Spitalplanung

Statt der Fusion kommt die Diät: Basel-Stadt verdaut Nein besser – in Baselland kommt der Abbau

Düster sieht es für das stationäre Angebot am Standort Bruderholz des KSBL aus. Hier kommt es sicher zu einem Abbau.

Die hart umkämpfte Spitalfusion wurde im Stadtkanton abgelehnt, während das Baselbiet klar zustimmte. Klar ist, dass das Kantonsspital Baselland jetzt gesundgeschrumpft werden muss, um zu überleben. Auch Standortschliessungen sind nicht ausgeschlossen.

Für den Kanton Baselland kommt es knüppeldick: Da stimmen gestern zwei Drittel des Baselbieter Stimmvolks der Fusion zwischen dem Kantonsspital Baselland (KSBL) und dem Universitätsspital Basel (USB) zum Universitätsspital Nordwest (USNW) zu. Doch weil die Abstimmenden von Basel-Stadt dieselbe Vorlage mit 56 Prozent Nein-Anteil ablehnen, scheitert die Spitalfusion. Weitreichende Auswirkungen hat das Aus für das bikantonale Mega-Projekt aber in erster Linie auf dem Land. Die Baselbieterinnen und Baselbieter waren letztlich also dem Goodwill der Städter ausgeliefert – und dieser blieb aus. «Ich bin masslos enttäuscht», kommentierte ein sichtlich mitgenommener Werner Widmer, Verwaltungsratspräsident des KSBL, das Resultat. Viereinhalb Jahre hätten die beiden Spitäler am Projekt gearbeitet, doch, so Widmer ernüchtert: «Für eine Fusion braucht es immer zwei.»

153 Millionen fürs Eigenkapital

Nicht unbedingt besser dürfte es das Statement seines Pendants beim USB, Robert-Jan Bumbacher, machen: «Heute und morgen ändert sich für das Unispital nichts, wir stehen finanziell gut da. Die Stimmbevölkerung will, dass wir nun den Alleingang wählen. Von daher machen wir uns Gedanken zu unserer Zukunft – unabhängig davon, wie es dem KSBL alleine geht.» Tatsächlich scheint das Unispital mit einem Ebitda von mittlerweile acht Prozent gerüstet, anstehende Grossinvestitionen wie das neue Klinikum 2 – mit Ach und Krach – selbst zu stemmen. Gleichwohl gibt Bumbacher zu bedenken: «Mittel- und langfristig bleibt es eine Herausforderung, als kleinstes Universitätsspital der Schweiz zu bestehen.» So ist völlig offen, wie lange das USB alleine noch die national festgelegten Fallzahlen erreichen kann, um die lukrativen Leistungsaufträge für die hochspezialisierte Medizin zu erhalten.

Bereits kurzfristig wirkt das Nein zur Fusion hingegen auf das Kantonsspital Baselland. Das ist allen Verantwortlichen klar. «Wir haben sicher mehr Zeitdruck als das USB. Es braucht Veränderungen. Mit den drei Standorten Liestal, Bruderholz und Laufen in der heutigen Ausprägung kann das KSBL nicht überleben», sagt Widmer. Der Auftrag des Eignerkantons, formuliert durch den Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber, ist eindeutig: «Der Verwaltungsrat des KSBL muss Kosten und Erträge ins Gleichgewicht bringen.» Momentan steckt die Institution tief in den roten Zahlen. Sie erwartet für 2018 ein Defizit von 14,5 Millionen Franken. Eine erste Hilfeleistung kommt vom Kanton Baselland: Gestern kündigte Weber an, das dem KSBL gewährte Darlehen über 153 Millionen Franken in Eigenkapital umwandeln zu wollen. Für den Kanton wäre dies bilanzneutral, dem Spital aber würde es helfen, sich auf dem Kapitalmarkt Geld zu beschaffen. «Dann wären wir hervorragend gerüstet, um Investitionen wie den neuen Behandlungstrakt am Standort Liestal möglichst rasch zu realisieren», sagt KSBL-CEO Jürg Aebi. Die entsprechende Regierungsvorlage soll laut Weber noch im ersten Quartal an den Landrat überwiesen werden.

Doch gemeinsame Gesellschaften?

An den nicht mehr zeitgemässen Strukturen des KSBL ändert das allerdings nichts. Der Plan des USNW wäre es gewesen, auf dem Standort Bruderholz eine Tagesklinik für ambulante Eingriffe sowie ein Orthopädie- und Reha-Zentrum einzurichten. In Laufen eine Schmerzklinik und einen separat von Baselland durch gemeinwirtschaftliche Leistungen getragenen 24-Stunden-Notfall. Nur Liestal wäre Grundversorger geblieben.

Fusionskritiker Kaspar Sutter von der Basler SP sagt: «Wir brauchen ein starkes Spital Basel und ein starkes Spital Liestal. Das Bruderholzspital ist am Ende seines Lebenszyklus, da muss man sich überlegen ob die Leistungen nicht besser in Liestal konzentriert werden.»

Stichwort Standortschliessungen. Dieses heisse Eisen wollten gestern weder der Regierungsrat noch die Spital-Verantwortlichen anfassen. Doch es ist klar, dass etwas gehen muss: «Auf dem Bruderholz haben wir die ambulante Infrastruktur soweit hergerichtet, wie sie für uns allein betreibbar ist. Infrage gestellt ist dort aber das stationäre Geschäft», sagt Aebi. Das orthopädische Zentrum etwa sei nicht gestorben, jedoch sei fraglich, ob es auf dem Bruderholz zustande kommt. Möglich ist, dass das USB sowohl Orthopädie als auch das Ambulatorium alleine realisiert. «Wir müssen alle gemeinsam geplanten Projekte unter den neuen Rahmenbedingungen nochmals beurteilen», sagt Bumbacher.

Wie das gesundgeschrumpfte KSBL der Zukunft aussehen könnte, wird sich im Sommer zeigen. Bis Ende Juni will der Verwaltungsrat der Regierung seine alternative Strategie präsentieren. Auch Kooperationen mit dem neuen alten Konkurrenten USB sind nicht ausgeschlossen. Hier widersprachen sich gestern allerdings die Spital-Oberen: «Gesellschaften mit gemeinsamen Kassen für gewisse Teilbereiche zu bilden, ist vom Tisch», sagt Widmer. «Die Lösung können gemeinsame Gesellschaften mit dem KSBL sein, wie wir es beim Bauchzentrum Clarunis mit dem Claraspital machten», sagt dagegen Bumbacher. Am Ende trifft es wohl KSBL-CEO Aebi am besten: «Wir sind Konkurrenten, aber wir sind keine Feinde.»

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