Startschuss für Limmattalbahn

2019 sollen mit der Limmattalbahn die ersten Passagiere befördert werden können. Die Bahn zwischen Altstetten und Killwangen wird zudem als Impuls für eine positive Siedlungsentwicklung der Region angepriesen.

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Startschuss für Limmattalbahn – Chance auf Prosperität

Startschuss für Limmattalbahn – Chance auf Prosperität

Der Prominentenaufmarsch in der Hostellerie Geroldswil machte es gestern Mittag deutlich: Die Limmattalbahn ist ein Projekt von grosser Tragweite – und zwar nicht nur für die Region zwischen Zürich und Baden. Deutlich wurde auch: Die Limmattalbahn «ist nicht allein als Verkehrsprojekt, sondern viel mehr als ein Städteprojekt zu verstehen», sagte etwa Cyrill Weber, Leiter des Gesamtprojekts, das unter Federführung des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) steht. Projektpartner ist der Kanton Aargau.

Das Projekt Die Limmattal Bahn ist 13,5 Kilometer lang. Sie kommt zu drei Vierteln auf Zürcher und zu einem Viertel auf Aargauer Boden zu liegen. Die Strecke: Bahnhof Zürich-Altstetten, Bahnhof Schlieren, Spital Limmattal, Bahnhof Dietikon, Shoppingcenter Spreitenbach, Bahnhof Killwangen. Der Kanton Aargau würde die Bahn gerne bis nach Baden verlängern, so Regierungsrat Peter C. Beyeler. Die Idee werde geprüft, sei jedoch nicht Teil des heutigen Projekts.

Cyrill Weber schätzt die Kosten auf 600 bis 700 Millionen Franken, für die Bund, Kanton und Gemeinden gemeinsam aufkommen werden. 2016 sollen die Bagger auffahren, etwa drei Jahre später die ersten Passagiere transportiert werden – zumindest auf der Teilstrecke Altstetten bis Spital Limmattal.

Knacknüsse und Lösungen Zwei Fragen konnten in den letzten Monaten geklärt werden: Erstens, die Limmattalbahn soll nicht erst beim Farbhof beginnen, sondern aufgrund der besseren Anbindungen an das übergeordnete S-Bahn-Netz beim Bahnhof Altstetten. Zweitens, die Linie hält vor dem Spital Limmattal.

Eine eigentliche Knacknuss ist aufgrund der engen Platzverhältnisse die genaue Linienführung durch das Stadtzentrum von Dietikon. Da sind mehrere Lösungsmöglichkeiten in Diskussion. Auch der Entscheid, ob die Limmattalbahn ein Zug, ein Tram oder gar eine spurgeführte Pneustadtbahn ist, steht noch aus.

Die Planung Die Limmattalbahn wird als Gesamtprojekt geplant, projektiert und dem Bund zur Genehmigung vorgelegt. Nächstes Ziel ist der Abschluss des Vorprojekts. Der Entscheid, ob das Projekt dann allenfalls etappiert wird, ist noch nicht gefallen, so Cyrill Weber.

Hintergrund und Bedeutung Für ZVV-Direktor Franz Kagenbauer ist klar: Die Limmattalbahn ist ein Projekt von zentraler Bedeutung für die ganze Region. Zwischen 2000 und 2025 wird mit einer Zunahme der Arbeitsplätze um 40 Prozent gerechnet. Die Bevölkerung wird gemäss Prognosen um ein paar Zehntausend Personen auf 140 000 anwachsen. Verbunden ist diese Entwicklung mit einem massiv erhöhten Bedarf an Mobilität.

Das Strassennetz aber, so Kagenbauer, sei an gewissen Knotenpunkten bereits an der Kapazitätsgrenze angelangt, ein Ausbau nur nur noch punktuell möglich. Weil die Strassen verstopft sind, hätten die Busse Probleme, den Fahrplan einzuhalten, was die Passagiere verärgere. Hinzu kommt: Die S3 und S12 befördern heute 70 Prozent mehr Passagiere als vor 10 Jahren, ein Trend, der laut Kagenbauer anhalten wird.

Das Fazit: «Mit den bisherigen Mittel allein liesse sich der erwartete Mehrverkehr im nächsten und übernächsten Jahrzehnt nicht bewältigen», so Kagenbauer. Deshalb muss die Limmattalbahn als so genannter Mittelverteiler zwischen das grobgliedrige S-Bahn-Netz und das feingliedrige Bus-Netz geschoben werden.

Chancen und Gefahren Die Limmattalbahn bietet nicht nur die Chance, ein Verkehrsproblem zu entschärfen. Sie ist nach Ansicht von Georg Tobler Leiter der Sektion Agglomerationsentwicklung beim Bundesamt für Raumentwicklung der eigentliche Schlüssel für die Entwicklung der Region. Die Limmattalbahn kann Impulse für die Siedlungsentwicklung geben, doch muss diese gelenkt werden, um Lebensqualität zu erhalten und zu fördern. Sie kann Identität stiften, indem die wichtigen Akteure der Region zusammenspannen. Sie kann dazu führen dass unansehnlicher öffentlicher Raum (etwa Strassen) aufgewertet und für Fussgänger attraktiver wird. Sie kann nicht zuletzt Auslöser für die Aufwertung bestehender Quartiere sein.

Auch der Aargauer Regierungsrat Beyeler sieht dies so: «Mit der Limmattalbahn machen wir Stadtentwicklung. Diesmal nicht im Stadtzentrum von Zürich sondern im urbanen Raum ausserhalb des Zentrums. Wichtig ist ihm: Eine «Bandstadt» wie das Limmattal sei ohne Zäsuren, Dorfkerne und Freiräume ein Siedlungsbrei. Das müsse verhindert werden.

zufriedenes Limmattal Die Gemeindevertreter aus dem Limmattal sind bislang zufrieden mit dem Projektverlauf, wie Willy Haderer, Präsident der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL), gestern stellvertretend für die Gemeinden erklärte. Ihre Anregungen (etwa beim Spital) wurden aufgenommen, das Projekt kommt voran.