blutspendedienstes des Roten Kreuzes, in genug Gemeinden sammeln zu können, um eine Deckung von 110 Prozent zu erreichen - nur so könne die Versorgung jederzeit gewährleistet werden. Heute kann Blutspende Zürich nur durchschnittlich 97 Prozent des Bedarfes abdecken. «Eine 110-Prozent-Abdeckung für jede Region, das schaffen wir nicht», sagt Rudolf Schwabe, Direktor des Blutspendedienstes SRK. Dies würde ausserdem dazu führen, dass mehr Blut verfallen würde. «Heute wird in der Schweiz über 99 Prozent des Blutes gebraucht», sagt Schwabe. Über die Zentrale in Bern könne das Blut bei Engpässen besser verteilt werden.

Spendefreundlicher auf dem Land

Das in den Aargauer Gemeinden gesammelte Blut geht zum grössten Teil nach Basel, wo das Universitätsspital seinen Bedarf nicht annähernd selbst decken kann. Ein weiterer Teil geht nach Genf, das ebenfalls nicht über genug spendefreundliches Hinterland verfügt, und nach Zürich. Der Überschuss wird nach Griechenland verkauft.
Kantone mit Universitätsspitälern sind auf die ländlichen Regionen angewiesen; hier brauchen die Regionalspitäler einerseits weniger Blut als die grossen, andererseits ist die Bevölkerung spendefreudiger als in den Städten. Generell sei der Aargau guter Schweizer Durchschnitt, was die Spendefreudigkeit betrifft, sagt Schwabe.
Wie es weitergeht, ist unklar: Der Schweizerische Blutspendedienst hat die Zusammenarbeit mit Blutspende Zürich gekündigt; der Vertrag läuft Ende 2010 aus. Danach könnte der Schweizerische Blutspendedienst die zehn Aargauer Gemeinden, in denen Zürich jetzt schon Blut sammelt, zurückfordern. Beide Parteien bekräftigen, sie wollten auf keinen Fall die Aargauer Spender vergraulen. Bis Ende des nächsten Jahres müssen sie sich also geeinigt haben, wohin das Aargauer Blut fliessen soll. Vorläufig sind die Fronten verhärtet.