Uitikon

Strahlende Überraschung auf alter Industrie-Deponie

Belastet: Unter der Oberfläche des Industrieareals Rotholz lagerte jahrelang mit Uran belasteter Abfall. (Bild: Frank Speidel)

Uran

Belastet: Unter der Oberfläche des Industrieareals Rotholz lagerte jahrelang mit Uran belasteter Abfall. (Bild: Frank Speidel)

In drei ehemaligen Deponien der CU Chemie Uetikon sind uranhaltige Altlasten gefunden worden. Für Mensch und Umwelt bestehe keinerlei Gefahr, heisst es.

Lucien Scherrer und Frank Speidel

Das ehemalige Industrieareal Rotholz zwischen Uetikon und Meilen ist mit Gras überwachsen, gearbeitet wird hier schon lange nicht mehr. Seit gestern ist aber bekannt, dass unter dem Gras jahrelang ein Geheimnis strahlte: uranhaltiger Schlamm aus der Phosphordüngerproduktion, den die CU Chemie Uetikon AG zwischen 1872 und 1991 ablagerte. Dies teilte die kantonale Baudirektion mit, die im April von der CU Chemie AG über den Fund informiert worden war. «Wir waren überrascht, als die Altlasten entdeckt wurden», sagte CU-Geschäftsführer Moritz Braun gestern. Er räumte jedoch ein, dass man es hätte wissen müssen: Die Suva hat bereits vor 20 Jahren Jahre Messungen durchgeführt, um die Mitarbeitersicherheit zu prüfen. Dabei wurde ebenfalls Uran nachgewiesen. «Die Werte waren aber so tief, dass die Studie in Vergessenheit geraten ist», erklärt Braun, der sein Amt erst Jahre nach den Messungen der Suva angetreten hat.

20-mal höhere Strahlung zulässig

Auch jetzt, wo das Uran wiederentdeckt worden ist, beteuert die CU, weder für Mensch noch für Umwelt bestehe Gefahr. Die an der Oberfläche gemessene Strahlung sei sogar tiefer, als wenn man eine kommune Granitplatte betrete, sagt Moritz Braun. Die involvierten Ämter - kantonales Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) und Bundesamt für Gesundheit (BAG) - bestätigten dies.

Im Rotholz wurde die Strahlung mit einem Geigerzähler gemessen. 25 nSv/h (Nanosievert pro Stunde) wurden laut Reto Linder von der Abteilung Strahlenschutz des BAG festgestellt. Gesetzlich zulässig wären 500 nSv/h. «Wird im Rotholz noch tiefer gegraben, könnte allerdings eine höhere Strahlung gemessen werden», so Linder. Derzeit bestehe für die Mitarbeiter der Chemiefabrik aber keine Gefährdung der Gesundheit.

Auch in Egg und Oetwil

Uran ist praktisch in jedem Stein enthalten. In der «Chemischen» ist das Metall als Nebenprodukt bei der Produktion von Mineraldünger angefallen. Erst in den 60er-Jahren wurden sich die Fabriken der Problematik dieses gefährlichen Nebenprodukts bewusst. Uran fällt auch in anderen Industriezweigen wie der Uhrenindustrie an.

Dass das im Rotholz gelagerte Uran nach mehr als 20 Jahren wieder zum Vorschein kam, ist dem Umstand zu verdanken, dass die CU das Areal sanieren und verkaufen will. Im Frühling hat die Firma BMG Engineering AG, die sich um den Sanierungsauftrag bemüht, Sondierungen vorgenommen. Dabei wurde eine Feststoffprobe ans Paul-Scherrer-Institut (PSI) weitergeleitet, wo die Urankonzentration entdeckt wurde. Neben dem Rotholz sind zwei weitere Deponien der Chemie Uetikon in Egg und Oetwil belastet. Sie befinden sich ausserhalb des Siedlungsgebiets und müssen ebenfalls saniert werden. Die Konzentration ist laut Moritz Braun etwa gleich hoch wie in Meilen.

Imageschaden befürchtet

Der Uran-Fund kommt für die CU zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, denn ein Teil des Areals soll nach der Sanierung verkauft werden. Für einen Gestaltungsplan läuft derzeit das Bewilligungsverfahren. Bisher rechnete die CU mit einem Verkaufspreis von neun Millionen Franken. Braun räumt ein, dass durch die «Uran-Affäre» ein Imageschaden entstehen dürfte - egal, wie harmlos die Strahlung auf dem Grundstück auch sein mag. «Das Reizwort Uran genügt, um die Leute zu erschrecken», so der CU-CEO. Dass Interessenten diesen Umstand in den Preisverhandlungen ausnutzen werden, ist wohl nicht ganz auszuschliessen.

Wohin damit?

Klar ist, dass die Sanierung wegen dem unerfreulichen Fund verzögert und wohl auch verteuert wird. Die Firmen, die sich für die Sanierung interessieren, werden möglicherweise neue Offerten einreichen müssen. Denn falls sich die Urankonzentration als zu hoch erweist, könnten die Altlasten nicht einfach auf einer Restmülldeponie entsorgt werden. Die verseuchte Erde müsste aufbereitet und ins Bundeszwischenlager für radioaktiven Müll in Würenlingen AG gebracht werden.

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