Zürich

Strafuntersuchung gegen Psychiater

Im Wetziker Taximord muss sich der Gutachter verantworten (Bild: keystone)

Taxi in Zürich

Im Wetziker Taximord muss sich der Gutachter verantworten (Bild: keystone)

Das Bundesgericht hat entschieden: Der Bezirksrichter, der den Wetziker Taximörder entliess, hat definitiv keine Strafverfolgung zu befürchten. Im Gegensatz zum Verfasser des psychologischen Gutachtens.

Der Psychiater, der das verhängnisvolle Gutachten zur Freilassung des späteren Taximörders von Wetzikon verfasst hat, muss sich einer Strafuntersuchung stellen. Ohne Verfahren kommt dagegen der Bezirksrichter davon, der den Mann aus dem Fürsorgerischen Freiheitsentzug entlassen hatte, wie das Bundesgericht in einem gestern publizierten Urteil entschied.

Entlassen trotz Gefährlichkeit

Am 16. September 2007 erstach ein psychisch angeschlagener und drogensüchtiger Zürcher in Wetzikon einen Taxichauffeur. Der damals 54 Jahre alte Täter, der bereits im November 2002 mit einem Messer einen Polizisten im Zustand völliger Unzurechnungsfähigkeit erstechen wollte, war wenige Tage zuvor aus dem Fürsorgerischen Freiheitsentzug entlassen worden. Und dies, obwohl das Obergericht am 23. August 2007 für den gefährlichen Mann Sicherheitshaft angeordnet hatte.

Die Zürcher Staatsanwaltschaft hegte den Verdacht, verschiedene Beamte und andere Beteiligte
könnten dafür verantwortlich sein, dass der Zürcher auf freiem Fuss war und seine Tat überhaupt begehen konnte. Die Staatsanwaltschaft beantragte deshalb bei der Anklagekammer des Zürcher Obergerichts die Eröffnung von Strafuntersuchungen, unter anderem gegen den Bezirksrichter, der die Freilassung angeordnet hatte, und gegen den Psychiater, der das für die Freilassung verantwortliche Gutachten verfasst hatte.

Die Anklagekammer sah jedoch keinen Anlass, Strafuntersuchungen wegen fahrlässiger Tötung zu eröffnen. Auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft hin entschied das Zürcher Obergericht dann allerdings, dass gegen den Psychiater, nicht aber gegen den Bezirksrichter eine Strafuntersuchung einzuleiten sei.

Bezirksrichter unschuldig

Das Bundesgericht hat nun definitiv bestätigt, dass gegen den Bezirksrichter kein Strafverfahren zu eröffnen ist. Aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Akten war ihm nicht bekannt, dass der Zürcher bereits im Jahre 2002 versucht hatte, mit einem Messer einen Polizisten zu erstechen. Zudem wurde der Bezirksrichter durch das Gutachten des Psychiaters entlastet, welches eine Fremdgefährdung durch den späteren Taximörder von Wetzikon verneinte. Nicht eingetreten ist das Bundesgericht aus formellen Gründen auf eine Beschwerde des Psychiaters. Damit steht fest, dass sich dieser einer Strafuntersuchung stellen muss.

Staatsanwaltschaft zufrieden

Die Zürcher Staatsanwaltschaft nahm das Gerichtsurteil mit Befriedigung auf. Wie Ulrich Weder, leitender Staatsanwalt des Kantons, zu «Radio 24» sagte, begrüsse er den Entscheid. «Es war immer unsere Auffassung, dass in diesem Fall eine Strafuntersuchung eröffnet werden muss.» (AP/MRE)

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