Nationalität von Verdächtigen

Strafrechtsexperte Killias: «Warum nennt man dann Alter und Geschlecht?»

Strafrechtsexperte Martin Killias hält es für «naiv», zu glauben, dass durch Weglassen der Nationalität in Polizeimeldungen Rassismus bekämpft wird.

Strafrechtsexperte Martin Killias hält es für «naiv», zu glauben, dass durch Weglassen der Nationalität in Polizeimeldungen Rassismus bekämpft wird.

Die Stadtpolizei Zürich will die Nationalität von Verdächtigen nur noch auf Anfrage nennen. Strafrechtsexperte Martin Killias hält die bisherige Praxis für besser.

Die Stadtpolizei Zürich nennt die Nationalität von Verdächtigen nur noch auf Anfrage. Ist das eine gute Idee?

Martin Kilias: Ich fand die bisherige Praxis besser. Es ist naiv zu glauben, dass durch Weglassen der Nationalität in Polizeimeldungen Rassismus bekämpft wird. Nehmen wir das Beispiel Frankreich. Dort wird die Nation in der Statistik verschwiegen. Der Rassismus ist dadurch trotzdem nicht zurückgegangen.

Fördert es nicht Rassismus, wenn die Nation als einer von wenigen Fakten genannt wird?

Zuerst einmal möchte ich zu bedenken geben, dass die Rolle der Medien in dieser Diskussion überschätzt wird. Die Alltagserfahrungen der Menschen spielen für Rassismus eine viel grössere Rolle als Berichte in den Medien. Dann stellt sich die Frage, warum Alter und Geschlecht genannt werden, nicht aber die Nationalität. Am Dienstag hat ein 80-Jähriger in Lenzburg eine 19-Jährige überfahren. Alle denken: Alte sollten nicht mehr Auto fahren, dabei machen junge Männer statistisch viel mehr Unfälle.

Laut dem Zürcher Polizeivorsteher Richard Wolff gibt es keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Nationalität und einer Tat.

In den Sozialwissenschaften ist Kausalität immer schwierig zu beweisen. Aber es gibt eine sehr starke Korrelation zwischen gewissen Delikten und der Angehörigkeit zu gewissen Nationalitäten. Es gibt grosse Unterschiede, nicht so sehr zwischen den Gruppen Schweizern und Ausländern, sondern innerhalb der Gruppe der Ausländer: Angehörige gewisser Nationalitäten verüben überdurchschnittlich häufig gewisse Delikte.

Werden wir konkret: Es gibt das Klischee des «Balkanrasers». Wo liegt hier eine Kausalität zwischen Herkunft und Delikt?

Dem Phänomen des Balkanrasers liegt zugrunde, dass auf dem Balkan männliches Imponiergehabe eine grössere Rolle spielt als in der Schweiz. Das Auto hat zudem eine viel wichtigere Bedeutung. Als Folge davon kaufen sich viele junge Männer mit Balkanhintergrund schnelle Autos und brauchen sie auch.

Martin Killias ist Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie.

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