«Mit dem Lädelisterben hat unser Internet- Angebot gar nichts zu tun. Wir sind Detailfachgeschäfte, die mit dem Online-Shopping neue Kundenbedürfnisse abdecken wollen und keine serbelnden Tante-Emma-Lädeli», sagt Metzgermeister Hans Probst, Inhaber der gleichnamigen, seit 1956 in Stettlen ansässigen Metzgerei. «Wir wollen unseren Kunden das Einkaufen erleichtern», erklärt Probst.

Initiiert hat die seit vorgestern Dienstag aufgeschaltete Internetseite «e shop-Stettlen» der Gemeinderat, wie Gemeindepräsident Lorenz Hess (BDP) sagt. «In unseren Legislaturzielen haben wir auch den Erhalt der Einkaufsmöglichkeiten in unserem knapp 3000 Einwohnern zählenden Dorf festgeschrieben.» Vor fast drei Jahren sei er deshalb mit dem Vorschlag auf die fünf Detaillisten mit Produkten für den täglichen Bedarf zugegangen, eine gemeinsame Verkaufsplattform im Internet zu schaffen.

Nach der Zusage habe die Gemeinde das Projekt finanziert. Die dafür notwendigen 50 000 Franken habe die Stiftung der aufgelösten Ersparniskasse von Konolfingen (EvK), an der Stettlen beteiligt war, beigesteuert. Weitere 10 000 Franken jährlich leiste die Gemeinde aus dem Ertrag den Stettlen vom «EvK-Fonds für besondere Zwecke».

Bestellungen am Starttag

«Unsere Kundinnen und Kunden haben sehr positiv auf die Eröffnung reagiert», sagt Probst. Er habe schon am ersten Tag eine Internet-Bestellung erhalten. Auch Elsbeth Julier vom Lebensmittelgeschäft Maxi berichtet von einem Auftrag gleich am Starttag. «Und im Laden erhielt ich nur Lob. Das ganze ist auch eine gute Reklame für unser normales Geschäft», sagt Julier.

Mit dabei ist neben dem Blumenladen Prismaflor auch die Dropa-Drogerie. Dropa-Geschäftsleiterin Alice Stäger erhofft sich vom Internet-Geschäft Zusatzaufträge. «Wer tagsüber arbeitet, hat am Abend kaum Lust und Zeit, in mehreren Läden einzukaufen.» Wer bei «e shop-Stettlen» postet, dem stünden zwei Möglichkeiten offen: «Entweder lässt er sich die Waren gegen eine Gebühr nach Hause liefern oder er holt sie am Abend in seinem Wunschgeschäft ab.»

Gertrud Gautschi von der gleichnamigen Bäckerei streicht auch das breite Angebot an Backwaren für Internet- Kunden heraus. «Wer sich sein Brot erst am Abend besorgen kann, der hat meist nur noch eine bescheidene Auswahl. Wir hatten sehr positive Rückmeldungen.» Domizillieferungen sind ab einem Mindesteinkauf von total 60 Franken möglich.

Nebst Stettlen werden auch Kunden in den umliegenden Gemeinden Boll, Vechigen, Utzigen, Bolligen, Ittigen und Ostermundigen bedient. Die Käufe in den einzelnen Läden werden aufaddiert. Der Kunde bezahlt einmal, die Läden rechnen selber untereinander ab.

Keine Schlafgemeinde werden

Alle Mitmachenden betonen, sie hätten sich aus einer starken Position für das Projekt entschieden. Gautschi: «Wir wollen verhindern, dass aus Stettlen eine Schlafgemeinde wird.» Damit treffen sich die fünf Online-Shop-Detaillisten mit den Zielen des Gemeinderates: «Im Interesse einer prosperierenden Zukunft lohnt sich das Engagement der Gemeinde», sagt Präsident Hess: «Wir sind schon etwas stolz auf unsere Detaillisten. Ihr gemeinsamer Internet-Shop ist auch eine Antwort auf neue Ladenketten wie Aldi und Lidl.» (mz/uz/fhe)