Füglistaller

Strafanzeige gegen Nationalrat Lieni Füglistaller

Die Affäre um Darlehen eskaliert. Der Schuldner Josef Beck geht gegen den SVP-Nationalrat Lieni Füglistaller vor und hat gegen ihn eine Strafanzeige wegen versuchten Wuchers und versuchter Erpressung eingereicht.

Urs Moser

Statt aus einem Darlehen von 20000 Franken 70000 Franken gemacht hat Nationalrat Lieni Füglistaller noch gar kein Geld von seinem Schuldner gesehen und dafür einen Riesenärger am Hals.

Der Tüftler Josef Beck aus Zürich, dem Füglistaller ein Darlehen von 20000 Franken gegeben hatte, zeigte den Nationalrat am Montag bei der Aargauer Staatsanwaltschaft wegen versuchten Wuchers und versuchter Erpressung an.

Die ominöse Bonus-Forderung

Beck war mit einer Geschäftsidee an Füglistaller herangetreten: ein neues Zündungssystem für Verbrennungsmotoren, das den Treibstoffverbrauch und den CO-Ausstoss massiv reduziert. Vermarkten liess sich die Idee bis jetzt nicht, Beck konnte das Anfang 2008 gewährte Darlehen nicht zurückzahlen und bat um eine Fristverlängerung. Diese war Lieni Füglistaller auch bereit zu gewähren, aber nur zu einem stolzen Preis: Er unterbreitete seinem Schuldner einen neuen Darlehensvertrag, der neben 7,5 Prozent Zinsen auf den geschuldeten 20000 Franken einen nicht eben bescheidenen «Bonus» von 50000 Franken für die Engelsgeduld des Gläubigers vorsah.

Letzter Einigungsversuch

Beck unterschrieb nicht, eine gütliche Einigung kam nicht zustande, der Schuldner hat
eine Pfändungsandrohung am Hals. Und die liess ihn an die Öffentlichkeit treten. Bei allem Schuldbewusstsein für die versäumte Rückzahlung: Was der Aargauer Nationalrat da mit ihm habe anstellen wollen, sei Abzockerei und Wucher, erklärte Beck gegenüber dieser Zeitung. Das war Mitte Januar, von einer Strafanzeige war da aber noch nicht die Rede.

In der Zwischenzeit versuchte Josef Beck noch einmal zu einer gütlichen Einigung mit seinem Gläubiger zum kommen, um die Pfändung abzuwenden. Eine Antwort ging erst am Sonntag per Fax ein. Er habe wegen Ferienabwesenheit nicht früher auf das Schreiben seines Schuldners antworten können, teilte Füglistaller mit. Beck könne sein Anliegen am Dienstag Füglistallers Anwalt in Aarau vortragen.

Parteifreunde wenden sich ab

Unterdessen hatte die Angelegenheit längst Wellen geschlagen. Lieni Füglistallers Parteikollegen im Freiamt wurden auf die Auseinandersetzung aufmerksam. Sie luden ihn als Referenten an der Generalversammlung der SVP des Bezirks Bremgarten aus (wir berichteten am 3. Februar). Von Bezirksparteipräsident Andreas Glarner vorgängig zur Rede gestellt, hatte der Nationalrat angeführt, die 50000-Franken-Bonusforderung wäre nur fällig geworden, wenn sich die Erfindung seines Schuldners auch hätte vermarkten lassen. Das war durch einen Kontakt mit Füglistallers Schuldner als unwahr zu entlarven, jedenfalls steht es so nicht im Entwurf zum Darlehensvertrag, den Beck den Freiämter Parteistrategen vorlegte. Statt mit dem Anwalt in Aarau Kontakt aufzunehmen, setzte Beck die Strafanzeige auf. Füglistaller habe seine Notsituation ausnützen wollen, weil er gewusst habe, dass er nicht flüssig sei, macht er geltend.

«Unglücklich formuliert»

Gestern äusserte sich nun Lieni Füglistaller erstmals zur Angelegenheit. Er sieht sich vom Opfer zum Täter gemacht, der eingeschaltete Anwalt beurteilt die Strafanzeige als völlig haltlos. Füglistaller hatte den Darlehensvertrag eigenhändig ohne juristische Beratung aufgesetzt. Die Formulierung sei unglücklich gewesen, räumt er ein. Es sei aber immer der Meinung gewesen, dass die Bonuszahlung nur als Gewinnbeteiligung für den Fall fällig werde, dass sich die Idee seines Schuldners tatsächlich gewinnbringend vermarkten lasse. Füglistaller kann Dukumente vorlegen, die zeigen, dass sein Schuldner ursprünglich auch gewillt war, in diesem Sinn auf den Vorschlag einzutreten. Dieser Zeitung liegt auch ein Schreiben vor, das belegt, dass Lieni Füglistaller die Bonus-Forderung wieder zurücknahm, nachdem es zu keiner Einigung kam. Danach kündigte er den ursprünglichen Darlehensvertrag im August 2008 und versucht seither seine 20000 Franken plus Zinsen einzutreiben.

Meistgesehen

Artboard 1