Steuergeldverschwendung: Schwierige Suche nach Schuldigen

Die Verantwortlichen des kantonalen Tiefbauamtes haben sich kulant gezeigt beim Rückbau der gefährlichen Verkehrsberuhigungsmassnahme «Dachlisser Busen». Schuld soll die Gemeinde sein. Die Zeche – rund 10000 Franken – blecht in jedem Fall der Steuerzahler.

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Dachflisser Busen

Dachflisser Busen

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Von Martin Platter

Im Zuge der flankierenden Massnahmen der A4 wird im Säuliamt gebaut wie wild. Fehler sind programmiert, denn wo viel gehobelt wird, fallen Späne. Darüber sind sich noch alle einig. Schwierig wird`s, wenn man versucht, die Verantwortlichen von Fehlplanungen zu eruieren. Konkret: Der «Anzeiger» wollte wissen, wer den «Bock» mit dem «Dachlisser Busen» geschossen hat.

Die Ausbuchtung an der unübersichtlichsten Stelle der Verbindungsstrasse zwischen Mettmenstetten und Obfelden war anlässlich einer zweiwöchigen Strassensperre im Mai dieses Jahres erstellt worden. Ohne das Wissen des zuständigen Gemeinderates Kurt Schaltegger, der sich über die gefährliche Strassenverengung fürchterlich ärgerte und einen Artikel in dieser Zeitung initiierte.

Der Bericht blieb bei den zuständigen Stellen im kantonalen Tiefbaudepartement nicht unbeachtet. Eine dreiköpfige Delegation aus Zürich und zwei Vertreter der Kantonspolizei nahmen zusammen mit Schaltegger und dem Mettmenstetter Gemeindeschreiber Edy Gamma Ende Juli vor Ort einen Augenschein und kam zum gleichen Schluss wie der Gemeinderat: zu gefährlich. Ein Rückbau ist angezeigt. Der komplette Gemeinderat fasste an seiner Sitzung einige Tage später den offiziellen Beschluss dazu.

Ursache der Fehlplanung ungewiss

Wie konnte es überhaupt zur Fehlplanung kommen? Der Projektverantwortliche Martin Kummer schiebt der Gemeinde Mettmenstetten den Schwarzen Peter zu: «Die Baupläne sind 1997 ordnungsgemäss auf der Gemeindeverwaltung in Mettmenstetten aufgelegen. Niemand hatte damals einen Einwand gegen das Projekt.»

Gamma wollte es genau wissen. Im Gemeindearchiv fand er unter den Ausführungsprojektplänen zur A4 einen winzig kleinen Hinweis. «Auf dem A3 grossen Plan im Massstab 1:5000 muss die Strassenverjüngung praktisch mit der Lupe gesucht werden», erklärte der Gemeindeschreiber. Ein Detailplan, einen Beschluss des Gemeinderates oder wenigstens eine Stellungnahme oder Gesprächsnotizen, die auf die Behandlung des Geschäfts hingedeutet hätten, habe er dagegen keine gefunden. «Die Unterlagen waren seinerzeit detailliert und ausführlich», widerspricht Kummer. «Dann soll mir Kummer die Unterlagen zeigen», so die Replik von Gamma, der die Art, wie der Kanton bisher über das Nationalstrassenbauprojekt informierte, diplomatisch als «unglücklich» bezeichnet.

Gegen Strassenabstufung

Nicht das einzige, was der Mettmenstetter Behörde unter den Nägeln brennt. «Wir wollen nicht, dass die Hauptstrasse zwischen Mettmenstetten und Obfelden mit der Eröffnung der A4 zur Nebenstrasse abgestuft wird», sagt Schaltegger. Denn dann müsste die Gemeinde auch für den Unterhalt dieser Ausweichroute aufkommen, die zudem für Schwertransporte des Typs 1 (bis 5,2 Meter Höhe, 7,5 Meter Breite, maximales Gesamtgewicht bis 480 Tonnen) vorgesehen ist. «Bereits jetzt hat die Gemeinde ein Strassennetz von 70 Kilometern zu unterhalten. Das ist genug», sagt Schaltegger bestimmt. Zumal die Gemeinde - im Gegensatz zum Kanton - nicht in Genuss von Strassenverkehrsabgaben und Benzinzöllen komme.

Das Beste ist jedoch: Käme es tatsächlich zu einer Abstufung, ist gemäss Kummer nicht ausgeschlossen, dass der «Dachlisser Busen» wieder gebaut würde. Quasi der Rückbau vom Rückbau.