Absender sind die Anwälte von Viktor Chrapunov, einem schwerreichen Kasachen, der in Genf lebt und dort mit seiner ex-Frau für politisches Asyl kämpft. Der ehemalige Bürgermeister der grössten kasachischen Stadt Almaty wirft Borer vor, im Auftrag der kasachischen Regierung um Machthaber Naserbajew zu spionieren.

Es gebe Anlass zur Annahme, dass Borer «neben der Verbreitung ehrverletzender Äusserungen von den kasachischen Behörden damit beauftragt wurde, diverse geheime und vertrauliche Informationen über meine Person und meine Familie zu erheben und den kasachischen Behörden zu übermitteln», steht in der Anzeige.

30'000 Dollar pro Monat

Basis für die Vorwürfe sind namentlich Einzelheiten, die ein im Internet aufgetauchter Mail-Verkehr zwischen Borer und kasachischen Regierungsvertretern ans Licht brachte. Darüber hatte die NZZ letzte Woche berichtet. Aus den Mails ging etwa hervor, dass Borer von Kasachstan monatlich 30'000 Dollar für seine Dienste erhält. Borer gab zudem unter anderem an, er verfüge über einen Informanten in den Bundesanwaltschaft.

Thomas Borer, ex-Botschafter der Schweiz in Deutschland, reagiert gegenüber der Zeitung «gelassen» auf die Strafanzeige.: «Ich habe mich immer korrekt verhalten.» Dass er politischen Nachrichtendienst betrieben haben solle, sei «schlicht lächerlich“.