Dunkelziffer

Sterblichkeitsrate: Wie tödlich ist das Corona-Virus wirklich?

Ein Spital-Mitarbeiter reinigt eine COVID-Triage im Berner Inselspital.

Ein Spital-Mitarbeiter reinigt eine COVID-Triage im Berner Inselspital.

Weltweit gibt es gegen 100'000 gemeldete Infizierte. 3381 Personen sind am Corona-Virus gestorben. Das ergibt eine Sterblichkeitsrate von 3,5 Prozent. Tatsächlich dürfte sie aber weit tiefer sein. Entscheidend ist die Dunkelziffer der Infizierten.

Nun hat also auch in der Schweiz das Corona-Virus zu einem Todesfall geführt. Am Donnerstag verstarb eine 74-Jährige Frau im Universitätsspital Lausanne. Aufgrund der über hundert Infizierten in der Schweiz, darf das nicht verwundern. Doch wie gefährlich ist das Virus wirklich, wie hoch ist seine Sterblichkeitsrate?

In der Schweiz haben sich bisher 210 Menschen mit der Krankheit angesteckt (Stand Freitagabend). Bei einem Todesfall hiesse das, dass die Mortalitätsrate bei 0,5 Prozent liegt. Eine solche Berechnung ist aber Unsinn, da die Anzahl Fälle statistisch gesehen zu klein sind. Weltweit gibt es laut Weltgesundheitsorganisation 98'202 bestätigte Ansteckungen, wovon 3381 tödlich verliefen. Das ergibt eine Sterblichkeitsrate von 3,4 Prozent (Anzahl Todesfälle geteilt durch Anzahl Ansteckungen). Je nach Land variiert dieser Wert aber. So beträgt er etwa in Italien 3,8 Prozent.

Diese Zahl ist aber irreführend: «Es gibt immer einen zeitlichen Verzögerungseffekt», sagt Manuel Battegay, Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel. Von der Ansteckung bis zu einem möglichen Todesfall, dauert es mehrere Tage oder sogar Wochen. Ausserdem wird bei dieser Zahl die Dunkelziffer nicht berücksichtigt.

Eine Vielzahl von Menschen wird sich mit dem Virus infiziert haben, ohne dass ihre Fälle gemeldet worden wären. Vielleicht haben sie Symptome verspürt wurden aber nicht getestete. Vielleicht verlief das Virus bei ihnen aber auch so harmlos, dass sie keine Symptome verspürt haben. Die Dunkelziffer ist, entscheidend, um zu bestimmen, wie gefährlich die Krankheit wirklich ist.

Sicher tödlicher als eine normale Grippe

Wird die Sterberate des Corona-Virus falsch eingeschätzt? In einem Anfang Februar veröffentlichten Fachartikel kommt Battagay zusammen mit Kollegen aus dem Universitätsspital und der Universität Basel zu diesem Schluss. Der Artikel fand insbesondere im asiatischen Raum grosse Verbreitung. «Mit dem Schwerpunkt auf Tausenden von schweren Fällen könnten milde oder symptomlose Krankheitsverläufe, die möglicherweise für den Grossteil der 2019-nCoV-Infektionen verantwortlich sind, weitgehend unerkannt bleiben, insbesondere während der Grippesaison», schreiben die Autoren.

Allerdings sei es schwierig, die Dunkelziffer genauer abzuschätzen. Ein spezieller Fall für die Forschung ist das Kreuzfahrtschiff «Diamond Princess», auf dem sich 700 Passagiere mit dem Virus angesteckt haben. «Der Fall zeigt, wie schnelle sich das Virus in einem geschlossenen System verbreitet und wie hoch die Ansteckungsrate ist», sagt Battegay. Damit können Rückschlüsse auf die globale Verbreitung gemacht werden. Der Chefarzt geht davon aus, dass global zwischen 350'000 und 700'000 Menschen infiziert seien. Das würde heissen, dass die Dunkelziffer bis zu 7 Mal höher ist als die tatsächlich gemeldeten Fälle. Die Sterblichkeitsrate wäre demzufolge 0,5 bis 1 Prozent.

Für zu hoch gegriffen hält Battegay aber die Angabe, die in den letzten Tagen mit Verweis auf das Robert Koch Institut in Deutschland in den Medien zu lesen war und die besagt, dass es nicht unrealistisch wäre, wenn die Dunkelziffer zehn Mal höher wäre. Das kämen einer Million Infizierten gleich, womit die Sterberate auf 0,35 Prozent zurückging – und in dem Bereich einer starken Saison-Grippe zu liegen käme. Battegay hält fest: «Bei allem was wir bisher wissen, können wir sagen, dass das Corona-Virus wesentlich gefährlicher ist, als eine Influenza.»

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