Eigentlich ist es jetzt schon zu spät. Die Frist der brieflichen Abstimmung ist längst verstrichen. Wer den Stimmzettel nicht am Sonntag persönlich in die Urne wirft, kann das Abstimmungsresultat nun nicht mehr beeinflussen.

Rund 90 Prozent von jenen, die abstimmen, tun das per Couvert. Deshalb kann das Geheimnis jetzt gelüftet werden – ohne zu riskieren, dass jemand aus Protest sich seiner Stimme enthält: Die Stimmbürger in der Schweiz werden ungleich behandelt. Es besteht eine Diskriminierung, die staatspolitisch nicht unbedenklich ist. Abhängig von Kanton, im Einzelnen sogar von der Wohngemeinde, unterscheiden sich die Kosten für die Stimmabgabe.

Der Stadt-Berner muss beispielsweise die Briefmarke kaufen und aufkleben, bevor er sein Stimmcouvert zur Post bringt. Dem Basler bezahlt seit Einführung der brieflichen Abstimmung der Kanton das Porto, in Zürich sind die Gemeinden verpflichtet, die Briefe vorzufrankieren.

Nur vermeintlicher Röstigraben

Diese Unterschiede ziehen sich durch das ganze Land, wie eine Umfrage bei allen 26 Staatskanzleien ergibt. Auf den ersten Blick drängt sich ein sprachlicher Graben auf – Jura, Neuenburg, Waadt, Freiburg, Wallis und das Tessin setzen darauf, dass die Bürger unabhängig der Kosten abstimmen. Sie können den Brief entweder in die Urne oder in den Gemeindebriefkasten werfen und dafür nichts bezahlen. Die meisten kaufen aber eine Briefmarke, um das Stimmcouvert per Post zu schicken.

Der Kanton, der seinen Bürgern die Abstimmung am meisten vereinfacht, liegt allerdings ebenfalls in der Romandie. Genf bezahlt seinen Bürgern nicht nur das Porto, Genf hat als einziger Kanton neben Neuenburg die «vote électronique» eingeführt. Bei nationalen Vorlagen dürfen 30 Prozent der Genfer über Internet abstimmen. Diese Möglichkeit haben in anderen Kantonen bisher nur Auslandschweizer – im Aargau oder in Baselland beispielsweise. Dort müssen sich anders als im Nachbarskanton Solothurn die Bürger nicht um die Briefmarken kümmern.

Keine Unterschrift in Basel

Einzelne Gemeinden haben sich jedoch von der kantonalen Praxis emanzipiert: etwa Freiburg und Lugano und einzelne Gemeinden in Bern, Schwyz, Luzern, Thurgau oder Schaffhausen bezahlen die Briefmarken.

Letztere werden zur Kasse gebeten, wenn sie nicht abstimmen: Schaffhausen hat die Stimmpflicht noch nicht abgeschafft: Drei Franken kostet die Busse. Lockerer sehen es die Basler. Sie müssen nicht einmal einen Stimmrechtsausweis unterschreiben.