Stipendien
Stipendienzahlungen sind im Kanton Zürich deutlich zurückgegangen

Ein Viertel der Stipendien-Gesuche im Kanton Zürich wird abgelehnt – tiefe Elternfreibeträge machen sich bemerkbar – eine Anpassung für 2010 wird geprüft.

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Universität Zürich

Universität Zürich

Limmattaler Zeitung

Die Stipendienzahlungen sind im Kanton Zürich in den letzten zehn Jahr markant zurückgegangen. Die Zahl der Stipendienbezüger blieb dabei fast konstant. Der «wirtschaftliche Abschwung» dürfte nach Einschätzung des Zürcher Regierungsrats zu einer Zunahme der Gesuche führen. Es sei damit zu rechnen, «dass einerseits Studierende weniger verdienen können und dass anderseits auch Eltern Einkommenseinbussen erleiden», schreibt die Kantonsregierung in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage aus den Reihen von SP und CVP.

Bislang wurde im Kanton Zürich Jahr für Jahr rund ein Viertel der Stipendienanträge abgewiesen, «weil die finanziellen Voraussetzungen für einen Anspruch» nicht erfüllt waren, so der Regierungsrat. Die Gesamtsumme an Stipendienzahlungen werde sich trotz der zu erwartenden Zunahme an Gesuchen nicht wesentlich ändern, hält die Regierung weiter fest. Und zwar, solange die in der Stipendienverordnung festgelegten Pauschalen der Elternfreibeträge nicht angepasst werden.

Die Beiträge der Stipendienverordnung werden von der Bildungsdirektion alle fünf Jahre überprüft und «bei Bedarf» angepasst. Auf den 1. Januar 2010 ist das wieder fällig, so der Regierungsrat. Überprüfung und Anpassung erfolgten «im Rahmen der Festlegung des Budgets 2010». Ein Rechenbeispiel liefert der Kanton bereits: «Die Erhöhung der Elternfreibetragspauschale an die Bedarfsgrenze für Zusatzleistungen hätte - aufgrund der kalkulatorischen Basis der Stipendiengesuche von 2008 - Mehrkosten von rund 8 Millionen Franken zur Folge.»

Beliefen sich die kantonalen Stipendienleistungen 1998 auf rund 35 Millionen Franken, waren es 2008 noch knapp 31,4 Millionen. Das heisst: Heute werden nur noch 90 Prozent der vor zehn Jahr geleisteten Summe ausgerichtet. Besonders markant ist der Rückgang bei den Stipendien des Kantons an Studentinnen und Studenten der Universitäten, Fachhochschulen und der höheren Berufsbildung. Auf dieser Stufe gingen die Leistungen um 28 Prozent - nominal: 6,17 Millionen Franken - zurück. Während die Stipendien für Ausbildungen an allgemeinbildenden Schulen ebenfalls deutlich rückläufig waren, haben sie für die berufliche Grundbildung zugenommen.

Kaufkraftbereinigt gingen die Stipendienleistungen im Kanton Zürich seit 1988 gar um insgesamt 6,88 Millionen Franken oder knapp 20 Prozent zurück. Allein auf der Hochschulstufe betrug das Minus 35 Prozent oder 7,8 Millionen Franken. In der beruflichen Grundbildung stiegen die Beiträge im Verlauf der letzten zehn Jahre dagegen real um 3,1 Millionen Franken oder 55 Prozent.

Die Zahl der Stipendienbezügerinnen und -bezüger hat sich im Kanton Zürich kaum verändert. Sie ist insgesamt um rund 100 Personen angestiegen. Konkret: von 4084 Bezügerinnen und Bezügern 1998/99 auf 4188 im Jahr 2008. Innerhalb der einzelnen Ausbildungskategorien gab es indes erhebliche Veränderungen, wie der Regierungsrat weiter festhält. So hatten 2008 doppelt so viele Personen, die eine betriebliche Lehre absolvierten, einen Anspruch auf Stipendien. Demgegenüber sank die Zahl der Stipendienbezüger in allgemeinbildenden Schulen. Deutlich rückläufig war auch die Zahl der Personen, die Stipendien ausbezahlt erhielten, auf der Hochschulstufe.

Die durchschnittlichen Stipendienbeträge sind im Zehn-Jahres-Vergleich trotz leichter Zunahme der genehmigten Gesuche in fast allen Ausbildungskategorien gesunken - insgesamt um 12 Prozent, kaufkraftbereinigt gar um 21 Prozent. Diese Entwicklung ist laut dem Regierungsrat «im Wesentlichen auf die tiefen Elternfreibeträge zurückzuführen». (wi)