Infektionsketten

«Stark gefordert» – das Contact Tracing der Kantone ist die Achillesferse im Kampf gegen Corona

Eine Person nutzt die SwissCovid-Contact-Tracing-App auf ihrem Smartphone.

Eine Person nutzt die SwissCovid-Contact-Tracing-App auf ihrem Smartphone.

Steigende Fallzahlen und unübersichtliche «Superspreader-Events» bringen Kantone bei der Rückverfolgung von Infektionsketten an ihre Grenzen. Der Bundesrat zeigt sich zuversichtlich, dass sie der Herausforderung gewachsen sind.

137 Neuinfektionen meldete das Bundesamt für Gesundheit am Mittwoch – der höchste Tageswert seit Anfang Mai. Mit den steigenden Fallzahlen wächst die Angst vor einer zweiten Welle.

Mit dem Ende der ausserordentlichen Lage am 20. Juni hat der Bundesrat die Verantwortung den Kantonen übertragen, eine zweite Corona-Welle zu verhindern. Sie sind für die Durchsetzung der Schutzmassnahmen zuständig – und für das Contact Tracing. Die Rückverfolgung und Unterbindung von Ansteckungsketten beim Auftreten einer Neuinfektion ist ein zentrales Element der seit dem 20. Juni geltenden «Containment»-Strategie, die eine erneute unkontrollierte Ausbreitung des Virus verhindert soll. Zuständig sind die kantonsärztlichen Dienste.

Zürich fährt Kontrollanrufe bereits zurück

Besonders schwierig ist die Rückverfolgung bei «Superspreader-Events», bei denen eine Einzelperson mehrere andere Personen ansteckt. Zu solchen Fällen kam es in Clubs und Bars in Zürich, Spreitenbach und Olten. An solchen Orten ist die Anzahl potenziell angesteckter Personen besonders hoch. Falsche Mailadressen von Besuchern des Zürcher Nachtclub «Flamingo» erschwerten die Arbeit des kantonsärztlichen Dienstes zusätzlich.

«Unser Contact-Tracing-Team ist derzeit sehr stark gefordert», sagte die Zürcher Kantonsärztin Christiane Meier gestern vor den Medien. 25 Personen arbeiten in Zürich derzeit im Schichtbetrieb daran.

Die Zürcher Kantonsärtzin Christiane Meier am Mittwoch vor den Medien.

Die Zürcher Kantonsärtzin Christiane Meier am Mittwoch vor den Medien.

Mehrarbeit fällt insbesondere deswegen an, weil die Anzahl der engen Kontaktpersonen von positiv getesteten Coronainfizierten stark angestiegen ist. Waren das im März noch zwei oder drei Kontakte, sind es bei den jüngsten Fällen im Kanton Zürich durchschnittlich mehr als 20 Personen, die kontaktiert und in Quarantäne geschickt werden müssen. Im Kanton Zürich wurden aus Ressourcengründen die Anzahl Kontrollanrufe bereits heruntergefahren.

Berset ermuntert Kantone zu weiteren Schritten

Die Berner Kantonsärztin Linda Nartey ist Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärzte. Die Kantone seien sich ihrer Verantwortung bewusst und nehmen diese wahr. Ihre Contact Tracings seien so konzipiert, «dass sie solche Events oder steigende Fallzahlen vorderhand bewältigen können». Bei stark ansteigenden Fallzahlen müssten zusätzliche Mitarbeiter rekrutiert und ausgebildet werden. Diese Skalierung sei nicht überall im gleichen Masse und gleich schnell möglich: «Zu gegebenem Zeitpunkt wird allenfalls zu entschieden sein, wie lange das Contact Tracing in einer zweiten Pandemiewelle durchführbar ist», so Narteys warnende Worte.

Gesundheitsminister Alain Berset vertraut den Kantonen.

Gesundheitsminister Alain Berset vertraut den Kantonen.

Gesundheitsminister Alain Berset (SP) zeigte sich gestern zuversichtlich, dass es nicht soweit kommen wird. Die Kantone hätten sich seit Anfang April darauf vorbereitet können. «Aber ich ermuntere sie, angesichts der steigenden Fallzahlen die nächsten Schritte vorzubereiten». Denkbar sei etwa, die Tracing-Teams kurzfristig bei steigendem Aufwand mit Angehörigen des Zivilschutzes zu verstärken.

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