Bewegungsfaul

Stillsitzen gilt nicht mehr - Schulen bauen freiwilliges Sportangebot aus

Schweizer Schülerinnen und Schüler liegen im Bereich Bewegung nur im Mittelfeld der vergleichbaren Nationen aus Europa. Dies hat eine kürzlich publizierte Studie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) gezeigt.

Auf Anfrage heisst es im Bundesamt für Gesundheit (BAG): «Nur ein geringer Anteil der Schweizer Kinder und Jugendlichen erfüllt die Empfehlungen von mindestens einer Stunde Bewegung pro Tag.» Es gibt vielfältige Ansätze, das Problem anzugehen. So setzen sich Akteure der Bundesverwaltung zum Beispiel für attraktiv gestaltete Quartiere, sichere Fuss- und Velowege wie auch für die Förderung des Langsamverkehrs ein, um Bewegung zu begünstigen.



Ein starker Fokus liegt auf den Schulen: Via freiwilligen Schulsport sollen Kinder erreicht werden, die in ihrer Freizeit in keinem Verein aktiv sind oder an Sportkursen teilnehmen. Freiwilliger Schulsport zusätzlich zum obligatorischen Sportunterricht ist vielerorts etabliert. Sportämter, etwa im Kanton Aargau, Basel-Landschaft oder Basel-Stadt, unterstützen die Schulen - zum Teil auch finanziell - darin, zusätzliche Angebote zu schaffen. In anderen Kantonen, etwa in den Kantonen Solothurn und Zürich, ist der freiwillige Schulsport noch im Aufbau.

Neuerdings aber prüfen Schulen auch Sportangebote im Rahmen von Tagesstrukturen. Sehr zum Gefallen von Jugend und Sport (J+S), dem Sportförderungsnetzwerk des Bundes: «Tagesstrukturen bieten die grosse Chance, J+S-Kindersportkurse anzubieten und den Schulalltag der Kinder mit mehr Bewegung und Sport anzureichern», sagt Patricia Steinmann, die Verantwortliche für den Kindersport bei J+S.

Mütter in der Turnhalle

Im Schulhaus Dorf in Rüschlikon im Kanton Zürich stehen seit vergangenem August einmal die Woche über Mittag Mütter in der Turnhalle. Gemeinsam mit Lehrpersonen bieten sie fünf- bis zehnjährigen Kindern, die den Mittagstisch der Schule besuchen, eine Stunde Sport an. Dazu haben Mütter wie Lehrpersonen die J+S-Leiter-Anerkennung für Kindersport erworben. Das Bundesamt für Sport unterstützt die Kindersport-Stunden finanziell. «Vor allem jüngeren Kindern, die an der Tagesstruktur über Mittag teilnehmen, tut es gut, sich zu bewegen. Denn die lange Mittagszeit an der Schule kann aufreibend sein für sie», sagt Schulleiter Michael Müller, der das Angebot initiiert hat. Auch an der Primarschule in Moos in Rüschlikon wird seit dem Sommer eine zusätzliche Stunde Sport angeboten - diese findet im Anschluss an den Nachmittagsunterricht statt.

Im Kanton Basel-Stadt läuft seit dem Sommer ebenfalls ein Pilotprojekt im Kindersport im Bereich Tagesstrukturen. Hier setzt man vor allem auf die Mitarbeit der Betreuungspersonen. Stark involviert in diesem Projekt ist das Sportamt Basel-Stadt, das der Primarschule Margarethen, die für den Pilot ausgewählt worden ist, einen ausgebildeten Sportleiter zur Verfügung stellt. «Wir hoffen, dass dadurch die Betreuungspersonen einen stärkeren Bezug zum Sport bekommen, ohne einen einwöchigen Leiter-Kurs absolvieren zu müssen», so Luzia Schmuziger vom Basler Sportamt. Die Rückmeldungen seien sehr positiv, sagt Schmuziger: «Die Kinder kommen gern, der Leiter findet es super und die Betreuungspersonen profitieren.»

Projekte laufen auch im Vorschulbereich: So werden an der Berufs-, Fach- und Fortbildungsschule Bern die Lernenden zusätzlich zu J+S-Leitern Kindersport ausgebildet. Die angehenden Fachpersonen Betreuung lernen, wie sie mehr Bewegung in die Kindertagesstätten oder Tagesschulen bringen können.

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