Die notwendigen Kosten für Fahrten zwischen dem eigenen Zuhause und der Arbeitsstätte dürfen in der Steuererklärung als Berufskosten abgezogen werden. Auf welche Weise der Berufsweg zurückgelegt werde, lasse das Gesetz hingegen offen, schreibt das Bundesgericht in seinem am Freitag publizierten Urteil.

Und es schiebt nach, dass es "ohnehin nicht Sache des Steuerrechts sein kann, Vorschriften zur Gestaltung des Berufswegs zu machen". Dies wollten jedoch die Gemeinde Bassersdorf ZH und das kantonale Steueramt Zürich einem Mann machen, der seinen Arbeitsweg mit Velo und S-Bahn absolviert und dies entsprechend in seiner Steuererklärung 2014 geltend machte.

Gemeinde und kantonales Steueramt wollten die Kumulation der Abzüge nicht gelten lassen. Sie stellten sich auf den Standpunkt, dass die Verordnung zu den Berufskosten dies nicht zulasse. Dem ist gemäss Urteil des Bundesgerichts hingegen nicht so.

Kein "artreiner" Arbeitsweg

Zwar bestehe eine gewisse Präferenz für den öffentlichen Verkehr, als die Kosten für ein Privatfahrzeug nur in gewissen Fällen geltend gemacht werden könnten. Damit würden Verwaltung und Gerichte eine Lenkungswirkung verfolgen. Bei aller Präferenz sehe das Gesetz aber nicht vor, dass der Arbeitsweg "artrein" absolviert werden müsse.

Im Fall Bassersdorf waren die Behörden der Ansicht, dass der Velofahrer seinen Weg bis zum Bahnhof auch zu Fuss und mit dem Bus zurücklegen könne. Damit hätte der betroffene Steuerzahler rund acht Minuten früher zur Arbeit aufbrechen müssen.

Wie viel mehr oder weniger Zeit ein Arbeitnehmer unterwegs ist, spielt jedoch keine Rolle, wie dem Lausanner Urteil zu entnehmen ist. Um einem Steuerpflichtigen Vorgaben zur Absolvierung seines Arbeitsweges machen zu können, bedürfte es einer gesetzlichen Vorgabe.

Erheblich benachteiligt

Zudem zeige die Praxis, dass die Arbeitswege immer länger würden, so dass es zu einem Split komme. Dieser Realität kann sich das Verordnungsrecht gemäss Bundesgericht nicht verschliessen.

Auch würden Personen, die nicht in Zentrumsnähe wohnen würden und durchgängig auf den öffentlichen Verkehr zurückgreifen könnten, mit der Auffassung des Zürcher Steueramts "erheblich benachteiligt", schreibt das Bundesgericht.

In dem für den Bassersdorfer positiv ausgefallenen Urteil windet ihm das Bundesgericht ein Kränzchen: "Der Steuerpflichtige bewältigt den Berufsweg auf zugleich ökonomische wie ökologische Weise. Indem er den Bus meidet, trägt er dazu bei, dass die öffentlichen Verkehrsmittel in den Stosszeiten nicht weiter ausgebaut werden müssen."

Dass der Mann das Velo auch tatsächlich benützt, davon hat sich die Vorinstanz gemäss Urteil vergewissert. (Urteil 2C_745/2017 vom 21.09.2017)