Die Autobiografie «Life is a circus» (Das Leben ist ein Zirkus), vom weltbekannten Gourmet-Koch und Restaurantbesitzer Anton Mosimann (70), enthüllt erschreckendes: «Über sechzig Jahre lang habe ich für mich behalten, dass ich als Bub missbraucht worden bin», berichtet Mosimann, Vater von zwei Söhnen und Ehemann von Kathrin (72). «Mit öppe siebejährig. Ein jüngerer Mann aus der Nachbarschaft hat mich am Nachmittag auf seine Lambretta gesetzt und ist mit mir beim Chappeli in den Wald hinauf gefahren. Mindestens zwei Mal. Es war furchtbar. Mit öppe siebejährig! Ich hatte doch keine Ahnung. Woher auch.»

Mosimann: "Ich bin heim und habe mich verkrochen"

Der Täter habe Mosimann gedroht, dass er ihn zusammenschlagen oder umbringen würde, wenn er es jemandem sage. Mosimann: «Und ich bin heim, habe mich verkrochen und habe geschwiegen. Ich habe es nie, nie jemandem gesagt. So viele Jahrzehnte lang habe ich diese Sache jetzt mitgetragen. Im Alltag habe ich genug zu tun gehabt, aber im Untergrund isch es geng echli gsi. Und irgendwann ist mir aufgegangen, dass ich als Bub vielleicht deswegen gestottert habe. Weil er mir gedroht hat und ich Angst hatte. Aufgehört hat das Stottern ja dann, nachdem wir vom Chappeli weg nach Nidau gezügelt sind.»

Das Buch «Life is a circus» (Friedrich Reinhardt Verlag) ist aber nicht nur traurig, es erzählt auch davon, wie Mosimann von exzentrischen Küchenchefs gelernt, mit bescheidenen Superstars gelacht, für talentierte Kriminelle gekocht, mit heiteren Milliardären gejasst, mit gekrönten Häuptern philosophiert und mit Obdachlosen gegessen hat. Anton Mosimann und sein Co-Autor Willi Näf geben einen einmaligen Einblick in den «Backstage»-Bereich der internationalen Spitzengastronomie und in die Welt der Schönen und Reichen. Das Buch enthält zudem ein Portfolio mit exklusiven Aufnahmen von Prominenten und zahlreichen Gästebucheinträgen sowie einige von Anton Mosimanns beliebtesten Rezepten.

Kate Moss, Bill Clinton, Mick Jagger

Schon seit 1988 ist der gebürtige Bieler (Nidau) in London tätig und führt im Diplomaten-Viertel Belgravia das erfolgreiche Clubrestaurant Belfry. Gegessen haben dort in den letzten 25 Jahren viele Berühmtheiten – von Topmodel Kate Moss (43) über Ex-US-Präsident Bill Clinton (70) bis hin zu Rock-Ikone Mick Jagger (73) oder Film-Diva Elizabeth Taylor. Bereits mit 28 war Mosimann im weltbekannten Luxushotel Dorchester Küchenchef und seit über 43 Jahren bekocht er die britische Königsfamilie – die Queen (90) und auch Prinz William (34) und Kate (35). Wenn er durch die Tür des Buckingham-Palasts geht, schlägt sein Herz höher.

Für seine Verdienste um die britische Gastronomie wurde ihm von Königin Elisabeth II. (90) der «Order of the British Empire» verliehen, eine Ehre, die nur wenigen Nicht-Briten zukommt. «Zum Reichtum unserer Gäste hatte ich ein absolut unverkrampftes Verhältnis. Dass hier die Hunde besser assen als viele Menschen im Nidau meiner Kindheit, beschäftigte mich nicht», so Mosimann im Buch.

Clubrestaurant in Olten war kein Erfolg

Der Versuch, ab 2000 im Sälischlössli bei Olten ein exklusives Clubrestaurant nach Londoner Vorbild zu betreiben, funktioniert nicht. 2003 schliesst das «Château Mosimann». «Auch Misserfolge gehören zum Leben. Wenn die Sonne jeden Tag scheint, ist das auch nicht mehr interessant», so der Gastro-Unternehmer nach der Schliessung. Gemäss eigenen Angaben arbeitet er noch immer zwischen 12 bis 15 Stunden am Tag und er hat «in der Küche noch nie geschrien». Und dass der Meisterkoch noch immer so fit ist, verdankt er unter anderem auch seiner Disziplin – fünfmal pro Woche geht Mosimann ins Fitnesscenter. Geraucht hat er nie und Alkohol geniesst er nur in kleinen Mengen.

Es war schon immer Anton Mosimanns grosser Wunsch, sein spektakuläres Leben in einem Buch zu verewigen: «Eines Abends im Juni 2015 klingelte mein Telefon. Eine internationale Nummer auf dem Display. Sch…Callcenter, dachte ich, nahm aber trotzdem ab», so Co-Autor Willi Näf. «Ein Mann sagte: «Grüessech Herr Näf, da isch Mosima, i möcht mi Outobiografie schribe, dir syt mer empfohle worde, düet dir settig Sache schribe?»