Freidenker
Stefan Mauerhofer: «Ich glaube ans Spaghetti-Monster»

Stefan Mauerhofer, Co-Präsident der Freidenker-Vereinigung, ist Atheist und glaubt nur ans Spaghetti-Monster. Er findet, Religion ist eine Privatsache.

Andreas Toggweiler
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Solothurner Zeitung

Sie hätten lieber, wenn auf der Hasenmatt kein Gipfelkreuz stünde. Was würden Sie stattdessen aufstellen?

Stefan Mauerhofer: Das ist mir egal. Das Kreuz ist einfach ein Symbol für eine Religion, die die anderen Religionen hier besiegt hat. Stellen Sie sich vor, Sie finden auf der Hasenmatt einen Koranspruch, das würden Sie auch komisch finden. Mir geht es mit dem Kreuz jedenfalls so, als ich kürzlich auf der Hasenmatt war. Wobei ich festhalten möchte, dass ich ein Kreuz oder ein anderes religiöses Symbol nie beschädigen würde.

Als Freidenker kämpfen Sie schon lange gegen die Religionen und hatten kaum Echos. Jetzt wird plötzlich eine grosse Diskussion losgetreten. Woran liegt das?

Stefan Mauerhofer: Ich muss präzisieren. Wir kämpfen nicht gegen die Religionen, sondern dafür, dass alle Religionen gleich behandelt werden. Bei uns wird das Christentum ungerechtfertigt privilegiert. Kirchen sollten wie jeder Verein behandelt werden und keine Kirchensteuern erheben dürfen. Es war auch ein Fehler, als bei der Gründung des Schweizer Bundesstaates vor 150 Jahren – notabene nach einem Religionskrieg – die Religionsfrage an die Kantone delegiert wurde. Deshalb gibt es jetzt zum Beispiel im Wallis Probleme.

Aber es muss doch einen Grund geben, wieso die Diskussion gerade jetzt wieder aufflammt.

Stefan Mauerhofer: Ausgelöst wurde das Ganze durch die Minarett-Abstimmung. Ich stelle einfach fest, dass seither die Religion wieder in aller Munde ist. Oder sogar mehr: Es findet eine richtiggehende religiöse Aufrüstung in der Öffentlichkeit statt, sowohl beim Islam als auch bei den Christen.

Und das stört Sie?

Stefan Mauerhofer: Ja. Denn Religion sollte Privatsache sein. Konkret sind wir für die Trennung von Kirche und Staat in der Schweiz. Und auch gegen Kirchensteuern für juristische Personen.

Aber die christlichen Feiertage möchten Sie behalten...

Stefan Mauerhofer: Ja. Sie haben für die Bevölkerung kaum noch religiöse Bedeutung. Und dann sollte sie nicht der Kanton noch mit Dingen wie dem Tanzverbot an hohen Feiertagen befrachten.

Glauben Sie eigentlich an irgendetwas?

Stefan Mauerhofer: Ich bin Atheist. Und sonst glaube ich ans Spaghetti-Monster.

Wie bitte?

Stefan Mauerhofer: Wir haben zum Jux an einem Karfreitag in Grenchen die Kirche des Spaghettimonsters gegründet, um zu zeigen, wie lächerlich und unangemessen religiöse Dinge auf Leute wirken können.

Und wie reagierte die Bevölkerung auf diese Provokation?

Stefan Mauerhofer: Ich hatte selber kaum Reaktionen. Nur meine Mutter, die katholisch ist, muss sich ab und zu Kritik anhören.