Vor einer Woche hatten ihn seine Bundesratskolleginnen und -kollegen noch ausgebremst, gestern nun erhielt Guy Parmelin grünes Licht: Der Sportminister darf dem Komitee «Sion 2026» eine Milliarde Franken in Aussicht stellen für den Fall, dass seine Kandidatur im Herbst 2019 den Zuschlag vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) erhält: 8 Millionen Franken für die Kandidaturphase, 31 für die Infrastruktur, 129 für die Sicherheit und 827 für die Durchführung. So will die Regierung mithelfen, erstmals seit St. Moritz 1948 wieder Winterspiele in die Schweiz zu holen.

Diesen Grundsatzentscheid teile er mit Freude mit, sagte Parmelin am Mittwoch vor den Medien. Olympische Spiele seien nicht nur ein sportliches Projekt, sondern ein nationales. «Sie sind eine grosse Chance für Wirtschaft und Gesellschaft.»

Eine unlimitierte Defizitgarantie, wie sie das IOC von Veranstaltern verlangt, will der Bundesrat dieses Mal allerdings nicht abgeben. Vor fünf Jahren war dies noch anders gewesen: Für die damals geplante Kandidatur Graubündens für die Winterspiele 2022 hatte der Bundesrat erklärt, der Bund trage grundsätzlich jedes Defizit. Nun sagte Parmelin dazu, die Limite werde Teil der Schweizer Kandidatur sein.

Stolpersteine für «Sion 2026»

Die Bündner Bewerbung wurde im März 2013 von der Stimmbevölkerung beerdigt: Eine Mehrheit von 53 Prozent sagte Nein zum Mega-Projekt. Auch die Kandidatur von «Sion 2026» steht auf wackligen Beinen. Sie hat in den nächsten anderthalb Jahren etliche Stolpersteine zu überspringen.

  • Kantonale Abstimmungen: Die Spiele im «Herzen der Schweiz» sollen nicht nur im Wallis durchgeführt werden, sondern auch in den Kantonen Bern, Freiburg, Waadt und Graubünden (siehe Grafik). So gut wie sicher ist eine Abstimmung einzig im Wallis. Sagt die Bevölkerung dort Nein, wäre dies laut Parmelin das Ende der Kandidatur. Bei einem negativen Entscheid in einem der anderen Kantone könnten alternative Austragungsorte geprüft werden. Dort kommt das Geschäft aber nur an die Urne, wenn eine gewisse Ausgabenschwelle überschritten wird. In der Schweiz sind Olympische Spiele an der Urne wiederholt abgelehnt worden. Auch im Ausland scheitern Projekte regelmässig: So hat erst gerade am vergangenen Sonntag die Stimmbevölkerung Tirols mit 53,4 Prozent Nein gesagt.
  • Eidgenössische Abstimmung: Zu einer solchen dürfte es kaum kommen, weil es auf Bundesebene kein Finanzreferendum gibt. Die Grünen freilich drängen mit einer Petition auf eine Abstimmung. «Schon jetzt zeichnet sich eine Kostenexplosion ab», sagt Vizepräsidentin Lisa Mazzone. «Ein derart grosses Risiko einzugehen, ohne dass sich die Bevölkerung dazu äussern kann, ist unverantwortlich.» Auch die SP findet, eine demokratische Mitsprache der Bevölkerung sei unverzichtbar. Käme es zu einer Abstimmung, empfähle wohl auch die SVP ein Nein, die Partei von Parmelin also: Der gestrige Bundesratsentscheid sei zum aktuellen Zeitpunkt völlig unverständlich, teilte sie mit. Angesichts der knappen finanziellen Mittel gelte es, jetzt endlich klare Prioritäten bei den Aufgaben und Ausgaben des Bundes zu setzen.
  • Internationale Konkurrenz: Das IOC vergibt die Spiele im Oktober 2019. Ambitionen hegen auch Almaty (Kasachstan), Sapporo (Japan), Lillehammer (Norwegen), Erzurum (Türkei), Calgary (Kanada) und Salt Lake City (USA). Es sind potente Kandidaturen darunter, die deutlich mehr protzen können als «Sion 2026». Und davon liess sich das IOC in der Vergangenheit nicht selten blenden.

Bundesrat Guy Parmelin zeigt sich zuversichtlich im Hinblick auf die Abstimmungen in den betroffenen Kantonen. Die Befürworter müssten nun aber Überzeugungsarbeit in den Kantonen leisten.